Herkömmliches Phishing bleibt erfolgreich

IT-Sicherheit: Mitarbeiter böswillig oder zu leichtgläubig laut Proofpoints "State of the Phish" Report

86 Prozent der deutschen Organisationen (75 Prozent weltweit) wurden im vergangenen Jahr Ziel einer BEC-Attacke



Nachlässige und böswillige Mitarbeiter sind eine Hauptgefahrenquelle für die IT- und Datensicherheit deutscher Unternehmen. So haben im letzten Jahr 26 Prozent der deutschen Erwerbstätigen den Arbeitgeber gewechselt. Von dieser Gruppe geben 66 Prozent zu, Daten mitgenommen zu haben. Dies geht aus dem neunten jährlichen "State of the Phish"-Report hervor, den Proofpoint veröffentlicht hat. Der Report belegt zudem, dass Mitarbeiter häufig auf E-Mail-Phishing-Kampagnen hereinfallen, wenn diese bekannte Markennamen verwenden.

Der diesjährige "State of the Phish"-Report bietet einen detaillierten Überblick über aktuelle Bedrohungen für die IT-Sicherheit und basiert auf Telemetriedaten des Unternehmens. Diese beinhalten mehr als 18 Millionen von Nutzern als verdächtig gemeldete E-Mails und 135 Millionen simulierte Phishing-Angriffe über einen Zeitraum von einem Jahr. Die Studie untersucht auch die Einschätzungen von 7.500 Angestellten und 1.050 Sicherheitsexperten aus 15 Ländern. Sie deckt erschreckende Lücken im Sicherheitsbewusstsein und in der Cyberhygiene auf.

"Herkömmliches Phishing bleibt erfolgreich. Zudem verwenden Cyberkriminelle vermehrt neuere Techniken, z. B. telefonorientierte Angriffe und Adversary-in-the-Middle (AitM)-Phishing-Proxies, die die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) umgehen. Diese Techniken werden schon seit Jahren für gezielte Angriffe verwendet, aber 2022 wurden sie erstmals in großem Umfang eingesetzt", kommentiert Ryan Kalember, Executive Vice President Cybersecurity Strategy bei Proofpoint. "Wir haben auch eine deutliche Zunahme von ausgefeilten Multi-Touch-Phishing-Kampagnen beobachtet, die längere Konversationen führen und dafür verschiedene Personen imitieren. Staatlich geförderte Gruppen beweisen ebenso wie viele kommerzielle Akteure zunehmend einen langen Atem, um ans Ziel zu kommen."

Microsoft ist die meist missbrauchte Marke

2022 konstatierte Proofpoint fast 1.600 E-Mail-Kampagnen mit Markenmissbrauch, die an seine Kunden gerichtet waren. Am häufigsten missbrauchten die Cyberkriminellen die Microsoft-Marke. Mehr als 30 Millionen Nachrichten verwendeten den Markennamen oder einen Produktnamen wie Office oder OneDrive. Auch andere bekannte Marken wie Google, Amazon, DHL, Adobe und DocuSign wurden regelmäßig von Cyberkriminellen imitiert. Besonders perfide sind Adversary-in-the-Middle-Phishing-Attacken, die bekannte Markennamen verwenden. Bei einem solchen AitM-Angriff wird dem Benutzer die echte Anmeldeseite des jeweiligen Unternehmens angezeigt und "lediglich" der Datenverkehr zwischen Nutzer und echter Anmeldeseite ausgelesen. Der Betrug ist somit für den Benutzer nur äußerst schwer zu erkennen.

In Anbetracht dieser Tatsache ist es alarmierend, dass die Hälfte der Mitarbeiter deutscher Unternehmen (weltweit 44 Prozent) eine E-Mail für sicher hält, wenn sie ein vertrautes Markenzeichen enthält. 69 Prozent der Mitarbeiter deutscher Unternehmen (63 Prozent weltweit) halten eine E-Mail-Adresse für vertrauenswürdig, wenn sie den Namen einer bekannten Marke enthält. Ähnlich besorgniserregende Resultate liefern die Phishing-Simulationen der Proofpoint-Kunden. Die Hälfte der 10 von Proofpoint-Kunden am häufigsten verwendeten Phishing-Simulationsvorlagen nutzt imitierte Marken und weist eine hohe Fehlerquote auf.

Business Email Compromise: Globalisierung der Cyberkriminalität

86 Prozent der deutschen Organisationen (75 Prozent weltweit) wurden im vergangenen Jahr Ziel einer BEC-Attacke (BEC: Business Email Compromise, zu Deutsch auch "CEO-Betrug" genannt). Englisch ist nach wie vor die am häufigsten verwendete Sprache der Cyberkriminellen. Einige Länder verzeichneten allerdings ein gestiegenes Aufkommen von Angriffen in ihrer eigenen Sprache. Die Zahl der BEC-Angriffe insgesamt lag in einigen Ländern über dem weltweiten Durchschnitt oder stieg im Vergleich zu 2021 deutlich an.

Prozent der von BEC-Angriffen betroffenen Unternehmen (verglichen mit 2021, wo die entsprechenden Daten vorliegen):

>> Niederlande: 92 Prozent (nicht in der vorherigen Analyse enthalten)

>> Schweden: 92 Prozent (nicht in der vorherigen Analyse enthalten)

>> Spanien: 90 Prozent vs. 77 Prozent (Anstieg um 13 Prozentpunkte)

>> Deutschland: 86 Prozent vs. 75 Prozent (Anstieg um 11 Prozentpunkte)

>> Frankreich: 80 Prozent vs. 75 Prozent (Anstieg um 5 Prozentpunkte)

Insider-Bedrohungen

Die Pandemie und die wirtschaftliche Unsicherheit haben im vergangenen Jahr zu einer hohen Arbeitsplatzmobilität geführt: Eine große Zahl von Arbeitnehmern hat ihren Arbeitsplatz gewechselt oder verlassen. Das gilt für jeden vierten Arbeitnehmer in den letzten zwei Jahren. Dieser Trend auf dem Arbeitsmarkt erschwert es Unternehmen, ihre Daten zu sichern. 81 Prozent der deutschen Unternehmen (65 Prozent weltweit) haben schon einmal einen Datenverlust durch die Handlungen eines Insiders erlitten. Bei der Datenmitnahme durch ehemalige Mitarbeiter schneidet Deutschland besonders schlecht ab. Von denjenigen, die den Arbeitsplatz gewechselt haben, gaben 66 Prozent zu, dass sie Daten mitgenommen haben. International waren dies lediglich 44 Prozent.

Verbesserungen der Cyberhygiene erforderlich

Cyberkriminelle entwickeln sich ständig weiter, und der diesjährige Report zeigt einmal mehr, dass die meisten Mitarbeiter Lücken im Sicherheitsbewusstsein aufweisen. Selbst grundlegende Cyber-Bedrohungen werden immer noch nicht richtig verstanden – mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer kann "Malware", "Phishing" und "Ransomware" nicht definieren. Darüber hinaus schulen nur 56 Prozent der deutschen Unternehmen mit einem Programm zur Förderung des Sicherheitsbewusstseins ihre gesamte Belegschaft, und nur 34 Prozent führen Phishing-Simulationen durch – beides wichtige Komponenten eines effektiven Programms zur Förderung des Sicherheitsbewusstseins. (Proofpoint: ra)

eingetragen: 24.03.23
Newsletterlauf: 21
.06.23

Proofpoint: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

Meldungen: Tipps & Hinweise

In naher Zukunft disruptive Cyberangriffe

Generative KI-Tools haben das Potenzial, in naher Zukunft wirklich disruptive Cyberangriffe zu ermöglichen. Doch gibt es schon heute neue kriminelle LLMs oder Angebote von ChatGPT-ähnlichen Fähigkeiten in Hacking-Software? Eine Analyse von Trend Micro zeigt die neuesten Entwicklungen und beleuchtet, welche Bedrohungen in der nahen Zukunft zu erwarten sind.

Schnelle Erholung auch im Angriffsfall

Heutzutage beginnen die meisten Cyberangriffe ohne den Einsatz von Malware, sondern mithilfe kompromittierter Zugangsdaten. In Konsequenz können sich Cyberkriminelle, trotz zahlreicher Sicherheitsmaßnahmen, leicht Zugriff auf Systeme verschaffen, um im nächsten Schritt beispielsweise Ransomware zu verbreiten, Daten zu verschlüsseln, sensible Daten zu exfiltrieren oder auch IT-Assets zu blockieren.

Nur umfassende Prävention bietet wirksamen Schutz

Ransomware stellt eine enorme Bedrohung für Unternehmen dar, da die Angreifer immer raffinierter und schneller bei der Ausführung ihrer Angriffe werden. Die neuesten Statistiken zeigen, dass Unternehmen zwar ihre Fähigkeit zur Erkennung von Ransomware-Angriffen verbessert haben und die Erkennungszeit um 44 Prozent von neun Tagen auf nur fünf Tage verkürzen konnten.

Best Practice "immutable" Datenspeicherlösung

Aufgrund steigender Kosten in sämtlichen Geschäftsbereichen stehen Unternehmen unabhängig von Größe und Branchenzugehörigkeit unter starkem Druck. Doch das Sparen am falschen Ende kann Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. Dies trifft insbesondere für die Cybersicherheit zu.

Besuchen Sie SaaS-Magazin.de

SaaS, On demand, ASP, Cloud Computing, Outsourcing >>>

Kostenloser Newsletter

Werktäglich informiert mit IT SecCity.de, Compliance-Magazin.de und SaaS-Magazin.de. Mit einem Newsletter Zugriff auf drei Online-Magazine. Bestellen Sie hier

Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

Diese Webseite verwendet Cookies - Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Mit dem Klick auf „Erlauben“erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.