Rubrik: Markt/Hintergrund

ENISA warnt vor alarmierendem Anstieg der Geldautomatenkriminalität

Jährliche Verluste bei Geldautomaten in Europa erreichen die
500 Millionen Euro Grenze

(11.09.09) - Die Kosten, die in Europa jährlich durch Geldautomatenkriminalität verursacht werden, haben fast die 500 Millionen Euro Grenze erreicht. Daher drängt ENISA, die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit, Benutzer dazu, sich der Risiken deutlicher bewusst zu sein. Zudem sollten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um persönliche Verluste zu vermeiden. Die schnelle Zunahme der Anzahl an Geldautomaten sowie immer ausgeklügeltere Methoden und Betrugsversuche haben im Jahr 2008 zu einem alarmierenden Anstieg der Kriminalitätsrate um
149 Prozent geführt. Diese beunruhigenden Ergebnisse werden zusammen mit anderen Informationen diese Woche in einem englischsprachigen ENISA-Bericht mit dem Titel "ATM Crime: Overview of the European situation and golden rules on how to avoid it" ("Geldautomatenkriminalität: Überblick über die Situation in Europa und die wichtigsten Regeln, um Verbrechen zu verhindern") veröffentlicht. Zudem enthält der Bericht Fallstudien, welche die verschiedenen Kriminalitätsfälle bei Geldautomaten aufzeigen und Empfehlungen für das Erkennen und Vermeiden solcher Situationen geben.

Anzeige

Die Anzahl der Geldautomaten in Europa ist im letzten Jahr um sechs Prozent auf fast 400.000 gestiegen. In nur fünf Ländern befinden sich 72 Prozent der europäischen Geldautomaten: Großbritannien, Spanien, Deutschland, Frankreich und Italien. Davon stehen viele an abgelegenen Orten, so zum Beispiel in kleinen Lebensmittelmärkten, an Flughäfen und Tankstellen. Das illegale Geldabheben an Geldautomaten ist immer noch die bevorzugte Methode für Kriminelle. Sie verschaffen sich PIN-Nummern beim "Über-die-Schulter-Sehen“" oder mithilfe komplexer Skimming-Techniken. Dies kann mittels einer kleinen Überwachungskamera geschehen, einem falschen PIN-Overlay oder durch die Installation falscher Bankautomaten. Mehr und mehr wird auch die Blue-Tooth-Wireless-Technologie angewandt, um Karten- und PIN-Nummern-Details zu einem Laptop in der Nähe zu übermitteln. Allein im Jahr 2008 gab es 10.302 nachgewiesene Skimming-Vorfälle in Europa.

Zu den verbreiteten Methoden, Geld zu stehlen, zählt zudem das Einziehen der Karte. Diese bleibt stecken und wird später vom Betrüger herausgeholt. Auch das Anhalten des Abhebevorgangs ist gebräuchlich. Die Transaktion wird dann zu Ende geführt, wenn das Opfer gegangen ist. Selbst das Festhalten von Geld im Automaten gehört zu den beliebten Methoden. Organisierte kriminelle Gruppen benutzen auch ausgeklügelte Phishing-Techniken und hacken sich in das Bankcomputer-system und in Websites ein, um PIN- und Kontoinformationen zu erhalten. Die Anzahl der Geldautomaten-Diebstähle und Gewaltanwendungen an den Maschinen ist innerhalb der letzten zwölf Monate ebenfalls um 32 Prozent gestiegen. Dabei wurden Raubüberfälle durch das Rammen mit einem Fahrzeug, mittels Explosionen, mithilfe von Kreissägen, Sauerstofflanzen oder Diamant-bohrern durchgeführt.

"Während die Bankkarten den Dieben Zugang zum Bankkonto des Kunden geben, sind Geldauto-maten für Kriminelle besonders interessant, da sie Banknoten enthalten", erklärt Andrea Pirotti, geschäftsführender Direktor der ENISA. "Es ist zu erwarten, dass Geldautomaten in der Zukunft sogar noch attraktiver werden. Denn die neueste Generation der Geldautomaten ist so konstruiert, dass sie auch andere Dienstleistungen und Produkte, wie das Aufladen von Mobiltelefonen und den Verkauf von Briefmarken, anbieten. Gegen Geldautomatenkriminalität kann in erster Linie mit einem erhöhten Bewusstsein für Risiken vorgegangen werden. Wenn dieses vorhanden ist, können Kunden einfache Vorsichtsmaßnahmen treffen. Beispielsweise indem sie ihre PIN bei der Eingabe abdecken oder wachsam sind, um eventuell manipulierte Geldautomaten oder ungewöhnliche Aktivitäten wahrzunehmen."

"Informationssicherheit hat sich zu lange nur auf technische Lösungen zur Maximierung des Schutzes beschränkt", führt Pirotti weiter aus. "Bei den meisten Geldautomatenverbrechen wird der menschliche Faktor ausgenutzt. Karteninhaber müssen sich der Risiken, denen sie ausgesetzt sind, bewusster werden. Darüber hinaus sollten sie wissen, wie sie den Betrug verhindern können. Wir hoffen, dass dieser jüngste Bericht der Beginn eines kontinuierlichen Prozesses sein wird, der die Aufmerksamkeit erhöht und die anwachsenden Kosten der Geldautomatenkriminalität reduzieren hilft."

Der diese Woche durch die ENISA veröffentlichte Bericht empfiehlt, dass weiterführende Informationen und Hinweise auf nationaler Ebene von den EU-Mitgliedsstaaten über die Banken, Finanzinstitutionen, Zahlungssysteme und über Exekutivorgane verbreitet werden. Als Teil dieses Prozesses hat die ENISA eine Liste mit goldenen Regeln für maximalen Schutz mit minimalem Aufwand erstellt.

Die wichtigsten ENISA-Regeln

Auswahl des Geldautomaten

1. Benutzen Sie keine Geldautomaten, die mit spezieller Beschilderung oder Warnungen ausgezeichnet sind

2. Versuchen Sie, Geldautomaten in Banken zu benutzen

3. Benutzen Sie keine freistehenden Geldautomaten

Umgebung

4. Benutzen Sie einen Geldautomaten, der gut sichtbar und gut ausgeleuchtet ist

5. Seien Sie wachsam bei Fremden und stellen Sie sicher, dass diese sich in ausreichender Distanz befinden

Transaktionen durchführen

6. Sehen Sie sich die Front des Automaten genau an und suchen Sie nach Anzeichen von Manipulationen

7. Sehen Sie sich das Kartenlesegerät genau an und suchen Sie nach Zeichen von hinzugefügten Geräten

8. Suchen Sie nach Auffälligkeiten am PIN-Pad des Geldautomaten

9. Sehen Sie nach, ob zusätzliche Kameras angebracht sind

10. Schützen Sie Ihre PIN, indem Sie nahe am Geldautomaten stehen und das Eingabefeld abdecken

11. Melden Sie eingezogene Karten sofort

12. Seien Sie vorsichtig bei Geldautomaten, die kein Bargeld ausgeben oder nicht von Banken aufgestellt wurden und keine Gebühren nehmen

Kontoauszüge

13. Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge

14. Melden Sie sofort jegliche auffälligen Aktivitäten

(Enisa: ma)

 

 

 

Diesen Beitrag per E-Mail versenden Diesen Beitrag ausdrucken