Rubrik: Markt/Interviews

StorageTek: Interview mit Patrick J. Martin, Chairman, President und CEO von StorageTek

"Uns kommt das Profil eines Kunden, der unter Budgetzwängen leidet, sehr gelegen"

Pat Martin: "Unser Ziel heißt: Wenn der Tape-Markt um zwei bis drei Prozent wächst, wollen wir zwischen vier und sechs Prozent zulegen."

(16.07.04) - Die Finanzzahlen für das zweite Quartal 2004, die StorageTek am
8. Juli 2004 in einer Vorankündigung dem Markt präsentierte, enttäuschten vor allem die Analysten: So erwartet der Experte für Storage Services und Solutions, dass sich der Umsatz lediglich in der Bandbreite zwischen 510 Millionen Dollar und 520 Millionen Dollar bewegt, was im direkten Quartals-vergleich mit dem Vorjahresquartal sogar ein Minus ergeben könnte (der Umsatz im zweiten Quartal 2003 betrug 527,3 Millionen Dollar). Analysten wie Thomson One Analytics hatten für das zweite Quartal 2004 einen Umsatz von 549 Millionen Dollar prognostiziert. Den Gewinn pro Aktie (diluted earnings per share) erwartet StorageTek bei 0,29 bis 0,33 Dollar. Dies würde eine Steigerung gegenüber dem ersten Quartal bedeuten, in dem 0,21 Dollar erzielt wurden (2. Quartal 2003: 0,27 Dollar). Die endgültigen Zahlen wird StorageTek am 20. Juli 2004 veröffentlichen.

StorageTek ist nicht die erste Speicher-Company, die sich schwindenden Umsatzsteigerungen gegenüber sieht: So hatten bereits die Laufwerksher-steller Seagate Technology und Maxtor erst kürzlich Stellenstreichungen bekannt gegeben und dies mit der schwierigen Marktlage begründet.

IT SecCity sprach mit Patrick J. Martin, Chairman, President und CEO von StorageTek, über das zweite Quartal, die Chancen eines Einstiegs in den Markt für mittelgroße Speichersysteme und die Perspektiven des Unternehmens für den Rest des Jahres.

 

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IT SecCity: StorageTek hat in einer Vorankündigung einen Ausblick auf die Finanzzahlen des zweiten Quartals 2004 gegeben. Danach soll der Umsatz eher flach ausgefallen - der Gewinn aber auch in diesem Quartal steigen. Was sind die Gründe dafür?

Pat Martin: Die gute Nachricht ist sicherlich der weitere Anstieg der Gewinne. Dafür gibt es im Wesentlichen folgende Gründe: Zum einen greifen unsere Maßnahmen, die Produktivität weiter zu verbessern. Diese Maßnahmen haben wir vor einigen Jahren eingeleitet mit dem Ziel, unsere Profitabilität anzuheben, was uns ja auch gelungen ist. Das ist die eine Headline. Zweitens sind wir im zweiten Quartal sehr aggressiv zu Werke gegangen, um unseren traditionellen Ausgaben noch besser in den Griff zu kriegen. Zudem haben wir im ersten Quartal viel in unseren Channel investiert, so dass wir insgesamt effizienter arbeiten konnten.

Was unsere Umsätze betrifft, so sind wir am Anfang des Jahres von weiteren Umsatzsteigerungen ausgegangen. Wir haben angenommen, dass wir um zwei Prozent mehr als der Markt wachsen würden und haben erwartet, dass der Markt irgendwo zwischen zwei und fünf Prozent zulegen würde. Im zweiten Quartal und hier speziell in den letzten zwei Wochen des Quartals sahen wir uns plötzlich einem furchtbaren Auftrags-Rückgang gegenüber, der sich unweigerlich auf den Umsatz auswirken wird. Dies scheint ein IT-industrieweites Problem zu sein: Auch VERITAS Software und Computer Associates haben Ähnliches zu verzeichnen gehabt. Man muss abwarten, wie es anderen Herstellern ergeht.

 

IT SecCity: Wenn dies ein IT-industrieweites Problem ist, stellt sich die Frage: Wie lange kann man mit nicht steigenden Umsätzen einen steigenden Gewinn erzielen?

Pat Martin: Natürlich müssen wir ein Unternehmenswachstum erreichen. Wir haben ja einige Quartale hintereinander ein Umsatzwachstum erzielt. Wir erwarten, dass sich der Markt im zweiten Halbjahr wieder erholt und wir dementsprechend mit dem Markt wachsen werden. Auf die Dauer können Sie sicherlich nicht mit Umsätzen, die an der unteren Grenze liegen, Gewinne pro Aktie erzielen, die sich an der oberen Grenze bewegen.

 

IT SecCity: Sie haben die Markterholung im 2. Halbjahr erwähnt. Als wir uns Mitte März dieses Jahres auf der CeBIT in Hannover getroffen haben, hatten Sie prognostiziert, dass sich der Markt erst im 2. Halbjahr entscheidend nach vorne bewegen wird. Erwarten Sie das noch immer?

Pat Martin: Ich hoffe es. Das ist der Punkt. Businessgesprächen, die noch gestern Abend geführt habe, habe ich entnommen, dass gerade der Ausblick in Deutschland sehr optimistisch ist. Bei ähnlichen Gespräche im März dieses Jahres waren die Prognosen weitaus vorsichtiger und konservativer. Das Wachstum soll im zweiten Halbjahr anziehen und ich hoffe, dass dies wahr wird.

Was Amerika betrifft, steht uns im zweiten Halbjahr eine Wahl bevor. Ich vermag nicht vorhersagen, ob dies einen Einfluss auf das Einkaufsverhalten haben wird.

 

IT SecCity: Einen guten oder schlechten Einfluss? – In Amerika wird ja gerade über mögliche terroristische Anschläge diskutiert, die im Vorfeld der Präsidentschaftswahl stattfinden könnten.

Pat Martin: In ungewissen Zeiten wird das Budget eher gekappt als vergrößert. Dies gilt umso mehr, wenn Terrorismus die Situation destabilisieren sollte. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass wir auch in Amerika optimistisch in die Zukunft blicken können, was das zweite Halbjahr betrifft. Eine Menge an Projekten, die aufgeschoben worden sind oder deren Beginn sich verspätet hat, wird im zweiten Halbjahr starten, da der Anwender es sich gar nicht leisten kann, diese Projekte weiter zu verschieben.

 

IT SecCity: Welche Rolle werden neue StorageTek-Produkte wie die SL 500 oder SL 8500 in diesem Umfeld spielen?

Pat Martin: Gruß an EMC: "Welcome to the party"
Pat Martin: Die SL 8500 hat bereist große Akzeptanz gefunden: Sowohl bei den Analysten als auch im Markt. Die SL 500, die wird vor ein paar Wochen auf der StorageWorld angekündigt haben, wird im dritten Quartal ausgeliefert. Sie bietet besonders unserem Channel hervorragende Verkaufsmöglichkeiten, was sich im vierten Quartal positiv auswirken kann.

 

IT SecCity: Haben Sie auch einige Zahlen für mich parat? Wie wird sich die SL 500 umsatzmäßig bemerkbar machen - vor allem im Mittelstandsmarkt?

Pat Martin: Wir geben keine produktbezogenen Umsatzzahlen heraus, wie Sie vielleicht wissen. Mit der SL 500 haben wir nun die Möglichkeit, gezielt den Mittelstandsmarkt anzugehen. Das Produkt hat eine Vielzahl von Alleinstellungsmerkmalen. Innerhalb der nächsten 60 Tagen werden Sie sicherlich von uns hören, wie dieses Produkt vom Markt akzeptiert werden wird. Sowohl die SL 8500 als auch die SL 500 sind revolutionär und werden uns noch lange Zeit begleiten.

 

IT SecCity: Die SL 500 und die SL 8500 sind Tape Libraries. Sie gehen offensichtlich davon aus, dass auch in Zukunft die Unternehmen steigende Investitionen in Tape-Lösungen vornehmen. Wird dies aber auch eintreten?

Pat Martin: Wir glauben, dass der Tape-Markt auch die nächsten Jahre ein maßvolles Wachstum verzeichnen wird. Der Trend in den Rechenzentren heißt Archivierung. Nie zuvor in der Geschichte der IT wurden soviel Daten gespeichert. Daten werden heute für 25 oder sogar 50 Jahre archiviert. Charakteris-tischer Weise bezeichnet man dies als "High storage" - "Low retrieval". Der Trend zur Archivierung treibt den Verkauf von Bandlösungen an. Das fördert das Marktwachstum und wird auch uns eine moderates Wachstum bescheren. Wir glauben natürlich, dass wir auf Grund unserer hervorragenden Produkte und der riesigen installierten Basis an Tape-toTape-Automatisierungssystemen schneller als der Markt wachsen können. Daher wenden wir uns sowohl an unsere eigenen Kunden, um ihnen zu helfen, in eine neue Technologie zu migrieren, als auch an die Kunden unserer Mitbewerber, um ihnen unsere Lösungen anzubieten.

 

IT SecCity: Schneller als der Markt wachsen heißt in Zahlen?

Pat Martin: Unser Ziel heißt: Wenn der Tape-Markt um zwei bis drei Prozent wächst, wollen wir zwischen vier und sechs Prozent zulegen.

 

IT SecCity: Kunden wollen "mehr" mit "weniger" realisieren. Sie wollen mehr Computing-Power oder Speichersysteme haben, aber weniger Geld dafür ausgeben. Wie können Sie diesen Ansprüchen gerecht werden.

Pat Martin: Für mich ist das kein Problem, sondern eine Gelegenheit. Disk-Speichersysteme, die heute im Rechenzentrum stehen, sind wahrscheinlich die am wenigsten effektiv genutzten Lösungen überhaupt. Ich will Sie nicht damit nerven, weil es schon häufig gesagt habe: Aber das uneffektivste Speichersystem ist ein Enterprise-Disk-System. Es gibt in Deutschland ein Telekom-Unternehmen, das acht Kopien seiner Daten-bank auf EMC Symmetrix-Disk-Subsystemen gespeichert hat. Der Grad der wirklichen Ausnutzung eines solchen Disk-Subsystems im MVS-Umfeld liegt bei höchstens 20 bis 45 Prozent. Dies gibt uns eine hervor-ragende Gelegenheit, bei einem Kunden wie dem oben erwähnten Telekom-Unternehmen die duplizierten und nichtgenutzten Informationen von Mainline-Disk auf Subsysteme wie unsere ATA-Lösungen zu migrieren und von dort auf Tape-Lösungen. So können wir dem Kunden nicht nur helfen, Geld zu sparen, sondern auch seine gestiegenen Speicheranforderungen befriedigen. Dies steht beispielhaft dafür, wie man bei vielen Kunden den Bedarf an teurem Mainline-Disk-Speicher reduzieren kann.

Daher kommt uns das Profil eines Kunden, der unter Budgetzwängen leidet und trotzdem erhöhte Speicheranforderungen hat, sehr gelegen.

 

IT SecCity: Einen interessanten Aspekt Ihrer letzten Produktoffensive offenbarte der "Backup Resource Monitor", der gewissermaßen Intelligenz in die Speichersysteme bringt. Werden wir demnächst weitere Softwareprodukte von StorageTek sehen? – Wie sieht Ihre Softwarestrategie aus?

Pat Martin: Auf jeden Fall. BRM (Backup Resource Monitor) ist ein reines Softwareprodukt, speziell für das Open Systems-Umfeld. Wir werden ähnliche Lösungen mit der gleichen Power auch für gemischte MVS/Open Systems-Umfelder auf den Markt bringen. Für uns sind solche Softwareprodukte eine starke Plattform, zukünftig Backup- und Recovery mit ILM-Strategien zu integrieren.

 

IT SecCity: Die SL 500 adressiert vor allem den Markt für mittelgroße Systeme. Hier heißen die großen Player aber Overland und ADIC. Wann werden Sie auch in diesem Marktsegment Marktführer sein?

Pat Martin: Oh - ich glaube nicht, dass wir uns hier einen genauen Zeitpunkt setzen müssen oder ihn haben, aber es ist ganz offensichtlich, dass wir unseren Marktanteil erweitern wollen. Die SL 500 erlaubt es uns, Overland- und ADIC-Kunden gezielt anzusprechen - aber natürlich auch unsere eigenen Kunden. Wie Sie wissen, haben wir viele L20-, L40-, L80- und L180-Systeme installiert, die durch die SL 500 ersetzt werden können. Unsere Kunden haben uns darauf hingewiesen, dass sie ein Produkt mit hoher Skalierbarkeit benötigen und genau das ist ein Charakteristikum der SL 500. Wenn man die Preis-Performance-Relation berücksichtigt, Reliability und Funktionalität betrachtet, dann ist die SL 500 ein überaus wettbewerbsstarkes Produkt. Wir werden allen potenziellen Kunden zeigen, dass sie eine Wahl haben und dass StorageTek die bessere Wahl darstellt.

 

IT SecCity: Als wir uns das letzte Mal gesprochen haben, war die Argumentationskette Ihres großen ILM- (Information Lifecycle Management-)Konkurrenten EMC noch ausschließlich auf Disk-Speicher beschränkt (siehe: http://www.itseccity.de/content/markt/interviews/040616_mar_int_storagetek.html). Inzwischen hat EMC eine Vertriebsvereinbarung mit ADIC geschlossen und kann ebenfalls Tape-Speicher offerieren. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Pat Martin: Für mich bestätigt sich nur, was wir schon viele Jahre gesagt haben: Der Markt ist dringend auf Tape-Lösungen angewiesen ist. Denken Sie daran, dass EMC über viele Jahre immer wieder behauptet hat: "Tape is dead." Nun hat EMC endlich erkannt, dass man sich nicht ATA-Player nennen kann, ohne auch Tape-Lösungen anzubieten. Das wird eine interessante Herausforderung werden. ADIC ist eine gute Company, aber sie hat keinen starken Markenamen im Enterprise-Bereich, in dem wir Marktführer sind.

Für uns stellt sich die Sache positiv dar, weil sich der Markt durch das Engagement von EMC insgesamt erweitern wird. So kann ich, was den Eintritt von EMC ins Tape-Business betrifft, nur sagen. "Welcome to the party".

Das Interview führte:

Rainer Annuscheit

Redaktion IT SecCity

 

 

Mehr zum Thema: Backup Resource Monitor: http://www.itseccity.de/content/produkte/storagemanagement/040706_pro_sto_storagetek.html

Mehr zum Thema: SL 500: http://www.itseccity.de/content/produkte/speichersysteme/040705_pro_spe_storagetek.html

Mehr zum Thema: SL 8500: http://www.itseccity.de/content/produkte/speichersysteme/040704_pro_spe_storagetek.html;

http://www.itseccity.de/content/produkte/speichersysteme/031117_pro_spe_storagetek.html

Kommentar zum Markteintritt von EMC in den Tape-Markt: http://www.itseccity.de/content/markt/kommentare/040616_mar_kom_itseccity.html

 

Storage Technologies GmbH (StorageTek)

Kontakt: Edith Latocha

Tel. (06196) 9568-480, Fax (06196) 9568-140

E-Mail: edith_latocha@storagetek.com

Web: www.storagetek.de

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