Rubrik: Markt/Studien

Studie über Datenmissbrauch: Unternehmen sollten dringend vorausschauend tätig werden

87 Prozent der Verstöße wären durch angemessene Sicherheits-maßnahmen zu vermeiden gewesen

(25.06.08) - Nahezu neun von zehn Fällen von Datenmissbrauch bei Unternehmen und Behörden wären durch geeignete Sicherheitsvorkehrungen zu verhindern gewesen, lautet eine der Kernaus-sagen eines umfassenden Berichts, der von Verizon Business veröffentlicht wurde. Weiter enthält die Studie wichtige Empfehlungen, die den Unternehmen und Behörden helfen, sich zu schützen, sowie den eindringlichen Rat, proaktiv tätig zu werden.

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Der 2008 Data Breach Investigations Report umfasst einen Zeitraum von vier Jahren und mehr als 500 forensische Untersuchungen anhand von 230 Millionen Datensätzen. Hunderte von Fällen von Datenmissbrauch wurden unter die Lupe genommen, darunter drei von fünf der größten, die jemals gemeldet wurden. Die von Ermittlungsfachleuten von Verizon Business Security Solutions durchgeführte Studie ergab weiter, dass 73 Prozent der Verstöße von externen Quellen ausgingen, bei 18 Prozent handelte es sich um Bedrohungen von innen; dabei war bei den meisten Verstößen eine Kombination von Vorkommnissen der Auslöser, weniger ein einzelner Hackerangriff oder Versuch, in das System einzudringen.

"Sicherheitsverstöße und die Gefährdung sensibler Informationen sind alles andere als Theorie und lösen bei Organisationen weltweit wachsende Besorgnis aus", sagte Peter Tippett, Vice President Research and Intelligence bei Verizon Business Security Solutions. "Dieser Bericht kann Unter-nehmen dabei helfen, Datenmissbrauch besser zu verstehen und zu erkennen, wie es dazu kommt und welche Gemeinsamkeiten es gibt. Noch wichtiger ist, dass er Organisationen dringend rät, in ihrem Sicherheitsansatz proaktiv vorzugehen - das ist der entscheidende Punkt beim Schutz von Daten."

Wichtige Erkenntnisse aus der Überprüfung von Sicherheitsgrundsätzen

Einige Ergebnisse widersprechen möglicherweise weit verbreiteten Ansichten wie etwa der, dass für die meisten Fälle von Datenmissbrauch Insider verantwortlich sind. Hier die entscheidenden Resultate:

·         Die meisten Datenverstöße, die untersucht wurden, gingen von externen Quellen aus. 39 Prozent der Verstöße konnten Geschäftspartnern zugeordnet werden. Diese Zahl stieg während des Untersuchungszeitraums auf das Fünffache des Ausgangswertes an.

·         Die meisten Verstöße rührten von einer Kombination von Vorkommnissen her, weniger von einer Einzelaktion. 62 Prozent der Verstöße waren auf massive interne Fehler zurückzuführen, die entweder direkt oder indirekt zu dem Verstoß beitrugen. Bei den beabsichtigten Verstößen waren 59 Prozent das Ergebnis von Hackerangriffen oder Versuchen, in das System einzudringen.

·         Von den durch Hacken verursachten Verstößen waren 39 gegen die Anwendungs- oder Software-Ebene gerichtet. Attacken auf die Anwendungs-, Software- oder Services-Ebene kamen weitaus häufiger vor als die unerlaubte Nutzung von Betriebssystem-Plattformen (23 Prozent). Weniger als 25 Prozent der Angriffe machten sich eine bekannte oder unbekannte Schwachstelle zunutze. Wichtig daran: Für 90 Prozent der bekannten Schwachstellen waren mindestens sechs Monate vor dem Verstoß Patches verfügbar.

·         Neun von zehn Verstößen hatten eine "unbekannte" Komponente, darunter nicht bekannte Systeme, Daten, Netzwerkverbindungen und/oder Account-User-Privilegien. Weiter werden 75 Prozent der Verstöße von Dritten entdeckt und nicht von der betroffenen Organisation, und sie bleiben längere Zeit unentdeckt.

·         In einer modernen Organisation gibt es überall Daten; immer zu wissen, wo sie sich befinden, ist eine überaus komplexe Herausforderung. Das grundlegende Prinzip hingegen lässt sich recht einfach formulieren: Wenn man nicht weiß, wo sich die Daten befinden, kann man sich auch nicht schützen.

Wachsender weltweiter Schwarzmarkt für gestohlene Daten 

Die untersuchten Verstöße verteilen sich über ein breites Spektrum von Branchen. Auf den Einzelhandel sowie die Getränke- und Lebensmittelindustrie entfallen mehr als die Hälfte aller untersuchten Fälle. Im Gegensatz dazu trugen Finanzdienstleistungen - eine Branche mit enormen monetären Anlagewerten, die im Normalfall und besonders verglichen mit den zuvor genannten Sektoren gut geschützt sind - nur 14 Prozent zu den untersuchten Verstößen bei.

Die Ergebnisse der Studie lassen einen deutlichen Anstieg in Zahl und Typus internationaler Vorfälle erkennen. Beispielsweise betreffen Attacken aus Asien, insbesondere aus China und Vietnam, häufig Application Exploits, die zu Datengefährdungen führen, während Defacements (Entstellungen, Verunstaltungen) häufig aus dem Nahen Osten kommen. Internet-Protocol (IP)-Adressen aus Osteuropa und Russland stehen häufig hinter der Gefährdung von Point-of-Sale-Systemen.

"Die Welt wird immer engmaschiger von Informationstechnologien überzogen; die Unternehmen suchen aggressiv nach globalen Partnerschaften, und die Gesetze, die den Umgang mit und die Veröffentlichung von Vorfällen regeln, sind hinfällig. Vor diesem Hintergrund wird sich wahrscheinlich der Aufwärtstrend beim internationalen Datenmissbrauch fortsetzen", lautet eine Schlussfolgerung der Studie.

Mit Verweis auf die Psychologie hinter solchen Verstößen legt der Bericht nahe, dass der nachlässige Umgang mit Daten die einfachste, sicherste und lukrativste Möglichkeit darstellt, jene Informationen zu stehlen, die benötigt werden, um Identitätsdiebstahl zu begehen. Indem Kriminelle in Computersysteme mit eingeschränktem Zugang einbrechen und sich dort gespeicherter sensibler Informationen bemächtigen, erlangen sie Zugang zu Systemen, die Informationen über Zehntausende potenzielle Opfer enthalten - und nicht nur über einige wenige, wie dies auf nicht-elektronischem Weg der Fall ist. 

Noch attraktiver wird diese Art von Verbrechen durch den lukrativen Schwarzmarkt für gestohlene Daten. Dieses soziale Netzwerk ermöglicht Kriminellen, gemeinsam nach angreifbaren Systemen zu suchen, Daten in ihren Besitz zu bringen und so Identitätsdiebstahl in großem Maßstab zu begehen. Innerhalb dieses Netzwerks unterhalten die kriminellen Zusammenschlüsse Verbindungen zu Hackern, Betrügern und anderen Gruppen des organisierten Verbrechens.

Empfehlungen für Unternehmen

Simple Maßnahmen, sorgfältig und auf kontinuierlicher Basis durchgeführt, bringen enorme Vorteile mit sich, stellt die Studie fest. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:

·         Verfahren an die Unternehmenspolitik anpassen. In 59 Prozent der Fälle von Datenverletzung gab es innerhalb der Organisation Richtlinien und Verfahren für das System, jedoch wurden diese niemals in Form von Maßnahmen umgesetzt. Implementieren und nochmals implementieren!

·         Einen Datenspeicherungsplan aufstellen. Für 66 Prozent der Verstöße, bei denen es um Daten ging, von denen das Unternehmen nicht einmal wusste, dass sie sich im System befanden, ist es von entscheidender Bedeutung, jederzeit zu wissen, wohin Daten fließen und wo sie gespeichert sind. Identifizieren Sie Daten und stufen Sie sie nach ihrem Risiko für das Unternehmen ein.

·         Die Daten mit Hilfe von Transaktionszonen überwachen. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass die Netzwerk-Segmentierung dazu beitragen kann, eine Attacke zu verhindern oder zumindest abzumildern. Mit anderen Worten, mauern Sie Ihre Daten ein, wo und wie immer dies angemessen erscheint.

·         Behalten Sie Event-Logs im Auge. Der Nachweis für Vorkommnisse, die in bis zu 82 Prozent der Fälle zu Datenzugriffsverstößen führten, lag den jeweiligen Organisationen bereits vor, noch bevor es zur eigentlichen Beeinträchtigung der Daten kam. Data-Logs sollten daher kontinuierlich und systematisch ausgewertet werden und man sollte darauf reagieren, sobald ein solches Vorkommnis entdeckt wird.

·         Stellen Sie einen Reaktionsplan auf. Sofern ein Verstoß vermutet wird, muss die Organisation unmittelbar bereit sein, darauf zu reagieren, und zwar nicht nur, um den Missbrauch der Daten zu unterbinden, sondern auch, um Beweismaterial zu sichern, das es dem Unternehmen ermöglicht, die Sache nötigenfalls strafrechtlich zu verfolgen.

·         Betreiben Sie Bewusstmachung. Nur 14 Prozent der Datenmissbrauchsfälle werden von Mitarbeitern der betroffenen Organisation aufgedeckt, und das, obwohl sie die erste Verteidigungslinie beim Schutz der Daten darstellen. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter für mehr Aufmerksamkeit in solchen Dingen.

·         Machen Sie einen Test mit einem Scheinangriff: Stellen Sie fest, ob Ihre Mitarbeiter gut genug ausgebildet sind, um richtig auf einen Datenmissbrauch zu reagieren. Halten Sie Übungen ab und testen Sie die Fähigkeiten, das Urteilsvermögen und die vorgegebenen Maßnahmen im Rahmen eines Scheinangriffs.

(Verizon: ma)

 

 

 

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