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Embedded Software Engineering Kongress 2022 - Sindelfingen | 05.–09.12.2022
Der ESE Kongress ist Deutschlands Leitkongress der Embedded-Softwarebranche


Missbrauch kompromittierter Identitäten

Auf einem Auge blind: Bemerkungen zur Cybersicherheitsstrategie der deutschen Bundesregierung

Selbst grundlegende Einschätzungen zur Rolle und Bedeutung von Identity Governance und Identity Administration – kurz: zur Identity Security – sucht man im Strategiepapier vergebens



Statement von Arne Ohlsen, Senior Field Marketing Manager bei SailPoint

Am 8. September des vergangenen Jahres wurde von der mittlerweile aus dem Amt geschiedenen Regierung Merkel die Cybersicherheitsstrategie für Deutschland 2021 verabschiedet. Im Anschluss hagelte es heftige Kritik – von Seiten der Experten, der Verbände und der Opposition. Zu unklar seien das Konzept, seine Vorhaben und Vorgaben umrissen. Berechtigte Kritikpunkte, die sich durchaus auch auf den Umgang der Strategie mit der Sicherheit digitaler Identitäten anwenden lassen.

Jedoch: betrachtet man die Vorhaben und Vorgaben zu digitalen Identitäten noch etwas genauer, so kommt noch ein weiteres, weit gravierenderes Problem zum Vorschein. Es fehlt noch mehr, weit mehr. Nämlich: der gesamte Aspekt der Authentifizierung. Digitale Identitäten werden im Strategiepapier allein unter dem Gesichtspunkt der Authentisierung betrachtet. Der Aspekt der Authentifizierung dagegen, bleibt ausgespart. Selbst grundlegende Einschätzungen zur Rolle und Bedeutung von Identity Governance und Identity Administration – kurz: zur Identity Security – sucht man im Strategiepapier vergebens.

Ganze zwei Abschnitte haben digitale Identitäten zum Gegenstand:

>> 8.1.5 Sichere elektronische Identitäten gewährleisten und

>> 8.1.6 Elektronische Identitäten (von Personen und Dingen) im weiteren Sinne und Authentizität und Integrität von Algorithmen, Daten und Dokumenten absichern.

Jedoch: in 8.1.5 werden nur staatlich kontrollierte elektronische Identitäten, wie die deutsche Online-Ausweisfunktion, besprochen. Und in 8.1.6 geht es vornehmlich um biometrische und hardwarebasierte Identifikationsmerkmale und Methoden zu ihrer Absicherung. Das Papier sieht Optimierungen der Authentisierungsverfahren vor, will, dass bestehende Standards „wo möglich und sinnvoll“ Berücksichtigung finden. Gedanken zur Authentifizierung jedoch, sucht man in den Erklärungen zur deutschen Cybersicherheitsstrategie vergebens.

Dabei stehen deutsche Unternehmen und Institutionen gerade hier schon seit Jahren erheblich unter Druck. Die Zahl kompromittierter Identitäten, die von Cyberkriminellen für einen erfolgreichen Angriff auf ein Netzwerk missbraucht werden, sie wächst von Jahr zu Jahr. 85 Prozent aller erfolgreichen Cyberangriffe lassen sich mittlerweile auf den Missbrauch kompromittierter Identitäten zurückführen. Identity Security-Lösungen könnten hier helfen. Doch Empfehlungen, dass und wie sie implementiert werden sollen, Angaben, über welche Features sie verfügen sollten, bleiben im Strategiepapier ausgespart. Man könnte auch sagen: Folgt man den Vorgaben der Cybersicherheitsstrategie der deutschen Bundesregierung, läuft man Gefahr, auf einem Auge blind zu werden.

Um Netzwerksysteme effektiv vor Angreifern abzusichern, genügt es eben nicht, die Anmeldung für eine digitale Identität möglichst sicher zu gestalten. Einmal angemeldet, muss der ordnungsgemäße Gebrauch der Identität auch überwacht werden. Und dies gelingt nur mittels effektiver Identity Security-Lösungen. Sie liefern den erforderlichen Überblick über alle registrierten Identitäten, mit dem typisches von untypischem Verhalten unterschieden werden kann. Wird die Identity Security dann noch mit einem SIEM-System, Firewalls, und einem Endpunkt-Schutz verknüpft, steht einer effektiven Cybersicherheit, mit deren Hilfe Angriffe auf das Netzwerk frühzeitig erkannt und abgewehrt werden können, nichts mehr im Wege.

Die deutsche Cybersicherheitsstrategie, auch im Hinblick auf digitale Identitäten bedarf sie deshalb dringend einer Überarbeitung und Erweiterung. Ohne Identity Security wird sich eine wirklich umfassende Cybersicherheit für Deutschland nicht verwirklichen lassen. Man kann dem Bundesinnenministerium nur raten, den Mangel so rasch wie möglich abzustellen. Bevor ein Großteil der deutschen IT-Infrastruktur tatsächlich Gefahr läuft, auf einem Auge blind zu werden.

Noch ist die deutsche Cybersicherheitsstrategie nicht lang in Kraft. Noch können Nachjustierungen vorgenommen werden – ohne dass der IT-Standort Deutschland deshalb größere, bereits getätigte Investitionen verloren geben muss. Die Ampelkoalition sollte die begrenzte, ihr noch verbliebene Zeitspanne nutzen und das Bundesinnenministerium anweisen, die zahlreichen, mittlerweile bekannten großen und kleinen Schwachstellen in den Sicherheitsvorgaben des Strategiepapiers nachträglich zu schließen – bevor es zu spät ist. (Sailpoint: ra)

eingetragen: 24.08.22
Newsletterlauf: 16.11.22

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Meldungen: Kommentare und Meinungen

Entwurf zum Cyber Resilience Act (CRA)

Die Europäische Kommission einen bedeutenden Schritt zur Schaffung einer sichereren digitalen Welt für Bürger und Unternehmen in der EU unternommen. Sie hat den Entwurf zum Cyber Resilience Act (CRA) vorgestellt. Er beinhaltet neue Cybersicherheitsanforderungen für IoT-Hardware und -Software, wie etwa smarte Spielzeuge, vernetzte Kühlschränke oder Überwachungskameras.

eco zum EU-US Privacy Shield-Nachfolgeabkommen

Sechs Monate nach Ankündigung einer neuen transatlantischen Vereinbarung für den rechtssicheren Transfer personenbezogener Daten, könnte das Nachfolgeabkommen des EU-US Privacy Shield jetzt endlich kommen: Die Einigung zum Trans-Atlantic Data Privacy Framework wurde jetzt vorgestellt.

Chatkontrolle: Der Zweck heiligt nicht die Mittel

Die EU-Kommission stellte vor Kurzem ihre Pläne für ein neues Gesetz zur Chatkontrolle vor. Ziel ist es, den Kampf gegen sexuellen Missbrauch Minderjähriger voranzutreiben. "Das ist zweifelsfrei dringend notwendig. Doch erreicht werden soll dies, indem die Privatsphäre unter anderem auf unser aller Mobiltelefone ausgehebelt wird. Ob jedoch die anlasslose Massenüberwachung auch unbescholtener Bürgerinnen und Bürger die Strafverfolgung in dieser Hinsicht wirklich weiterbringt, bezweifle ich stark", kritisiert IT-Sicherheitsexpertin Patrycja Schrenk, Geschäftsführerin der PSW Group scharf.

Integrität der Supply Chain mit immer mehr Brisanz

Lässt man einige Angriffe der letzten Zeit (insbesondere Solarwinds oder Log4Shell) Revue passieren, so fällt auf, dass diese immer mehr "über Bande" spielen. Das bedeutet die Angreifer greifen Zielunternehmen nicht mehr direkt an, sondern über deren (Software)-Lieferkette. Ob nun Opfer über kompromittierte Solarwinds-Updates oder Lücken in Log4Shell angegriffen werden – in beiden Fällen ist die Software-Lieferkette gleichzeitig auch Infektionskette.

Online-Händler unter Druck

Laut dem aktuellen Threat Intelligence Report von Netscout verzeichnete der deutsche E-Commerce-Sektor im zweiten Halbjahr 2021 rund 16,918 DDoS-Angriffe. Dies stellt einen Anstieg von 7.5 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 dar und macht die Branche im zweiten Jahr in Folge zum zweitstärksten Angriffsziel in Deutschland nach Datenverarbeitungsdiensten.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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