Rubrik: Markt/Interviews

Candid Wüest: Deutschland hat in Europa die zweithöchste Anzahl von Bot infizierten Computern überhaupt

Sobald ein Computer mit einem Bot infiziert ist, kann dieser anfangen, Daten zu sammeln

(12.08.09) - Rund 65 Prozent aller deutschen Haushalte haben einen Breitbandanschluss. Musik downloaden, Videos anschauen, fernsehen, spielen und chatten - alles geht ruck, zuck. Doch was uns Surfern Spaß macht, freut leider auch die Cyberkriminellen. Sie starten immer mehr Angriffe aus dem Netz auf unsere Computer. Das ist das erschreckende Ergebnis des neuen Internet-sicherheitsberichts (Internet Security Threat Report) von Symantec. Candid Wüest ist Mitautor der Studie. Das Interview führte die point of listening GmbH.

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Herr Wüest, wo sind die Betrüger denn zurzeit am aktivsten?

Candid Wüest: "Durch die starke Verbreitung von Breitbandanschlüssen laden sich die Internet-Benutzer natürlich vermehrt sehr viele Dateien aus dem Internet herunter. Also zum Beispiel über Peer-to-Peer-Tauschbörsen, Instant Messenger oder direkt von Webseiten. Das wissen aber natürlich auch die Angreifer und platzieren genau an diesen Stellen ihren Schadcode."

Warum stürzen sich die Cyberkriminellen immer mehr auf diese Online-Medien?

Wüest: "Die Angreifer können so sehr schnell und effizient Schadcode verbreiten, ohne die Gefahr zu haben beim Installieren des Schadcodes eben anwesend zu sein. Diese Verbreitungsmethode kann aber auch sehr zielgerichtet spezifische Gruppen angreifen und ist somit ideal für den Aufbau von Bot-Netzwerken geeignet."

Was genau sind Bot-Netzwerke?

Wüest: "Bot-Netze bestehen aus gekaperten Computern, die ferngesteuert werden. Auf den Computern läuft unbemerkt ein bösartiges Programm im Hintergrund. Dies sammelt dann zum Beispiel E-Mail-Adressen und verschickt Spam-Mails an alle diese E-Mails. Aber auch illegale Webinhalte könnten heruntergeladen werden - oder Server nach Lücken ausspioniert werden."

Welche Auswirkungen kann so etwas annehmen?

Wüest: "Nun, sobald der Computer mit einem Bot infiziert ist, kann dieser anfangen, Daten zu sammeln, und verschickt dann zum Beispiel Spam-E-Mails an alle Ihre Bekannten. Kurze Zeit später werden alle Ihre Bekannten bereits die ersten 100 bis 1.000 Spam-E-Mails erhalten, die bereits von Ihrem Computer verschickt wurden, ohne dass Sie etwas wussten."

Passiert denn so etwas häufig?

Wüest: "Leider ja: Deutschland hat in Europa die zweithöchste Anzahl von Bot infizierten Computern überhaupt, nur knapp hinter Spanien. Viele Benutzer wissen gar nicht, dass ihr Computer ferngesteuert wird, weil eben alles im Hintergrund passiert."

Was erwarten Sie für die Zukunft?

Wüest: "Die Anzahl von neuem Schadcode steigt natürlich weiter dramatisch an. Allein im Jahr 2008 hatten wir über 1,6 Millionen neuer Schädlinge. Das ist eine Steigerung von 265 Prozent. Da dieser Dauerbeschuss beim Internetsurfen natürlich lukrativ ist, wird er wohl auch in Zukunft weiterhin so bleiben."

Ja, und was kann man dagegen als User machen?

Wüest: "Weil vieles unsichtbar abläuft, braucht es natürlich eine umfassende Internetsicherheits-software - welche viele Schutzfunktionen bietet. Also zum Beispiel auch gegen Bots. Natürlich muss diese Software genauso wie das Betriebssystem immer auf dem neuesten Stand aktualisiert gehalten werden."

(Symantec: ra)

 

 

 

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