Rubrik: Markt/Studien

Umfrage: Wertbeitrag der IT in zwei Dritteln der Unternehmen nicht gemessen

Firmen sollten auf keinen Fall die Wertschöpfung aus der IT aus Kostengründen ignorieren

(07.08.09) - Nach einer unter 1217 Teilnehmern aus neun Ländern durchgeführten Umfrage gehen Unternehmen weltweit davon aus, dass sie aus den IT-Investitionen einen Wertbeitrag realisieren. Sicherheit besteht nicht: weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen hat ein gemeinsames internes Verständnis zum Begriff "Wertbeitrag" (Value), und zwei Drittel messen ihn nicht.

Anzeige

Durchgeführt wurde die Studie von der ISACA, einem Berufsverband mit über 86.000 Mitgliedern aus den Berufsfeldern IT-Governance, Informationssicherheit und IT-Assurance. Die Umfrage "Value of IT Investments" ergab, dass die Hälfte der Teilnehmer davon ausgehen, zwischen 50 und 74 Prozent des erwarteten Wertbeitrags aus IT-Investitionen zu realisieren, ein weiteres Fünftel geht von 75 bis 100 Prozent aus. Dennoch misst nur die Hälfte den tatsächlichen Wert "bis zu einem gewissen Grade", jedes zehnte Unternehmen nimmt gar keine Messungen vor.

Rolf v. Rössing, International Vice President der ISACA, kommentiert die Ergebnisse so: "Diese Umfrage zeigt die Gefahr massiver Wertvernichtung durch nicht vollständig überschaubare Investitionen in der IT. Die fehlende Messbarkeit schafft irreführende und nicht verlässliche Business Cases, dadurch werden auch Projekte freigegeben, die im Unternehmen keinen Wert schaffen. Eine Verbesserung der finanziellen und operativen Performance kann nur durch einen robusteren Ansatz im Hinblick auf Investment-Governance in der IT erzielt werden."

 

Lesen Sie zum Thema "Governance und Compliance" auch: Compliance-Magazin.de (www.compliancemagazin.de)

 

Gleichzeitig berichtet die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen, dass die Verantwortung für die Messung der Wertschöpfung nicht im Kerngeschäft selbst angesiedelt ist, sondern an den IT-Bereich delegiert wird.

John Thorp, Leiter des ValIT Development Teams bei der ISACA und Präsident der Firma Thorp Network, sagt zu den Ergebnissen der Umfrage: "Die Ergebnisse bestätigen die Beobachtungen aus früheren Studien. Die meisten Unternehmen glauben, dass die IT einen Beitrag zur Wertschöpfung erbringt, aber wenige haben eine klare Vorstellung davon, was "Wertschöpfung" bedeutet – und noch weniger messen sie. Da stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage Investitionsentscheidungen getroffen werden. Firmen, die den Wertbeitrag nicht messen, können nicht zwischen erfolgreichen und schwachen Investitionsvorhaben unterscheiden. Sie verschenken Umsatz, verfolgen erfolglose Investmentstrategien und vernachlässigen mögliche Wettbewerbs-vorteile."

"Diese Beobachtungen unterstützen die Ergebnisse aus vielen anderen Umfragen, Informationen aus dem Markt und meine eigene Erfahrung: die meisten Entscheidungen in Sachen Wert-schöpfung aus der IT sind subjektiv und werden aus dem Bauch getroffen, nicht aufgrund von Tatsachen. Unternehmen werden nie den vollen Wertbeitrag der IT realisieren, wenn sie nicht effektives Value Management betreiben und die Verantwortung dafür beim Vorstand ansiedeln, nicht beim CIO.", so Thorp weiter.

Thorps Meinung bezüglich der fehlenden Verantwortung für zunehmend größere und komplexere IT-Investitionen spiegelt sich in den 49 Prozent der Umfrageteilnehmer, in denen die Verantwortung für den Return on Investment beim CIO oder IT-Manager liegt. Nur in 15 Prozent der Unternehmen liegt diese Verantwortung auf Vorstandsebene, in 11 Prozent der Fälle beim CEO und in 9 Prozent der Fälle beim Finanzvorstand. In bemerkenswerten 8 Prozent der befragten Unternehmen hat "niemand" die Verantwortung.

Positiv zu vermerken ist, dass 76 Prozent der Umfrageteilnehmer mit dem ValIT Framework vertraut sind; 44 Prozent der befragten Unternehmen haben ein Rahmenwerk oder Richtlinien eingeführt, um IT-Investitionen mit dem jeweils höchsten Wertbeitrag gezielt auszuwählen. Trotz der gesamtwirt-schaftlichen Lage werden 30 Prozent der Unternehmen ihre IT-Investitionen in diesem Jahr erhöhen, während 14 Prozent die Ausgaben einfrieren und 13 Prozent eine Kostensenkung planen. In Großbritannien werden andere Zahlen gemeldet: nur 19 Prozent der befragten Organisationen planen erhöhte Investitionen, und 20 Prozent rechnen mit breitbandigen Kostensenkungen.

Die Vorteile, die sich Unternehmen von IT-Investitionen erhoffen, sind in erster Linie "verbesserter Kundenservice" (35 Prozent) und "Kostensenkungen" (24 Prozent). Überraschend ist die geringe Zahl von nur 16 Prozent der Teilnehmer, die "neue oder verbesserte Produkte und Dienstleistungen" als Vorteil benennen. Indien nimmt global eine Sonderstellung ein: Verbesserungen im Kunden-service werden hier von 45 Prozent der Unternehmen als Hauptvorteil ihrer IT-Investitionen gesehen.

Firmen sollten auf keinen Fall die Wertschöpfung aus der IT aus Kostengründen ignorieren. Die IT hat das Potenzial, bedeutende Wettbewerbsvorteile zu sichern und einen Wertbeitrag zu leisten. Es ist entscheidend wichtig, diese Möglichkeiten im Auge zu haben – besonders in Krisenzeiten" sagt Robert Stroud CGEIT, internationales Vorstandsmitglied der ISACA. "Die Implementierung des ValIT Frameworks bringt Firmen bessere und effektivere Messgrößen, und diese führen zu erfolgreicheren Investition in IT-Projekte, die zur strategischen Ausrichtung des Geschäfts passen."

Die Umfrage zeigt die regionalen Unterschiede, besonders zwischen den traditionell westlichen Volkswirtschaften und den schnell wachsenden Staaten. Von den neun an der Befragung teilnehmenden Ländern – Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hong Kong, Kanada, Indien, Mexiko und USA – waren die indischen Teilnehmer am weitesten fortgeschritten im Value Management und dessen Verankerung im Kerngeschäft.

70 Prozent der befragten indischen Unternehmen verwenden bereits Rahmenwerke für die gezielte Optimierung der IT-Wertschöpfung, 57 Prozent messen den Wertbeitrag der IT in umfassender Weise. Zusätzlich erhöhen nahezu die Hälfte der indischen Unternehmen ihre IT-Investitionen auf der Basis potenzieller oder konkret erwarteter Wertbeiträge zum GEschäft; 63 Prozent verfügen über ein unternehmensweites Verständnis des Begriffs "Wertschöpfung" im Hinblick auf die IT, gegenüber 22 Prozent in Großbritannien und 34 Prozent in den USA.

Die vom Vorstand ausgehende Verantwortung für die Optimierung von IT-Investitionen ist in Indien ebenfalls stärker ausgeprägt als in anderen Ländern: ein Drittel der befragten Unternehmen nennt den Gesamtvorstand oder ein Vorstandsmitglied als verantwortlich. (ISACA: ra)

 

 

 

Diesen Beitrag per E-Mail versenden Diesen Beitrag ausdrucken