Rubrik: Markt/Kommentare

IT-Gesetze müssen mit der Sensibilisierung der Nutzer einhergehen

Prof. Dr. Norbert Pohlmann zur aktuellen politischen Debatte um Datenschutz im weltweiten Netz

(10.03.10) - Bundeskanzlerin Angela Merkel will mehr Sicherheit im Internet. Das erklärte sie im Vorfeld der diesjährigen CeBIT. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert eine gesetzliche Regelung, nach der jedes Unternehmen einmal im Jahr seine Kunden informieren muss, welche Daten es über den Kunden speichert. "Das ist im Grundsatz eine gute Idee, müsste aber vertrauenswürdig umgesetzt werden. Außerdem nutzen auch die besten Informationen über das digitale Leben nichts, wenn der Internetnutzer die Risiken nicht einschätzen kann. Idealerweise sollte der Nutzer überhaupt möglichst wenige Daten verbreiten", sagt Prof. Dr. Norbert Pohlmann, Direktor des Instituts für Internet-Sicherheit.

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Prof. Pohlmann macht klar, wo Risiken bei der Gesetzesidee liegen können. "Wenn die Unternehmen, bei denen ich über das Internet als Kunde registriert bin, mich per E-Mail darüber informieren, welche Daten sie über mich gespeichert haben, dann teilen sie diese Informationen gleich mit jedem", sagt er. Denn eine E-Mail ist unverschlüsselt nichts anderes als eine Postkarte. Das heißt im Klartext: Jeder könnte sie mitlesen. "Da sollten die Unternehmen das Ganze in einem TLS/SSL-geschützten Kunden-Bereich auf der Webseite anbieten."

Noch bevor man sich Gedanken über gesetzliche Regelungen machen könne, müsse jeder Bürger eine eigene Sicherheitskultur für das Internet entwickeln. "Im Straßenverkehr haben wir gelernt, wie wir uns sicher und umsichtig verhalten. Wir schnallen uns an, achten auf die Verkehrsschilder, fahren ein Auto mit Airbag. Aber im Internet gibt es immer noch Nutzer, die sich ohne jeglichen Schutz bewegen. Das ist fahrlässig!", sagt der Experte.

So müsse jeder Computer zum Schutz vor Viren und Trojanern mit einem Anti-Malware-Programm und einer Personal Firewall ausgestattet sein, bevor sich der Nutzer mit dem Internet verbinde. Auch müsse er sein WLAN verschlüsseln, dürfe Daten nur bei einer sicheren SSL/TLS-Verbindung eingeben und müsse lange und sichere Passwörter verwenden.

"Auf der Straße würde Ihnen auch niemand einfach so 1.000 Euro schenken - dann klicken Sie solche Links auch im Internet nicht an", sagt Prof. Pohlmann. Nur wer die Gefahren kennt, kann sich dagegen schützen. (Institut für Internet-Sicherheit: ma)

 

 

 

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