Mobile-Malware-Landschaft ein Minenfeld

IT-Sicherheit bei Mobilgeräten wird noch immer sträflich vernachlässigt

Die Bandbreite der Bedrohungen: Spionage, Null-Klick- und Smishing-Angriffe



Von Christine Schönig, Regional Director Security Engineering CER, Office of the CTO bei Check Point Software Technologies GmbH

Die globale Sicherheitslage im Internet ist prekär. Cyber-Angriffe und die Meldungen über neue Arten von Malware häufen sich. In unserem Halbjahresbericht 2022 wurde festgestellt, dass die Zahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 42 Prozent gestiegen ist. Laut dem Global Risk Report 2022 des Weltwirtschaftsforums sind 95 Prozent der Cyber-Sicherheitsprobleme auf menschliches Versagen zurückzuführen. Dies sollte für alle Unternehmen ein Warnsignal sein, insbesondere im Hinblick auf den Übergang zur Tele- und Hybrid-Arbeit, bei der die Mitarbeiter immer häufiger mobile Geräte verwenden. Trotzdem konzentrieren sich viele Firmen nur auf herkömmliche Endgeräte, wie Laptops. Smartphones oder Tablets bleiben dagegen häufig außen vor.

Die Mobile-Malware-Landschaft ist ein Minenfeld, in dem immer mehr Schwachstellen ausgenutzt werden, sowie Spyware-Software und Malware zum Einsatz kommt. Berüchtigtes Beispiel: Die Spyware Pegasus der NSO Group verschaffte sich im letzten Jahr Zugang zu den Mobilgeräten von Regierungsbeamten und Menschenrechtsaktivisten und richtete dort verheerenden Schaden an. Die Spyware ist sogar noch aktiv: In diesem Jahr kompromittierte Pegasus die Geräte des finnischen Außenministeriums, des spanischen Premierministers sowie mehrere Geräte britischer Beamter.

Was die Techniken anbelangt, so wurden in diesem Jahr außerdem vermehrt Zero-Click-Angriffe entdeckt. Wie der Name schon sagt, erfordern diese Angriffe keine Eingaben des Opfers, bevor die Malware installiert wird. Sie nutzt Schwachstellen in bereits installierten Anwendungen aus. So können die Hacker die Schutzlösungen umgehen und ihren Angriff unbemerkt starten. Diese Technik ist besonders auf Anwendungen ausgerichtet, die Daten empfangen und verarbeiten, z. B. Instant-Messaging- und E-Mail-Plattformen.

Auch das sogenannte Smishing (SMS-Phishing) ist mittlerweile zu einer verbreiteten Betrugsmasche geworden. Hierbei werden SMS-Nachrichten für die Verbreitung von Malware genutzt und vertrauenswürdige Marken oder private Kontakte imitiert, um das Opfer zu verleiten, auf einen verseuchten Link zu klicken oder intime Daten weiterzugeben. Diese Methode ist besonders ertragreich für die Täter, da die Übernahme eines Geräts die gesamte Kontaktliste eines Opfers offenbart. Dadurch kann ein endloser Kreis möglicher Opfer entstehen – ein Schneeball, der den Berg hinabrollt und stetig größer wird. Auf diese Weise wird übrigens auch der MaliBot eingesetzt, die weltweit am dritthäufigsten verbreitete mobile Malware.

Sicherheit in den gängigen App Stores ist nicht vorhanden

Viele Nutzer vertrauen auf die Sicherheitsstandards und Prüfungsprozesse gängiger App Stores, wie dem Google Play Store oder dem Apple App Store. Jedoch gibt es darin hin und wieder betrügerische Programme, denen es, zum Teil mit erschreckender Leichtigkeit, gelungen ist, die Sicherheitssysteme zu umschiffen. Unsere Sicherheitsforscher deckten bereits einige dieser Kampagnen auf. Andere geben sogar vor, bei der Bewältigung von Sicherheitslücken zu helfen, enthalten jedoch selbst Malware. Diese digitalen Einkaufszentren sind daher nach wie vor sogar die hauptsächlichen Infektionsherde mobiler Bedrohungen. Unsere Experten haben vor kurzem erneut verdächtige Anwendungen im Google Play Store analysiert und einige gefunden, die sich als echte Anti-Viren-Lösungen tarnten, doch nach dem Herunterladen einen Android Stealer namens SharkBot installierten, der Anmeldedaten und Bank-Informationen stiehlt.

Jeder Nutzer von Smartphones braucht daher zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Sie sollten Empfehlungen, Kommentare und die Anzahl der Downloads einer Anwendung einsehen, um zu prüfen, ob diese legitim ist. Auf Mobiltelefonen sollten Anwender außerdem die gleichen Regeln beherzigen wie auf ihren Desktop-Geräten: Keine Links von unbekannten Absendern anklicken, und keine Dateien von nicht vertrauenswürdigen Quellen herunterladen – das gilt auch für Chat-Programme.

Ob Bürger oder Staatsoberhaupt: Mobile Endgeräte müssen besser geschützt werden

Alle Sicherheitsmaßnahmen für mobile Geräte sind nicht nur Unternehmen dringlich zu empfehlen, sondern allen Menschen und Einrichtungen. Vernetzte Telefone sind die neue Schaltzentrale für vertrauliche Daten und Gespräche, sowohl privater wie auch geschäftlicher Natur. Darum sollte im Alltag und überall dort, wo Fernarbeit praktiziert wird, die IT-Sicherheit der mobilen Geräte mindestens dem Sicherheitsstandard herkömmlicher Endgeräte entsprechen. (Check Point Software Technologies: ra)

eingetragen: 20.10.22
Newsletterlauf: 17.01.23

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Krypto-Strategie im Zeitalter von Quanten-Computern

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Insider-Bedrohungen: Nicht immer ist es Rachsucht

IT-verantwortlich zu sein, ist derzeit nicht der leichteste Beruf. Überall hört man von einer "sich ständig verschärfenden Sicherheitslage" und dass Unternehmen sich in alle Richtungen gegen jede erdenkliche Bedrohung absichern müssen. Wenn neben der stetigen Warnung vor externen Angriffen und dem Gebot von Zero-Trust-Prinzipien auch noch der Mahnruf vor internen Bedrohungen hinzukommt, kann man sich als CISO durchaus fragen, wem man überhaupt noch vertrauen soll.

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Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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