Rubrik: Markt/Hintergrund

Wirtschaftskrise als Chance für ITK: Technischer Fortschritt durch Abschwung?

Bis jetzt sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die deutsche Hightech-Industrie vergleichsweise gering

(16.04.09) - Die Finanzmarktkrise war eines der prägenden Schlagworte für 2008. Die Effekte der Krise haben längst die gesamte Wirtschaft in Europa erreicht. Doch der ITK-Sektor scheint bisher kaum betroffen. Im Gegenteil: Die Krise wird neue Technologien forcieren und damit Treiber für den technologischen Fortschritt.

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Die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren auf dem deutschen Markt. Dazu sagt Josef Glöckl-Frohnholzer, Geschäftsführer BCC:

"In der derzeitigen Lage sind viele Unternehmen versucht, alle Investitionen zu stoppen, denn die Aktienkurse spiegeln die künftigen Erwartungen der Anleger wider." Als Resultat der Krise und der stark reduzierten Liquidität der Märkte erwarten die Banken inzwischen eine sanfte Landung - unterstützt von staatlicher Seite. Die Wirtschaft, vor allem die Autoindustrie, fordert zinsgünstige Kredite und nach dem Kompromiss der Europäischen Union bezüglich des CO2-Ausstoßes ist der Geschäftsklima-Index in Deutschland auf ein Fünfjahres-Tief gefallen. Doch welche Auswirkungen hat die Krise auf den ITK-Markt? Mit welchen Konsequenzen müssen Provider und Kunden rechnen?

Das Wohlbefinden des ITK-Sektors hat für die Gesamtwirtschaft Bedeutung, denn die Branche ist für Deutschland inzwischen ein bedeutender Wirtschaftszweig. Derzeit sind über 70.000 Unter-nehmen daran beteiligt, 800.000 Beschäftigte arbeiten in der Branche. Es gibt heute praktisch kein Unternehmen mehr, das ohne Informations- und Telekommunikationstechnologien auskommen könnte. 83 Prozent der Jugendlichen nutzen das Internet in Deutschland, 60 Prozent der deutschen Beschäftigten nutzen Computer und Internet an ihrem Arbeitsplatz. Der Anteil der ITK am Bruttoinlandsprodukt liegt immerhin bei 5,8 Prozent. Experten schätzen einen Anstieg auf 12 Prozent bis 2015. Diese Zahlen zeigen: ITK-Technologien haben die Kommunikation nachhaltig verändert. Doch wird sich dieser Fortschritt in Zukunft fortsetzen lassen?

Bis jetzt sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die deutsche Hightech-Industrie vergleichsweise gering. Laut Umfragen der BITKOM, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., spüren 72 Prozent der Unternehmen die Krise nicht oder noch nicht. Es sei auch mit einer steigenden ITK-Nachfrage von Auftragnehmern der öffentlichen Hand zu rechnen. Die gesamte Branche habe die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzutreten.

Neue Dienste schaffen mehr Effizienz

Dabei können die Unternehmen vor allem auf die steigende Nachfrage nach Effizienzgewinn bauen. "In Krisenzeiten achten Unternehmen besonders darauf, ihre Kosten zu reduzieren, Prozesse schlanker zu gestalten und zu konsolidieren. Das probate Hilfsmittel sind hier heute die Informations- und Kommunikationstechnologien", erläutert Josef Glöckl-Frohnholzer. "CIOs werden mehr denn je auf der Suche nach Lösungen sein, die IT-Investitionen optimieren, Anschaffungs- und Betriebskosten senken und sich letztlich positiv auf den Cashflow auswirken", so Glöckl-Frohnholzer weiter. Das erklärt auch, warum der Markt derzeit extrem positiv auf Collaboration-Technologien wie Unfied Communications und Unified Messaging reagiert. Für gemanagte SOA-Lösungen ist dies genauso zu beobachten wie für Software as a Service (SaaS).

 

Lesen Sie zum Thema "Managed Services" und "SaaS" auch: SaaS-Magazin.de (www.saasmagazin.de)

 

Besonders gemanagte Dienste assistieren den CIOs dabei, IT-Investitionen zu optimieren oder sogar zu vermeiden. Shared-Lösungen, ein wichtiger Bestandteil von Managed Services, ermöglichen es den Unternehmen, aktuelle High-Quality-Technologien zu nutzen und Betriebs-kosten zu reduzieren, ohne die Ausstattung dafür zu kaufen. Unified Communications und Videokonferenz-Technologien wie TelePresence wirken sich vor allem positiv auf die Reisekosten und damit auch auf die CO2-Emissionen aus. Mitarbeiter eines Unternehmens können damit ihre Reisetätigkeiten drastisch ein­schränken und gewinnen neben KosteneinsParungen zusätzliche Arbeitszeit, die sie nicht mehr im Flugzeug, Bahn oder Auto verbringen müssen - und schonen damit auch noch die Umwelt.

Bereit für die Zukunft

"Neben dem Effizienzgewinn schaffen Unternehmen mit der Nutzung der neuen Kommunikations-dienste die Grundlage für künftiges Arbeiten. In etwa zwei Jahren wird eine große Anzahl von "Digital Natives" in den Arbeitsmarkt drängen", ist sich Glöckl-Frohnholzer sicher. Diese Generation der nach 1980 Geborenen ist bereits jetzt vertraut mit der Anwendung von modernen Technologien - Mobiltelefone und Computer sind ihre wichtigsten Werkzeuge. Sie wird einen Hightech-Arbeitsplatz als Voraussetzung empfinden. Geprägt durch die Social Networks des Web 2.0 wird Collaboration ihre bevorzugte Art sein, Lösungen zu finden. Glöckl-Frohnholzer: "Nicht zuletzt aus diesem Grund wird es die Aufgabe der Unternehmen aller Branchen sein, diese Anforderungen zu erfüllen. Nur so werden sie bereit für den Wettbewerb sein, wenn der nächste Wirtschaftsboom eintritt." Damit wird die derzeitige Krise aus Sicht der ITK-Branche zum Wegbereiter für eine neue, erweiterte Ära der Managed Services. (BCC: ra)

 

 

 

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