IoT-Geräte kompromittieren


Risiko IoT-Apps: Die Verwundbarkeit der Dinge durch Anwendungsschwachstellen
Neue Bedrohungen wie die Kompromittierung von Anmeldeinformationen durch Schwachstellen in Web- und Mobil-Applikationen bestimmter IoT-Devices



Von Klaus Gheri, Vice President & General Manager Network Security bei Barracuda Networks

Sei es der Kühlschrank, der meldet, wenn die Milch alle ist, oder der Thermostat, der Nutzungsstatistiken aufs Smartphone sendet verschiedenste Produkte, die traditionell nicht über eine Netzwerkverbindung verfügten, werden mittlerweile damit ausgestattet. Abgesehen von Computer, Telefon, Tablet oder Router gilt grundsätzlich jedes Endanwender-Gerät, das sich mit einem Netzwerk verbinden kann, als IoT-Device. Zu den größten Problemen dieser Entwicklung zählen jedoch immer noch die vielen Sicherheitslücken der Geräte. Zwar bemühen sich Hersteller mittlerweile um Verbesserungen, zugleich zeigen sich neue Bedrohungen wie die Kompromittierung von Anmeldeinformationen durch Schwachstellen in Web- und Mobil-Applikationen bestimmter IoT-Devices.

Derlei gestohlene Anmeldedaten ermöglichen es Angreifern, sich beispielsweise den Videofeed einer IoT-Überwachungskamera anzeigen zu lassen, Alarme zu setzen, zu empfangen oder zu löschen, gespeicherte Videoclips aus dem Cloud-Storage zu entfernen sowie Kontoinformationen auszulesen. Darüber hinaus können Kriminelle die Anmeldedaten auch dazu nutzen, um ihr eigenes Firmware-Update auf das IoT-Gerät zu übertragen, seine Funktionalität zu ändern und mit dem kompromittierten Gerät, andere Geräte im selben Netzwerk anzugreifen.

Schwachstellen-Test: Die unsichere Security-Kamera
Um diese Art Bedrohung zu veranschaulichen, hat das Sicherheitsteam von Barracuda eine IoT-Überwachungskamera untersucht und eine Vielzahl von Schwachstellen in der Web-Applikation sowie dem Ökosystem der mobilen Anwendungen der Kamera identifiziert. Hierzu zählen:

>> Die mobile App ignoriert die Gültigkeit des Serverzertifikats
>> Cross-Site Scripting (XSS) in der Web-Applikation
>> Datei-Übertragung in einen Cloud-Server
>> Der Benutzer steuert den Link zum Aktualisieren des Geräts
>> Geräte-Updates werden nicht signiert
>> Das Gerät ignoriert die Gültigkeit des Serverzertifikats

Mithilfe dieser Schwachstellen konnte das Barracuda-Sicherheitsteam zwei Angriffsarten durchführen, um Anmeldeinformationen abzugreifen und das IoT-Gerät zu kompromittieren und das ohne direkte Verbindung zum Gerät selbst.

Angriff 1: Diebstahl von Zugangsdaten aus der mobilen App
Gelingt es einem Angreifer, den Datenverkehr mit der mobilen App über ein kompromittiertes Netzwerk abzufangen, kann er das Benutzerpasswort problemlos abgreifen. Der Ablauf des Angriffs ist wie folgt:

1. Das Opfer verbindet sich mit seinem Mobiltelefon mit einem kompromittierten Netzwerk.
2. Die IoT-App wird versuchen, sich über https mit den Servern des Herstellers zu verbinden.
3. Das kompromittierte Netzwerk leitet die Verbindung zum Server des Angreifers weiter, der sein eigenes SSL-Zertifikat verwendet und die Kommunikation zum Server des Anbieters vorgaukelt.
4. So erhält der Server des Angreifers einen ungesalzenen MD5-Hash des Benutzerkennworts.
5. Zudem kann der Angreifer auch die Kommunikation zwischen dem Server des Anbieters und der App manipulieren.

Angriff 2: Zugangsdatendiebstahl von der Webanwendung
Dieser Angriff nutzt die Funktionen aus, die es Benutzern ermöglichen, den Gerätezugriff auf die IoT-Überwachungskamera mit anderen Benutzern zu teilen. Um ein Gerät gemeinsam nutzen zu können, muss der Empfänger über ein gültiges Konto beim IoT-Anbieter verfügen und der Absender den Benutzernamen des Empfängers kennen. Bei der getesteten IoT-Überwachungskamera entsprach der Benutzername der E-Mail-Adresse. Cyberkriminelle würden bei einem Angriff folgendermaßen vorgehen:

1. Der Angreifer bettet einen XSS-Exploit in einen Gerätenamen ein und teilt dieses Gerät dann mit dem Opfer.
2. Sobald sich das Opfer mit der Webanwendung in sein Konto einloggt, wird der XSS-Exploit ausgeführt und teilt das Zugriffstoken, das als Variable in der Webanwendung gespeichert ist, dem Angreifer mit.
3. Mit dem Zugriffstoken kann der Angreifer anschließend auf das Konto des Opfers und alle registrierten Geräte zugreifen.

Die Schwachstellenanalyse zeigt, wie Angreifer ein IoT-Gerät ohne direkte Verbindung zum Gerät selbst kompromittieren können. Das erleichtert Cyberkriminellen das Leben: Kein Scannen nach anfälligen Geräten mehr auf der IoT-Suchmaschine Shodan. Stattdessen zielt der Angriff auf die Infrastruktur des IoT-Herstellers.

Diese Art Bedrohung kann verschiedenste IoT-Devices betreffen, da sie die Art und Weise nutzt, wie das Gerät mit der Cloud kommuniziert. Mit der Verlagerung des Zugriffs sowie der Zugriffskontrollen für IoT-Geräte auf Cloud-Dienste sind die oben gezeigten neuen Schwachstellen und Angriffsvarianten hinzugekommen. So steht und fällt die Sicherheit des Internet of Things nicht nur mit den Sicherheitsvorkehrungen für die Geräte selbst, sondern mit der Entwicklung und genauen Schwachstellenanalyse von Prozessen.
(Barracuda Networks: ra)

eingetragen: 06.02.19
Newsletterlauf: 13.03.19

Barracuda Networks: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Grundlagen

Welche Spuren interne Täter im Netzverkehr legen

Viele Diskussionen malen gerne den eigenen Mitarbeiter als IT-Sicherheitsrisiko an die Wand. Die tatsächliche Gefahr, die von ihm ausgeht, ist aber oft unklar. Verschiedene Täterprofile interner Angreifer können größeren Schaden anrichten.

Verbesserte IT-Sicherheit und Resilienz

Anlässlich der EU-NATO-Task Force über die Resilienz der Kritischen Infrastruktur (KRITIS) in Europa mehren sich auch in Deutschland die Diskussionen darüber, wie diese bestmöglich geschützt werden kann. Die vier Schlüsselbereiche, die laut des vor Kurzem veröffentlichten EU/NATO-Papiers eine erhöhte Anfälligkeit für Cyber-Angriffe bieten und somit besonders schützenswert sind, sind Energie, Verkehr, digitale Infrastruktur und Weltraum.

KI macht Ransomware noch gefährlicher

Ransomware ist schon längere Zeit ein echtes Problem für Organisationen jeder Art und Größe. Betrachtet man die neuesten Entwicklungen, ist keine Entwarnung in Sicht. Eher im Gegenteil: Die Kriminellen nutzen mittlerweile KI, um ihre Angriffe noch effizienter zu machen.

Von Erpressungsangreifern verwendete Kryptowährungen

Erpressungsangriffe sind eine immer häufiger auftretende Form von E-Mail-Betrug. Hierbei drohen Cyberkriminelle ihren Opfern mit der Veröffentlichung von kompromittierenden Informationen, etwa einem peinlichen Foto, und fordern eine Zahlung in Kryptowährung. Oft kaufen die Angreifer die Anmeldedaten der Opfer oder erlangen sie durch Datenlecks, um zu "beweisen", dass ihre Drohung legitim ist.

Besuchen Sie SaaS-Magazin.de

SaaS, On demand, ASP, Cloud Computing, Outsourcing >>>

Kostenloser Newsletter

Werktäglich informiert mit IT SecCity.de, Compliance-Magazin.de und SaaS-Magazin.de. Mit einem Newsletter Zugriff auf drei Online-Magazine. Bestellen Sie hier

Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

Diese Webseite verwendet Cookies - Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Mit dem Klick auf „Erlauben“erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.