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Rubrik: Markt/Interviews StorageTek: Interview mit Pat Martin, Chairman, President und CEO von StorageTek "In meinen Augen wird das Thema ILM vielfach missbraucht" (16.06.04) - ILM - Information Lifecycle Management - ist ein Thema, das nachweislich von StorageTek im Jahr 2002 kreiert worden ist und das seine Wurzeln im hierarchischen Speichermanagement besitzt. ILM zielt auf die Kosten und besitzt die Diktion, die richtige Information, zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Speichermedium vorzuhalten, um so die kostengünstigstes Speicher-Variante wählen zu können. Anlässlich der CeBIT führte die IT SecCity mit Pat Martin, Chairman, President und CEO von StorageTek, ein Interview zum Thema ILM. Obwohl Pat Martin ausdrücklich darauf hinwies, in diesem Interview nicht das Verhalten der Konkurrenz beurteilen zu wollen, ließ es sich nicht vermeiden, ILM-Strategien des direkten Mitbewerbs - hier natürlich im Wesentlichen EMC - zu streifen.
IT SecCity: Ich habe neulich den Suchbegriff "Information Lifecycle Management" (ILM) in die Google-Suchmaschine eingegeben und dabei festgestellt, dass das Thema von StorageTek beherrscht wird - erst an zweiter Stelle folgt EMC. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?
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EMC musste regelrecht zu einem ILM-Verfechter bekehrt werden. Wie aus Saulus seinerzeit auf dem Weg nach Damaskus ein Paulus wurde, so entdeckten die EMC-Verantwortlichen das Thema ILM. Sie entdeckten ILM ganz frei heraus nach einem Vortrag, den ich in Cannes über das Thema Information Lifecycle Management gehalten habe. Sie sahen die positive Reaktion der User Community und mussten sich dazu noch von den Usern zum Thema ILM befragen lassen. Von diesem Zeitpunkt an wechselte EMC sehr geschickt ihre Position in Richtung ILM, wies aber, was die Unterstützung des ILM-Ansatzes durch Produkte betraf, noch fundamentale Schwächen auf. StorageTek redet über das Thema ILM bereits seit dem Jahr 2002 und bringt seit 2002 auch ILM-Produkte auf den Markt.
IT SecCity: Sind Sie ein wenig enttäuscht darüber, dass andere
Unternehmen nun das Thema ILM für sich beanspruchen als ob sie es erfunden
hätten? Pat Martin: Nein, ich bin sogar sehr erfreut darüber. Warum das so ist? - StorageTek ist ein großes Unternehmen. Es ist sicher nicht so groß wie EMC, VERITAS oder IBM. Als diese Unternehmen sich ebenfalls dem Thema ILM annahmen, war sofort die Debatte gestoppt, ob ILM überhaupt eine sinnvolle Strategie darstellt. Nun führen wie eine Debatte darüber, welcher Hersteller dem Kunden die besten Produkte für eine ILM-Realisierung bereitstellen kann.
IT SecCity: Worin unterscheidet sich der ILM-Ansatz von StorageTek
von dem ILM-Ansatz, den EMC in den Markt trägt? Pat Martin: Wenn Sie die Lösungen betrachten, die eine EMC dem Markt heute offeriert, ist sie weitaus mehr darauf fokussiert, Tape-basierende Informationen auf Disk-Speicher zu bringen als umgekehrt. Die Richtung heißt: von Tape to Disk. Kunden wissen aber durchaus, dass Tape-Speicher die weitaus kostengünstigere Lösung darstellen. Informationen auf Tape-Systemen zu speichern, kann bis zu 85-fach günstiger sein als sie auf Enterprise-Disk-Systemen zu speichern und bis zu 25-fach preiswerter als auf ATA-Laufwerke. Fast 80 Prozent aller Informationen im Unternehmen befinden sich heute auf Bandspeicher-Systemen. Die Idee, diese Informationen auf Disk-Systeme zu bringen ist nicht unbedingt die kostengünstigste Lösung für den Kunden. EMC wiederum macht geltend, dass es weitaus preiswerter ist, die Information auf Disk-Systemen zu speichern als auf Tape-Systemen - das ist aber definitiv nicht wahr. Und das haben auch die Kunden erkannt. StorageTek sieht das ganz ungezwungen: Wir verkaufen Disk-Systeme, wir verkaufen ATA-Laufwerke, wir verkaufen Nearline-Tape-Laufwerke, wir verkaufen Archivierungsspeicher. Unser ganzer Fokus ist: Wir wollen die Information zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Medium gespeichert wissen. In diesem Zusammenhang liefern wir dem Kunden Lösungen, die sein Problem lösen und nicht ein StorageTek-Problem. Wir wollen Informationen, die ungenutzt bzw. relativ ungenutzt sind, von Enterprise-Disk-Systeme auf ATA-Speichermedien oder Tape-Systeme migrieren. Das geschieht in Absprache mit dem Kunden nach festen Regeln, die im Unternehmen aufgestellt werden. Daraus entsteht eine kaskadierende Storage-Hierarchie. Wir wollen nicht unbedingt mehr Tape oder Disk verkaufen, unsere Ziel ist es, dass der Kunde seine bestehende Speicherlandschaft effektiver nutzen kann. Und das ist meines Erachtens der entscheidende Unterschied zwischen StorageTek und EMC.
IT SecCity: Wenn Sie die unterschiedlichen ILM-Strategie betrachten -
gibt es da einen Ansatz, dass man sagen kann: "Letztlich führen viele
Wege nach Rom"? Pat Martin: Oh, das ist eine wirklich interessante Frage. In meinen Augen wird das Thema ILM vielfach missbraucht. Wenn Sie ILM definieren als das "Speichern von richtiger Information auf den richtigen Speichermedien zum richtigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Anforderung, dass diese Speichermedien möglichst kostengünstig sein sollen, gibt es meiner Meinung nach nur einen Weg, der nach Rom führt. Unternehmensrichtlinien sollten sicherstellen, dass die richtige Information auf schnellstem Weg von Enterprise-Disk-Systemen zu kostengünstigeren Speichermedien migriert werden. Jedes Unternehmen, das Informationen von kostengünstigeren Speichersystemen auf Enterprise-Disk-Systeme bewegt, befindet sich nicht auf dem Weg nach Rom, sondern wahrscheinlich auf dem Weg ins Verderben.
IT SecCity: EMC hat in der letzten Zeit viel Geld investiert, um den
Markt zu dominieren. Ich denke beispielsweise hier an die Übernahmen von
Legato und Documentum. Wenn Sie EMC-CEO gewesen wären, hätten Sie genauso
gehandelt wie Joe Tucci? Pat Martin: Ich stecke nicht in Joe Tuccis Schuhen und ich möchte auch kein zweiter Joe Tucci sein. Tucci hat klarerweise eine Vision und diese Vision sagt, ich will in mit Documentum in den Content Management-Bereich vorstoßen, mit VMware möchte ich in den Server-Bereich eindringen und im Storage-Bereich mochte ich meine Position mit LEGATO ausbauen. Unsere Sichtweise ist: Wir sind ein Speicher-Unternehmen und wir wollen uns auf das Speicher-Business konzentrieren. Das was Documentum oder auch VMware machen, gehört nicht mehr zu unserem Business. Wenn wir investieren, dann werden wir dies im Speicherbereich tun.
IT SecCity: Glauben Sie, dass EMC in ein paar Jahren keine
Speicher-Company mehr ist? Pat Martin: Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass z.B. die "Symmetrix" ein wunderbares Produkt ist und dass EMC einen sehr guten Job gemacht hat, als sie dieses Produkt mit einer neuen Architektur versah und es quasi völlig neu entwickelte. Ferner glaube ich, dass EMC weiterhin sehr stark Disk-Lösungen anbieten wird. Wie dies aber mit den Anstrengungen im Softwarebereich in Einklang zu bringen ist, wird erst die Zeit beweisen.
IT SecCity: Wenn Geld für StorageTek keine Rolle spielen würde,
würden Sie Geld in Akquisitionen investieren? Pat Martin: Lassen Sie mich einmal erklären, was ich von Akquisitionen halte. In Amerika gab es ein großartiges Unternehmen mit Namen AT&T. Vor vielen Jahren entschied AT&T, sich neu zu positionieren und kaufte NCR. Das kostete viel Geld. Später kauften sie Kabel-Unternehmen und andere Unternehmen und wenn Sie sich heute AT&T anschauen, sehen Sie ein Unternehmen, das ums Überleben kämpft. Es zeigt, wie gefährlich es ist, auf Akquise-Tour zu gehen, wenn Geld keine Rolle spielt. Die Statistiken sagen, dass 90 Prozent alle Akquisitionen fehlschlagen und dies aus vielen Gründen. Technologie-Akquisitionen, das heißt eine Technologie zu akquirieren und diese zu integrieren, sind eine große Herausforderung, die Übernahme von großen Unternehmen ist auf Grund der kulturellen Unterschiede immer schwierig und drittens geht bei jeder Akquisition Effizienz verloren, da man sich im Unternehmen zu sehr auf interne Probleme konzentriert als den Fokus auf den Markt zu richten. Ich bin der daher der Meinung, dass in unserer Industrie der beste Weg zu wachsen immer das organische Wachstum ist. Wenn Geld keine Rolle spielt, würde ich dieses Geld in das organische Wachstum eines Unternehmens stecken und Akquisitionen nur tätigen, wenn diese komplementär Lücken füllen können. Das würden dann aber keine Großakquisitionen sein.
IT SecCity: Gibt es Bereiche, in die StorageTek investieren muss, um
die eigene Position zu verbessern? Pat Martin: Wir müssen zwischen einem internen und einem externen Investment unterscheiden. Wir werden damit fortfahren, mehr und mehr in Software zu investieren. Wir sehen verschiedene ILM-Trends auf dem Markt, sei es beispielsweise die effektive Managebarkeit von Archivierungen oder das Lösen von Backup- und Recovery-Problemen. Wir haben eine Roadmap, um diesen Trends gerecht zu werden und wir werden in diese Bereiche aggressiv investieren. Viel wichtiger aber als eine Lösung zu haben, ist es, dem Kunden zu helfen, diese Lösung auch einsetzen zu können. Deshalb werden wir auch mehr in das Beratungsgeschäft investieren, um unseren Kunden zu helfen, die richtige Lösung zu implementieren.
IT SecCity: Welche Vision hat StorageTek? Pat Martin: Unsere Vision ist es, der größte unabhängige Storage-Lieferant auf dem Markt zu werden. Ich sehe, dass diese Vision jedes Jahr ein Stück mehr an Realität gewinnt.
IT SecCity: Glauben Sie, dass die Analysten diese Vision besonders
lieben. Für mich scheint sie nicht besonders sexy zu sein. Vielleicht hören
Analysten lieber, dass man die halbe Welt aufkaufen möchte? Pat Martin: Ich bin nicht sicher, dass man mit Speicherprodukten wie Symmetrix oder Echoview so etwas wie Sex kreieren kann. Die EMC-Aktie war eine der Aktien, die in den 90iger Jahren die beste Performance aufwies. Wenn Sie sich EMC in der Vergangenheit anschauen, glaube ich nicht, dass sie so etwas hatten wie eine "Sexy Vision". Was EMC besaß, war ein wundervolles Produkt. Dies hatte sie genau zu dem Zeitpunkt als IBM und andere Unternehmen ein solches Produkt eben nicht hatten. Analysten beurteilen Unternehmen nach ihren substantiellen Wachstumsmöglichkeiten und den Möglichkeiten, schneller als der Markt zu wachsen. Dass wir das können, haben wir den Analysten bewiesen. Wir wachsen seit mehreren Quartalen stärker als der Markt und wenn der Markt im 2. Halbjahr anziehen wird, was wir glauben, dann werden wir noch stärker wachsen. (ra)
(*) Anmerkung der Redaktion: AutoIS (= Automation Information Storage) von EMC: Mit
der Middleware Wide Sky lassen sich alle Storage-Devices eines Unternehmens
unter einer gemeinsamen Konsole verwalten. Laut einer Untersuchung der
Soundview Technology Group sollen sich bereits mehr als 100 unabhängige
Software-Anbieter (ISVs) (Stand: Herbst 2003) dieser API-Initiative
angeschlossen haben. Auch wenn EMC die Vokabel "Virtualisierung"
vermeidet, handelt es sich um einen Virtualisierungsansatz, wie EMC-President
Mike Ruettgers seinerzeit in einem Interview konzedierte). Siehe auch "EMC komplettiert letzte Speicherebene für
ILM-Strategie": http://www.itseccity.de/content/markt/nachrichten/040616_mar_nac_emc.html Siehe auch Kommentar: "Das Hauptgewicht liegt auf dem Vertrieb von Disk-Systemen - daran wird sich nichts ändern": http://www.itseccity.de/content/markt/kommentare/040616_mar_kom_itseccity.html Siehe auch "Themen des
'Analyst Day'": Umsatzprognosen, Virtuelle Infrastrukturen und
ILM-Strategien: http://www.itseccity.de/content/markt/unternehmen/040616_mar_unt_emc.html Storage Technologies GmbH (StorageTek) Kontakt: Edith Latocha Tel. (06196) 9568-480, Fax (06196) 9568-140 E-Mail: edith_latocha@storagetek.com Web:
www.storagetek.de |
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