Schwerwiegende Eingriffe in IT-Systeme

Ausweitung der Befugnisse beschlossen: Auch Geheimdienste dürfen Staatstrojaner nutzen

PSW Group kritisiert: Bundesregierung hat sich auf umfassende Überwachung geeinigt



Der Staatstrojaner soll vom Verfassungsschutz, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) angewandt werden dürfen. Das hat das Kabinett der Bundesregierung am 28. Oktober 2020 entschieden. Nicht nur Bundesdatenschützer Kelber sieht diese Entwicklung sehr kritisch und warnt davor, dass der Bundestrojaner zu staatlicher Überwachung führen könnte. Auch Sicherheitsanbieter F-Secure möchte sich nicht an dieser Telekommunikationsüberwachung beteiligen.

Auch die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group kritisieren diese Entwicklung scharf, denn die Bundesregierung hat sich auf eine umfassende Überwachung geeinigt: Die sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung Plus soll es Agenten von Verfassungsschutz, BND und MAD erlauben, neben der laufenden Kommunikation auch rückwirkend alle alten Kommunikationen ausforschen zu dürfen, die seit dem Moment der Bewilligung der staatlichen Spionage stattgefunden haben. Somit greifen Ermittler auch auf gespeicherte E-Mails oder Chatverläufe zu.

"Es handelt sich unserer Meinung nach hier um schwerwiegende Eingriffe in IT-Systeme, die möglicherweise gleichzeitig mehrere Grundrechte der Betroffenen und auch deren Kontaktpersonen einschränken. Zudem schwächt die Ausweitung der Befugnisse, den Staatstrojaner einzusetzen, das generelle Vertrauen in IT-Systeme, in deren Integrität sowie in die Vertrauenswürdigkeit von darauf abgelegten Daten", gibt Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW Group, zu bedenken. Die Polizei besitzt seit längerem flächendeckend Befugnisse, sich mittels Spionagesoftware heimlich in Smartphones oder Rechner zu hacken. Diese werden nun auf verschiedene Geheimdienste ausgeweitet. So wird es jetzt auch dem Verfassungsschutz, dem BND und dem MAD gestattet, direkt in Smartphones oder Rechner einzudringen. Mittels eingeschleuster Schadsoftware, nämlich dem Bundestrojaner, gelingt es, die dort laufende Kommunikation abzufangen – seien es Telefonate oder Messenger-Chats. Dieses Abfangen geschieht, noch bevor die Anbieter die Nachrichten verschlüsseln.

Massive Kritik vom Bundesbeauftragten für Datenschutz und Anbieter F-Secure

Ulrich Kelber, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), kritisiert Mängel in der aktuellen Fassung des Gesetzesentwurfs: Das Gesetz lege "den Umfang der Informationserhebung nicht klar fest". So könne aus der Quellen-Telekommunikationsüberwachung Plus die eigentlich nicht gewollte Online-Durchsuchung werden. Kelber findet sehr klare Worte: "Es besteht die Gefahr, dass das Ausmaß der staatlichen Überwachung in der praktischen Anwendung das für eine Demokratie erträgliche Maß übersteigt."

Auch F-Secure, finnischer Anbieter von Sicherheitsprodukten, wehrt sich gegen den Bundestrojaner: Nach Information von F-Secure soll mit der hauseigenen Anti-Schadprogramm-Software nach dem Bundestrojaner gesucht und dieser dann – wie jeder andere Trojaner – deaktiviert werden. Das Unternehmen gibt zu bedenken, dass nicht nur die Messenger- oder andere Kommunikationen vom Bundestrojaner betroffen seien, denn durch Bezahl-Dienste wie Apple Pay oder Google Pay wird auch die Nachverfolgung von Bezahlungen auf dem Smartphone möglich. Zudem wird das Smartphone in der Bevölkerung auch für Funktionen wie CarKey, dem digitalen Autoschlüssel, genutzt – auch darauf hätte der Bundestrojaner im Zweifel Zugriff.

Noch muss die Gesetzesänderung zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung den Bundestag passieren. Dann bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt: "Könnten Kelber oder Anbieter wie F-Secure mit ihrer Verweigerungshaltung etwas bewirken, wäre dies ein großer Sieg für die Privatsphäre", hofft Patrycja Tulinska, und fügt hinzu: "Ich hege allerdings die Befürchtung, dass der Staat auf einzelne Anbieter zugehen und das Einbauen von Hintertüren verlangen wird. (PSW Group: ra)

Weitere Informationen unter: https://www.psw-group.de/blog/bundestrojaner-bundesdatenschuetzer-warnt-vor-staatlicher-ueberwachung/7790

(PSW Group: ra)

eingetragen: 30.12.20
Newsletterlauf: 11.03.21

PSW Group: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Kommentare und Meinungen

Es braucht kein CE-Kennzeichen für einen simplen Texteditor

Nachdem der Cyber Resilience Act (CRA) im März im Europäischen Parlament verabschiedet wurde, steht nun noch die finale Bestätigung durch den EU-Ministerrat aus. Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) kritisiert den Cyber Resilience Act (CRA) in seiner jetzigen Fassung, im März im Europäischen Parlament verabschiedet wurde.

Steuern Sie auf eine Compliance-Katastrophe zu?

Die vorschriftsgerechte Datenverwaltung ist in allen Organisationen generell ein schwer zu navigierendes Gewässer. Sowohl die Datenmenge als auch die Vorschriften, diese zu verwalten, wachsen kontinuierlich. Gleichzeitig entwickeln sich die Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit und die dafür genutzten Technologien ständig weiter.

Hochspezialisierte Angriffe

Das Bundeskriminalamt hat in einer internationalen Operation über 100 Server beschlagnahmt und 1.300 kriminelle Domains deaktiviert. Dabei wurden zehn Haftbefehle ausgestellt und vier Personen festgenommen. Vermögenswerte in Höhe von 69 Millionen Euro und Kryptowährungen im Wert von 70 Millionen Euro wurden eingefroren. Die Aktion, unterstützt von Europol und anderen Behörden, gilt als "großer Schlag" gegen Cyberkriminalität.

Freigabe sensibler Daten

Laut aktueller Bitkom-Umfrage haben 38 Prozent der Befragten in Deutschland ihrem Partner bereits Zugriff auf das eigene Smartphone gewährt, lediglich jeder Dritte würde dies unter keinen Umständen tun. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in einer aktuellen Kaspersky-Umfrage zum Thema Stalkerware.

Besuchen Sie SaaS-Magazin.de

SaaS, On demand, ASP, Cloud Computing, Outsourcing >>>

Kostenloser Newsletter

Werktäglich informiert mit IT SecCity.de, Compliance-Magazin.de und SaaS-Magazin.de. Mit einem Newsletter Zugriff auf drei Online-Magazine. Bestellen Sie hier

Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

Diese Webseite verwendet Cookies - Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Mit dem Klick auf „Erlauben“erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.