Rubrik: Markt/Hintergrund

Ein gesundes Misstrauen bei der Internetnutzung ist durchaus hilfreich

Risiken halten die Deutschen von maximaler Nutzung der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten ab

(11.08.09) - Die Deutschen gelten generell als skeptisch. Ehe sie etwas an- bzw. übernehmen, wägen sie Vorteile und Risiken sorgsam gegeneinander ab und gehen im Zweifel eher auf Nummer Sicher. Das gilt auch für die virtuelle Welt - was sich im Rahmen des "Norton Online Living Report" von Symantec vom März dieses Jahres zeigt. Untersucht wurden hier die Ansichten und Gewohnheiten von Menschen verschiedener Nationen bei der Nutzung von Online-Kommunika-tionsmöglichkeiten. Ergebnis: Obwohl die deutschen User die Möglichkeiten des Internets kennen und durchaus schätzen, gebrauchen sie diese längst nicht in vollem Umfang. Grund sind vor allem die zahlreichen Gefahren wie Datenklau, die im Netz lauern und immer mehr auch ganz "normale" Webportale und Social Network-Seiten betreffen. Aber mit einigen Maßnahmen, können User die Gefahren zu einem guten Teil abwehren.

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Wer hätte es gedacht? Die Deutschen würden am wenigsten von allen Dingen auf das Internet verzichten - im Unterschied beispielsweise zu US-Bürgern oder Franzosen, denen das Auto im Alltag am wichtigsten ist. Die Menschen hierzulande wissen also die "Segnungen" des Netzes durchaus zu würdigen. Besonders schätzen sie dabei die Mittel und Wege, die das Internet ihnen zur Pflege oder sogar Intensivierung von sozialen Kontakten bietet. 43 Prozent halten regelmäßigen Online-Kontakt zu Familienmitgliedern sowie zu Freunden und Bekannten, wie der Norton Online Living Report vom März zeigt. Selbst innerhalb der Kernfamilie ist das Netz für einige Familien ein reguläres Kommunikationsinstrument, das - wie das Telefon - regelmäßig genutzt wird.

"Lieber nicht…" - Angst vor Risiko überwiegt

Im internationalen Vergleich gehören die Deutschen jedoch zu den eher zurückhaltenden Internet-Nutzern - im Unterschied z.B. zu US-Amerikanern, Brasilianern, Japanern und Briten. Am liebsten und häufigsten verbringen die Deutschen ihre Zeit doch noch "live" miteinander. Die Hälfte aller Familien hält zudem einen internetfreien Tag pro Woche ein - auch ein Zeichen der Distanz zur befürchteten Allgegenwart des Cyber-Kosmos.

Darüber hinaus misstrauen hierzulande mehr als doppelt so viele Menschen wie in anderen Ländern neuen kommunikationsrelevanten Webapplikationen oder -seiten. Auch bereits etablierte Kanäle werden mit einiger Vorsicht genutzt: Ein Drittel nimmt prinzipiell keine Foto-Sharing-Angebote in Anspruch, was mehr ist als in allen anderen untersuchten Ländern. Generell überwiegen für mehr als ein Viertel der Deutschen die Risiken des Internets seine Vorteile – auch das ist deutlich mehr als in anderen Ländern. Insbesondere im Bereich Online-Shopping zeigt man sich hierzulande skeptisch: Eine aktuell vom Sicherheitsexperten Symantec in Auftrag gegebene Studie des Markforschungsinstituts Emnid belegt, dass die Deutschen erhebliches Misstrauen in den Schutz ihrer persönlicher Daten haben. Im klassischen Notensystem reichte es in Punkto Sicherheit nur für die Gesamtnote 4,4 für Online-Shops. 29 Prozent der Befragten straften die Händler im Internet gar mit der Note 6 ab.

Berechtigte Skepsis: Online-Handel mit geklauten Daten wächst schwunghaft an

Insgesamt sind die Deutschen aber keineswegs technikfeindlich. Das legt den Schluss nahe: Wenn sie sich im Internet wirklich sicher fühlten, würden sie die Möglichkeiten des World Wide Web noch wesentlich intensiver nutzen. Die Skepsis kommt aber nicht von ungefähr: "Es geht den Hackern nicht mehr um Zerstörung. Heute überwiegen professionell agierende Betrüger, die einzig zum Ziel haben Daten der Anwender zu stehlen und diese wiederum zu verkaufen. Wir sprechen hier also von einem "schwunghaften Handel" im Internet mit gestohlenen Kreditkarten, Bankkontodaten, Zugangscodes usw.

Da ist eine frisch geklaute Kreditkartennummer schon ab etwa einem Euro zu haben. Nicht weniger als knapp 45.000 Angebote an sensiblen Informationen wie Kreditkartennummern, Kontozugangs-daten oder Passwörtern wurden in 2008 in Schwarzmarktforen gehandelt. In Summe sprechen wir hier von einem Werte-Volumen von über 200 Millionen Euro", erläutert Candid Wüest, Virenjäger bei Symantec. Ein gesundes Misstrauen bei der Internetnutzung ist durchaus hilfreich: "Wir sehen täglich zum Beispiel etwa 13.000 Webseiten, die mit Drive-by-Downloads infiziert sind", erklärt Wüest.

Das sind unsichtbar eingefügte Links, über die Schadcode (über eine Browser-Lücke) auf den Computer eingeschleust wird. Ein Ansteuern der so infizierten Webseite reicht bereits. Die Schadprogramme greifen bevorzugt persönliche Daten ab - vom User völlig unbemerkt. "Sicherheit aber bringt im Internet nur die konsequente Anwendung einer Doppelstrategie: Bedachtes Agieren im Netz und – mittlerweile unerlässlich – der Einsatz umfassender Sicherheitssoftware" rät der Symantec-Experte weiter.

Was hilft?

Jeden Monat sehen die Symantec-Virenjäger über 200 Millionen Angriffe im Internet. Trotz der beunruhigenden Zahlen gibt es dennoch keinen Grund auf die Möglichkeiten der digitalen Welt nun verzichten zu müssen. Einige grundlegende Ratschläge des Symantec-Experten: "Gehen Sie vorsichtig mit persönlichen Informationen im Web um. Kaufprozesse und ähnliches sollten Sie nur auf gesicherten, also verschlüsselten Seiten vornehmen. Lästig aber notwendig: Nutzen Sie nicht ein und dasselbe Passwort für verschiedene Webzugänge. Hat ein Hacker eines hat er so auch Zugang zu allen anderen Ihrer Webaccounts. Und unerlässlich: nutzen Sie ein Sicherheitssoftware-paket - ein Virenscanner allein reicht heute einfach nicht mehr aus, um die Vielzahl an Online-Gefahren abzuwenden."

Tipps von Symantec-Virenexperte Candid Wüest für mehr Sicherheit im Internet:

·         Keine Zugangsdaten und Passwörter im Internetbrowser sichern. Denn: Auch Browser haben Schwachstellen. Die Cyber-Kriminellen wissen das und können die gespeicherten Daten stehlen - und gewinnbringend im Internet verkaufen.

·         Ungeeignet sind Passwörter, die einfach nachvollziehbar sind: z.B. das Geburtsdatum, die Namen von Kindern und ähnliche offensichtliche Wörter. Wichtig: Passwörter müssen regelmäßig geändert werden. Am besten ist ein Konstrukt aus Zahlen, Sonderzeichen und Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung.

·         Prinzipiell keinen Links in "zufällig" erhaltenen E-Mails oder auch von vermeintlich bekannten Absendern folgen. Oft handelt es sich um einen Phishing-Versuch, der zu gefälschten Webseiten führt.

·         Online-Shopping und Online-Banking sind bequem - und sicher, wenn die Daten verschlüsselt übermittelt werden. Eine sichere Online-Verbindung erkennt man an der Kennzeichnung der Internetadresse mit "https" (Hypertext Transfer Protocol Secure). Datenübertragung beim Shopping sollte immer über einen Sicherheits-Server wie "SSL" (Secure Sockets Layer) erfolgen.

·         Achtung bei Social Networking-Seiten: Nicht jeden Anfrager ungesehen akzeptieren und bewusst entscheiden, welche Daten der Kontakt benötigt.

·         Viele Menschen haben heute mehrere Nutzerkonten im Internet - z.B. bei Shoppingportalen, Social Networking Seiten oder auch Communities. Beim nächsten Log-in einfach mal einen Blick auf das eigene Profil werfen und entscheiden, ob die angegebenen Daten nicht zu viel des Guten sind.

·         Auf Computern sind viele persönliche, z. T. auch finanzrelevante Daten gespeichert. Es lohnt sich, einmal zu überprüfen, ob diese Daten wirklich ständig präsent sein müssen. Zunächst die Daten auf DVD, externe Festplatte oder Speicherkarte archivieren - und fertig ist das Backup. Dann so viele Daten wie möglich vom Rechner löschen: Wo keine Daten sind, können auch keine gestohlen werden.

·         Sie ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts: Eine aktuelle Internetsicherheitssoftware mit Schutz gegen Viren, Phishing, Spam, Bots, Spyware, Rootkits usw., ferner mit einer Firewall, mit Browser-Schutz, Identitätsschutz und proaktiver Erkennung, sollte in jedem Fall auf dem Computer installiert sein.

·         Regelmäßig Updates für Betriebssystem und Programme auch den Browser downloaden. Denn Sicherheitslücken werden gerne von Schadprogrammen genutzt, um sich auf den Computer zu schmuggeln. Praktisch ist hier eine Funktion wie die so genannte Intrusion Prevention in den Norton Sicherheitslösungen: Sie blockiert Schadcode direkt, der sich über solche Lücken einschleusen will. Da muss man nicht immer mit allen Updates "up to date" sein.

(Symantec: ra)

 

 

 

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