Cyber-Sicherheit muss strategisches Thema werden

IT- und OT-Sicherheit: Was (nicht nur) KRITIS-Anbieter in der EU beachten sollten

Nicht nur als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sollten viele KRITIS-Betreiber 2023 die gegenwärtige Bedrohungslage ernst nehmen



Eine Einschätzung von Lothar Hänsler, Operating Officer bei Radar Cyber Security

Betreiber kritischer Infrastrukturen sind immer stärker im Visier von Cyber-Kriminellen. Mittlerweile geht es den Angreifern nicht allein darum, Geld zu machen. Immer häufiger üben sie Druck auf ihre Opfer aus und drohen, gestohlene Daten zu veröffentlichen oder ohne Wissen der Betroffenen im Darknet anzubieten. In immer mehr Fällen beabsichtigen sie auch, Netzwerksysteme – auch die nationalstaatlichen – empfindlich zu stören. Ein bedrohlicher Trend, der 2023 weiter Fahrt aufnehmen wird.

Wer sich einmal die Mühe macht und genauer in den aktuellen Investment-Report der Agentur der Europäischen Union für Cyber-Sicherheit ENISA schaut, erfährt Erschreckendes über die Nachlässigkeiten europäischer Betreiber kritischer und digitaler Dienste – allen Cyber-Gefahren zum Trotz: Die durchschnittlichen Budgets für IT-Sicherheit haben sich 2022 im Vergleich zum Jahr davor mit 6,7 Prozent noch einmal um ein Prozent verringert. Der Gesamtschaden für Unternehmen und Organisationen, der auf Cybercrime zurückzuführen ist, wird für das Jahr 2022 laut Statista auf eine verheerende Summe von 203 Milliarden Euro allein in Deutschland geschätzt. Finanzsektor und Gesundheitswesen sind nach wie vor die Bereiche mit den höchsten Kosten für Zwischenfälle.

Und es geht noch schlimmer: Lediglich ein Viertel (27 Prozent) der befragten öffentlichen Arbeitsverwaltungen im Gesundheitssektor verfügt über ein spezielles Programm zur Abwehr von Ransomware. Zudem haben vier von zehn (40 Prozent) der befragten Behörden kein Awareness-Programm zur Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden parat. Und nach wie vor ist die sich ständig verändernde Bedrohungslage um Ransomware und E-Mail eine der größten Gefahren für Unternehmen und Behörden.

Technologie, Awareness und Prozesse

Nicht nur als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sollten viele KRITIS-Betreiber 2023 die gegenwärtige Bedrohungslage ernst nehmen. Cyber-Angriffe sind mittlerweile ein Mittel der politischen Auseinandersetzung. Die behördlichen IT-Systeme werden aller Voraussicht nach künftig vermehrt DDoS-Attacken verzeichnen. Organisationen, Unternehmen und Behörden sollten daher ihr Hauptaugenmerk auf die E-Mail-Security lenken und auf ein dreiteiliges Maßnahmenpaket setzen, bestehend aus Technologie, Personal und Prozessen.

IT-Infrastrukturen müssen konsequent resistenter werden. Zero-Trust-Netzwerke, die Absicherung von Remote-Zugängen sowie der Einsatz von Endpoint Detection and Response (EDR) werden künftig unverzichtbar sein. Da das industrielle Internet der Dinge (kurz IIoT) immer mehr im Fokus von Hackern liegt, ist es außerdem ratsam, IT- und OT-Security sicher zu verbinden. Äußerst wichtig ist es auch, sich auf die Aufklärung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden zu konzentrieren. Das hilft aber effektiv nur weiter, wenn es sich um eine kontinuierliche Bewusstseinskampagne handelt.

Die ganzheitliche und konsolidierte Betrachtung des Sicherheitsaspekts wird – zusammen mit Risikomanagement – immer notwendiger. Noch betreibt knapp über ein Drittel der europäischen KRITIS-Unternehmen und Anbieter digitaler Services kein Security Operation Center (SOC). Im Energiesektor ist es weniger als jeder Dritte der europäischen KRITIS-Betreiber, der seine OT-Prozesse von einem SOC überwachen lässt.

Cyber-Sicherheit muss strategisches Thema werden

Zwar kann ein Chief Information Security Officer (CISO) mit dem richtigen Einsatz der Produkte, Prozesse und Mitarbeiter viel Schaden abwenden. Ein gelungener Ransomware-Angriff, verbunden mit der Verschlüsselung kritischer Informationen, hat jedoch eine gesamtgeschäftliche Auswirkung. Die Entscheidung, ob im Ernstfall Lösegeld gezahlt werden soll, ist eine wirtschaftliche Entscheidung. Sie obliegt nicht allein dem CISO. Die Vorbereitung auf etwaige Cyber-Angriffe, unterstützt durch Trainings wie zum Beispiel Table-Top-Übungen, ist ein Schlüsselelement der Geschäftskontinuität. Zudem werden Geschäftsführungen durch den Zeit- und Entscheidungsdruck anfälliger für die Erpressung. Auch hier gilt es gegenzusteuern. Eine starke Cyber-Resilienz ist daher längst nicht mehr alleinige Aufgabe der IT-Abteilung – sondern muss ein strategisches Thema sein, mit dem sich das Management seine Handlungsfähigkeit sichert.

Um sich zu schützen, reicht eine Maßnahme allein nicht aus. Doch mit einem mehrschichtigen Sicherheitsansatz aus kontinuierlichen Mitarbeitertrainings, robusten Prozessen zur Sicherung der Geschäftskontinuität, europäischer Erkennungstechnologie und professioneller Unterstützung durch Security-Personal lassen sich die Risiken minimieren. Vorbereitete, resiliente Organisationen können verdächtige Vorgänge richtig einordnen und entsprechend darauf reagieren, bevor der große Schaden eintritt – auch im neuen Jahr 2023.

Über den Autor

Lothar Hänsler ist seit 2019 Operations Officer und leitet das Cyber Defense Center des Sicherheitstechnologie-Spezialisten und Managed-Security-Service-Providers Radar Cyber Security.

(Radar Cyber Security: ra)

eingetragen: 19.02.23
Newsletterlauf: 26.05.23

Radar Cyber Security: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

Meldungen: Hintergrund

Verschlechterung der Sicherheitslage

Verschieden große Budgets für die Abwehr je Firma tragen erheblich zur Verschlechterung der Sicherheitslage bei. Es besteht eine große Kluft zwischen Unternehmen, die über die Finanzkraft verfügen, um fortschrittliche Sicherheitslösungen zu implementieren, und solchen, die sich dies nicht leisten können.

Nachfrage nach HDDs mit höheren Kapazitäten

Festplatten speichern Daten zuverlässig und basieren auf bewährter Technologie. Dank hoher Kapazitäten bei niedrigen Kosten pro Kapazitätseinheit sind sie eine ausgezeichnete Grundlage für die Datenspeicherung in verschiedenen Branchen und Anwendungen, etwa in Rechenzentren, in der Videoüberwachung, im Gaming und im Cloud Computing.

Bedrohliche Möglichkeiten für Cyber-Kriminelle

Cyber-Angriffe gehören fast schon zum Business-Alltag. 58 Prozent der deutschen Unternehmen waren im letzten Jahr betroffen, so eine aktuelle Umfrage. Neue Technologien von Quantencomputern bis zu künstlicher Intelligenz könnten die Ausmaße und Auswirkungen von Cyber-Kriminalität allerdings noch weiter steigern.

KI ein zunehmendes Risiko für die Cyber-Resilienz

2024 wird Cyberresilienz als Basis für die Kontinuität von Geschäftsprozessen zunehmend im Fokus stehen und die IT-Organisation und Führungsebene umgestalten. Denn um diese strategische Aufgabe zu stemmen, werden sich die Chief Information Security Officer (CISO) intensiver an Datensicherheit und Datensicherung beteiligen. Gleichzeitig wird das C-Level die Verantwortlichen für IT-Datensicherheit und IT-Betrieb stärker in seine Hierarchie einbeziehen.

Besuchen Sie SaaS-Magazin.de

SaaS, On demand, ASP, Cloud Computing, Outsourcing >>>

Kostenloser Newsletter

Werktäglich informiert mit IT SecCity.de, Compliance-Magazin.de und SaaS-Magazin.de. Mit einem Newsletter Zugriff auf drei Online-Magazine. Bestellen Sie hier

Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

Diese Webseite verwendet Cookies - Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Mit dem Klick auf „Erlauben“erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.