Rubrik: Markt/Hintergrund

Sicher chatten: Ratschläge zur kindgerechten Vermittlung von Internetkompetenz

Jugendschutz: Eltern haben keine Vorstellung

(26.01.09) - Kinder und Jugendliche werden nach Einschätzung von Experten in Internet-Chats weit häufiger sexuell bedrängt, als Eltern ahnen. "Jeder dritte Jugendliche zwischen zwölf und neunzehn Jahren gibt an, bereits unangenehme Erfahrungen in Chaträumen gemacht zu haben", erklärt René Rübner von der Initiative medienbewusst.de.

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Wenn Kinder chatten, ist nicht nur das Nennen des richtigen Namens und der Anschrift tabu. Sie sollten auch niemals den Namen ihrer Schule preisgeben. Leben die Kinder in einem Dorf, ist es besser, wenn sie bei Fragen nach ihrem Wohnort auf die nächst größere Stadt verweisen. Schließlich wisse man nie, welche Absichten der Chatpartner verfolgt.

Spielerisch mit dem Thema auseinandersetzen können sich Kinder und Jugendliche auf dem Portal "internet-abc.de". Dort findet sich unter dem Stichwort "Chat" das Spiel "Quasselkiste". Die Spieler müssen Chatpartnern die jeweils richtigen Beiträge zuordnen.

Ratschläge zur kindgerechten Vermittlung von Internetkompetenz erhalten Eltern und Pädagogen auf den Seiten von "medienbewusst.de". Auf dem Portal finden sich auch Links zu speziellen Melde- und Beratungsstellen. "medienbewusst.de" ist eine werbefreie Initiative der Technischen Universität Ilmenau.

Die Nutzung von Chatrooms - das "Plaudern" via Internet - ist eine der  beliebtesten Internetaktivitäten von Jugendlichen. Was für Eltern oft als harmloser Plausch daherkommt, birgt allerdings viele Gefahren. Nacktbilder, Pornovideos und Anmachen: Jeder dritte Jugendliche zwischen zwölf und neunzehn Jahren gibt an, bereits unangenehme Erfahrungen in Online-Chats gemacht zu haben.

Unangenehme Erfahrungen in Online-Chats

"Wie alt bist Du?", will "pesto" von seiner Chat-Partnerin wissen und bietet ihr gleich "cs" (Computersex) an. "Vielleicht könntest Du mir auch ein paar nette Bildchen von Dir schicken? Oder wir treffen uns mal - Was meinst Du?", geht es im Chatroom weiter.

So wie "pestos" Chat-Partnerin erging es bereits jedem dritten Mädchen in Deutschland: Dies belegt die neue Studie "Jugend, Information, Multimedia" des Medienpädagogischen Forschungs-verbundes Südwest. "In schweren Formen der sexuellen Belästigung bekommen Kinder und Jugendliche sogar pornografische Inhalte zugeschickt, selbst Videoclips mit Vergewaltigungs-szenen sind keine Seltenheit mehr", erklärt René Rübner. Nach Vorfällen wie diesen sitzt der Schock bei den minderjährigen Betroffenen oft tief. Häufig wissen sich Kinder durch rasches Verlassen des Chatrooms zu helfen, doch nur selten bringen sie die Geschehnisse offen zur Sprache. "Viele Eltern haben keine Vorstellung davon, welchen inneren Konflikten Kinder und Jugendliche nach sexuellen Übergriffen in Internet-Chats ausgesetzt sind.", erklärt Rübner. "Die meisten Heranwachsen wenden sich nach massiven Belästigungen nicht einmal an die Polizei - aus Furcht, sich selbst strafbar gemacht zu haben."

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Bei der Prävention spielen Eltern eine wichtige Rolle. Nur neun Prozent der Kinder und Jugendlichen, die in Chatrooms sexuell belästigt wurden, reden mit ihren Eltern darüber - aus Schamgefühl, Angst vor Verständnislosigkeit oder weil sie sich vor einem Internetverbot fürchten. Stattdessen verarbeiten sie das negative Erlebnis mit anderen Chatteilnehmern.

Verhaltensregeln im Chat

Es gibt klare Regeln, an denen sich Eltern und Kinder orientieren können. "Das Wichtigste: Kinder sollten keinesfalls gutgläubig ihre richtigen Namen oder ihre Adresse preisgeben", warnt Rübner. Des Weiteren sollten sich Eltern darüber informieren, welche Seiten ihr Kind aufsucht, auch mal mitchatten und sich erklären lassen, wie es funktioniert. Falls Kinder von sexuellen Belästigungen berichten: nicht dramatisieren und das Chatten verbieten. Stattdessen sollten Eltern ihre Kinder dazu motivieren, mit ihnen über ungewöhnliche Vorfälle im Chat zu sprechen.
(medienbewusst.de: ra)

 

 

 

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