Rubrik: Markt/Studien

Sorge vor Missbrauch finanzieller Daten bleibt europaweit hoch

72 Prozent der Deutschen befürchten Kreditkartenmissbrauch

(02.12.08) - Trotz größter Bedenken um ihre finanzielle Sicherheit bleibt die Akzeptanz neuer biometrischer Sicherheitslösungen bei Verbrauchern in ganz Europa gering. Die aktuellen Ergeb-nisse des Unisys Security Index zeigen: Jeder zweite Europäer fürchtet den Missbrauch seiner persönlichen Daten. Weniger als 50 Prozent vertrauen zur persönlichen Identifizierung jedoch auf Spracherkennung, Gesichts- und Handrücken-Venenscans. Sie bevorzugen die gängigen Methoden mit Passwörtern und PINs.

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Der Unisys Security Index ist eine globale Studie, die privaten Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Hand aufzeigt, welche Sicherheitsbedenken Verbraucher haben. Dabei erfasst die Studie die Einschätzung der finanziellen, persönlichen, Internet- und nationalen Sicherheit.

Der Unisys Security Index wird jährlich zweimal durchgeführt, zuletzt im August 2008 (davor im März 2008 bzw. im August 2007). Dabei werden über 13.000 Menschen in weltweit 13 Ländern befragt. Für jedes Land ergibt sich ein Index von 0 - 300. Dabei bedeutet ein Index von 0 keine Sicherheitsbedenken, ein Wert von 300 zeigt extreme Sicherheitsbedenken an.

In Europa wurden mehr als 6.000 Erwachsene befragt. Hier ergab sich ein Index von 114, im Vergleich zu 116 im März 2008. Europäische Verbraucher sind also insgesamt mäßig um ihre Sicherheit besorgt.

Neil Katov, Senior Vice President beim Beratungsunternehmen für Finanzinstitute, Celent, betont: "Wenn es um neue Sicherheitstechnologien geht, ist es sehr schwierig die Akzeptanz der Verbraucher zu gewinnen. Im Bereich der Finanzdienstleistungen ist diese Herausforderung besonders groß. Denn trotz der Sorge um den Missbrauch persönlicher Daten, bleiben die Verbraucher skeptisch gegenüber biometrischen Verfahren und anderen neuen Sicherheitstechno-logien. Letztendlich gibt es beim Thema Sicherheit wohl keine Standardlösung. Vielmehr sollten Finanzinstitute auf unterschiedliche und aufgabenspezifische Ansätze sowie auf die Aufklärung der Verbraucher setzen."

Sorge um finanzielle Sicherheit beeinflusst Studienergebnisse

Obwohl der Security Index im Bereich finanzielle Sicherheit im europäischen Durchschnitt in den vergangenen 12 Monaten minimal gesunken ist (von 127 auf 125), bleibt dieser Bereich das größte Sorgenkind der Europäer. So bezeichnet sich jeder Zweite als äußerst besorgt über den Miss-brauch finanzieller Daten - nicht überraschend, denn immer mehr Verbraucher nutzen Online-Shopping und -Banking. Im Oktober 2008 waren dies bereits 150 Millionen.

In Deutschland bezeichnen sich 72 Prozent der Befragten als äußerst besorgt über Kreditkarten-missbrauch und verteidigen damit ihre Spitzenposition aus dem vergangenen Jahr. In Spanien ist das Vertrauen gesunken – zusätzliche 14 Prozent der Verbraucher bezeichneten sich als besorgt. Die Belgier dagegen fühlen sich wieder sicherer. Hier ist der Index seit der ersten Befragung im August 2007 um 15 Prozent zurückgegangen.

Europaweite Zurückhaltung gegenüber biometrischen Sicherheitstechnologien

Ein gewisser Vorbehalt bezüglich der Nutzung biometrischer Verfahren lässt sich bei Konsumenten in ganz Europa nachweisen. Über 70 Prozent bevorzugen die Identifikation per Passwort und PIN. 54 Prozent würden einen Irisscan zulassen, Spracherkennung, Gesichts- und Handvenenscans akzeptieren allerdings weniger als die Hälfte der Befragten.

Holländer und Briten sind offener für neue biometrische Lösungen als ihre europäischen Nachbarn. So akzeptieren dort 59,5 beziehungsweise 67 Prozent den Gesichtsscan, während beispielsweise in Frankreich nur 37 Prozent damit einverstanden sind. Alter und Geschlecht wirken sich zudem auf die Ergebnisse aus. In Holland beispielsweise, ist es die jüngere Generation, die Gesichts- und Venenscans eher mit Skepsis betrachtet. Die Akzeptanz liegt bei der Altersgruppe zwischen 18 und 34 bei 48 Prozent, bei den über 65 Jährigen bei 66 Prozent. In Italien sind die Frauen kritischer als die Männer: Nur 32 Prozent der Frauen würden Irisscans akzeptieren, im Vergleich zu 54 Prozent der Männer.

"Der Unisys Security Index und die Fragen speziell zu biometrischen Sicherheitsverfahren sind ein erster Schritt, zu hinterfragen, wie die Bevölkerung biometrische Sicherheitsverfahren einschätzt und auf welche Art und Weise biometrische Verfahren genutzt werden können, um Bedenken auszuräumen. Wir müssen herausfinden, welche Faktoren für die Diskrepanz zwischen dem Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr Sicherheit und den Vorbehalten gegenüber einer Technologie, die genau diese erhöhen könnte, verantwortlich sind", erläutert Max Snijder, CEO, EU Biometrics Forum.

Schwankende Vertrauenswerte bei den Europäern

Die "gefühlte" Sicherheit variiert in den sieben untersuchten europäischen Ländern signifikant. Die Belgier stechen hierbei besonders hervor. Seit der ersten Befragung im vergangenen Jahr hat sich ihr Vertrauen in die Sicherheit in allen vier Bereichen erhöht, dementsprechend ist der Indexwert seit August 2007 um 35 Punkte gefallen. Die Deutschen haben sich als ängstlichste Europäer in allen Kategorien und allen drei bisherigen Befragungen etabliert. Nur im Punkt der nationalen Sicherheit ist der Indexwert seit der ersten Befragung um 21 Punkte gefallen. Bisher blieb Deutschland von Terrorattacken wie sie Frankreich, Spanien und Großbritannien erleben mussten, verschont - vielleicht eine Erklärung für diese Entwicklung.

Rene Head, Director Enterprise Security Continental Europe bei Unisys, resümiert: "Unternehmen und staatliche Institutionen sollten die Ergebnisse des Security Index nutzen und Veränderungen seit der ersten Befragung genau analysieren. Es geht darum, herauszufiltern, welche Ängste die Menschen haben, und Strategien zu entwickeln, die diesen entgegenwirken."

"Die Unwissenheit um den Einsatz und die Funktionsweise neuer biometrischer Identifikationsver-fahren ist groß. Hier ist Aufklärungsarbeit notwendig. Die Menschen sollten wissen, wie die einzelnen Verfahren technisch funktionieren, wie und wo man sie einsetzen kann beziehungsweise, welche Risiken gegebenenfalls existieren. Und man muss erläutern, wie der Missbrauch biome-trischer Daten verhindert wird. Nur so können moderne biometrische Verfahren auch das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen", erläutert Dietrich Schmitt, Geschäftsführer Unisys Deutschland GmbH und Leader Global Industries im Central Cluster.

Über den Security Index

Der Unisys Security Index ist eine fortlaufende Studie, die weltweit über die Einstellung von Verbrauchern zu unterschiedlichsten Sicherheitsthemen informiert. Im Rahmen der Studie wurden im August 2008 weltweit 13.296 Verbraucher über 18 Jahre in 13 Ländern befragt, davon 6.421 Europäer. Die Befragten wurden per Zufall ausgewählt und telefonisch zu ihrer Einschätzung der nationalen, finanziellen, Internet- und persönlichen Sicherheit befragt. In jedem der vier Bereiche mussten zwei Fragestellungen beantwortet werden. Zusätzlich sollten die Personen zu ihrer Akzeptanz bestimmter technischer und biometrischer Identifikationsverfahren Auskunft geben. Dabei bedeutet ein Index von 0 – 75 keine Sicherheitsbedenken, ein Wert ab 75 geringe Bedenken, ein Wert ab 150 große Bedenken und ein Index von 225 - 300 zeigt extreme Sicherheitsbedenken auf. Die Befragten gaben ihre Einschätzung der jeweiligen Fragestellung mit nicht, wenig, sehr oder extrem besorgt bzw. keine Angabe an. Aus diesen Angaben wurde der jeweilige Security Index errechnet. Die europäische Befragung wurde in sieben Ländern durchgeführt: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Holland, Spanien und Großbritannien. Weltweit umfasst die Befragung außerdem die Länder: Australien, Brasilien, Hongkong, Neuseeland, Malaysia, Singapur und die Vereinigten Staaten. Die Studie führte das Unternehmen International Communications Research für Europa und die USA, sowie Newspoll für den asiatischen Raum durch. (Unisys: ra)

 

 

 

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