Rubrik: Markt/Hintergrund

SYSTEMS am Ende: Traditionsmesse findet 2009 nicht mehr statt

Der Bereich IT-Security soll eine eigenständige Messe erhalten

(27.10.08) - Aufmerksame Aussteller und Besucher hatten den kontinuierlichen Niedergang der SYSTEMS schon seit langem beobachten können. Auch gut verpackte Hurrameldungen der Messegesellschaft konnten die Probleme nicht übertünchen. Immer mehr Aussteller kehrten der Messe den Rücken, die Hallen quollen nicht gerade vor Besuchern über. 2008 wurde dann erstmals die Notbremse gezogen und die Messedauer auf vier Tage verkürzt.

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Jetzt kam - nicht völlig überraschend - das Aus für die Traditionsmesse: Nach fast 40 Jahren schloss die SYSTEMS im Jahr 2008 für immer ihre Tore. 2009 wird es sie nicht mehr geben.

Die Statistik der letzten Jahre zeigt den Leidensweg der Veranstaltung:

·         SYSTEMS 2008: 39.000 Besuchern, 1.061 Aussteller

·         SYSTEMS 2007: über 40.000 Besucher, 1.106 Aussteller

·         SYSTEMS 2006: 51.721 Besucher, 1.260 Aussteller

oder zum Vergleich die glorreichen Zeiten:

·         SYSTEMS 2000: 147.000 Besucher

·         SYSTEMS 1999: 133.000 Besucher

Über die Gründe des Niedergangs lässt sich trefflich streiten. Fakt ist, dass mit dem Platzen der Internet-Blase die negative Trendwende bei der SYSTEMS eingeleitet wurde. Auch das breite Informationsangebot im Internet macht es heutzutage eigentlich nicht mehr erforderlich, Basis-wissen in Form von Flyer und Gesprächen auf einer Messe einzusammeln.

Selbst vom boomenden Security-Markt konnte die SYSTEMS nur bedingt profitieren. Wer 2008 durch die von SecuMedia gehostete Security-Halle schlenderte, musste zur Kenntnis nehmen, dass dies nicht mehr die Security-Ära war, die er vor fünf, sechs Jahren kennengelernt hatte.

Dafür präsentierte dann der "bekannte Security-Anbieter" Google (!!!!!!!!!!!!!!!) auf einem mittelgroßen Stand eine weiße Wand mit ein paar Flachbildschirmen davor. Ein paar junge Leute, die offen-sichtlich Standpersonal simulierten, sahen aus wie bestellt und nicht abgeholt (Motto: "Lieber potentieller Kunde - von was eigentlich? - sprech' mich bloß nicht an!"): Das Ganze hatte den Charme einer Bushaltestelle irgendwo im Landkreis Erding am frühen Samstag-Abend. Endstation Sehnsucht. Wer dort im Unternehmen Google für die Lead-Zählung verantwortlich ist, hat es sehr einfach. Wahrscheinlich muss er noch nicht mal bis drei zählen können.

Wenn ich eines aus mehr als 20 Jahren Messebeobachtung gelernt habe, dann das: Wenn Unternehmen dort auftauchen, wo sie eigentlich nicht hingehören, geht es auch mit der betreffenden Veranstaltung langsam bergab.

Im Sommer 2009 will die Messegesellschaft München in Zusammenarbeit mit dem SecuMedia-Verlag eine neue, eigenständige Security-Messe in München platzieren. Die Messe findet vom 23. bis 25. Juni 2009 statt "Dort werden sich nicht nur Anbieter aus der Informationstechnologie präsentieren, sondern auch Hersteller und Dienstleister, die klassische Sicherheitslösungen offerieren", verrät die Pressemitteilung einen frommen Wunsch, geschrieben auf geduldigem Papier. Die Unternehmen, mit denen ich sprechen konnte, standen dieser Idee sehr verhalten gegenüber. Allgemein wurde befürchtet, dass eine eigene Security-Messe noch weniger Besucher ziehen könnte als die Security-Area innerhalb der SYSTEMS bisher.

Die Infosecurity Europe, Europas größte Messe dieser Art, verzeichnet jedes Jahr über 12.000 Besucher. Sollten sich die Veranstalter dieses Event auch als Messlatte nehmen, wird es ein böses Erwachen geben. (Rainer Annuscheit)

 

 

 

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