Akteure, die die Ransomware-Wirtschaft antreiben

Teufelskreis Ransomware: Das Wirtschaftssystem hinter der Daten-Geiselnahme

Neues Druckmittel: Victim-Outing von Unternehmen, die kein Lösegeld bezahlen



Von Christoph M. Kumpa, Director DACH & EE bei Digital Guardian

Durch die enorme Professionalisierung der Vertriebswege wie Ransomware-as-a-Service (RaaS), benötigen Angreifer nicht mehr zwingend tiefgreifende technische Fähigkeiten, sondern vielmehr unternehmerisches Talent, um hohe Summen von ihren Opfern zu erpressen. Die Entwickler des GandCrab-RaaS rühmten sich, 2,5 Millionen US-Dollar pro Woche einzunehmen. Aktuelle Angriffe mit dem polymorphen Emotet-Virus, der den TrickBot-Trojaner einführt, daraufhin Daten stiehlt und die Ryuk-Ransomware herunterlädt, können ebenso effektiv wie profitabel sein.

Darüber hinaus greifen Cyberkriminelle zu neuen Mitteln, um den Druck auf ihre Opfer weiter zu erhöhen. Die Angreifer hinter der Ransomware-Variante Maze haben begonnen, öffentlich bekanntzumachen, wenn Unternehmen sich weigern, Lösegeld zu zahlen. Auf einer Website gaben die Kriminellen kürzlich Namen, Websites und sogar gestohlene Daten von Opferfirmen weiter.

Weitere Akteure, die die Ransomware-Wirtschaft antreiben

Ransomware bleibt nicht nur eine ernsthafte Bedrohung, weil sie für Cyberkriminelle eine effektive Einnahmequelle ist. Das florierende Geschäft der Daten-Geiselnahme wird auch durch weitere Akteure zusätzlich angefacht:

Versicherungsanbieter: Teilweise Ermutigung zur Zahlung von Lösegeldern

Traditionell ermöglichen Anbieter, die auf Cyber-Versicherungen spezialisiert sind, eine Deckung für Verluste, die durch eine Ransomware-Infektion entstehen. Wie die Non-Profit-Nachrichtenseite ProPublica vor kurzem herausfand, haben einige Versicherer dazu ermutigt, Lösegelder zu zahlen, wenn es wahrscheinlich ist, dass die Kosten durch eine schnelle Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs minimiert werden können. Dies ermöglicht es den betroffenen Unternehmen zwar, schneller einen Decryption-Key zu erhalten, doch durch Lösegeldzahlungen an die Erpresser wird das Problem nur noch weiter verschärft.

Ransomware-Broker zur Abwicklung der Lösegeldzahlungen

Nicht jede Organisation, die von Ransomware betroffen ist, ist mit den treuhänderischen Forderungen der Angreifer vertraut; dazu gehört auch, wie Krypto-Währungen wie Bitcoin funktionieren. Hierfür gibt es mittlerweile Vermittlerservices, die von Unternehmen oder deren Rechtsberatung beauftragt werden können, um eine Reduzierung der geforderten Summe auszuhandeln oder den Prozess der Lösegeldzahlung abzuwickeln. Zu diesen Dienstleistern zählt etwa die Firma Coveware, die sich selbst als "Ransomware Recovery First Responder" bezeichnet und Unternehmen bei der Erleichterung von Zahlungen, aber auch bei der Erhebung und Weitergabe von Daten hilft, die sie mit Strafverfolgungsbehörden und Sicherheitsforschern austauscht. Eine Handvoll anderer Firmen wie Gemini Advisory und Cytelligence sind in letzter Zeit ebenfalls entstanden.

Solange Cyberkriminelle, Vermittlerfirmen und Versicherer weiterhin Gewinne erzielen, wird Ransomware ein Problem bleiben – eine Win-Win-Situation für alle, außer für die Opfer. Laut eines Berichts von Coveware steht viel Geld auf dem Spiel: Die durchschnittliche Lösegeldzahlung sei allein vom ersten bis zum zweiten Quartal 2019 um 184 Prozent von 12.762 auf 36.295 US-Dollar gestiegen.

Grundlegende Best Practices gegen Ransomware

Die Einhaltung grundlegender Best Practices bleibt der Schlüssel zur Minimierung von Schäden durch Ransomware. Zu den wichtigsten Sicherheitspraktiken zählen:

1. Aufklärung: Eine effektive Ransomware-Abwehr fußt maßgeblich auf der umfangreichen Mitarbeiterschulung. Zu den häufigen Infektions- oder Angriffsvektoren gehören:

• E-Mail-Anhänge: Eine der gängigsten Methoden zur Verbreitung von Ransomware ist die Versendung bösartiger E-Mail-Anhänge durch Phishing-Attacken, beispielsweise als gefälschte Rechnungen oder Bewerbungsunterlagen.

• Social Media: Ein weiteres Mittel der Täuschung ist ein Angriff über Social Media. Einer der bekanntesten Kanäle ist der Facebook Messenger: Kriminelle erstellen Konten, die die aktuellen Kontakte eines Benutzers nachahmen und Nachrichten mit bösartigen Dateien oder Links versenden.

• Online-Popups: Ein älterer, gängiger Angriffsvektor sind Online-Popups, die häufig verwendete Software nachahmen und Nutzer dazu bringen wollen, auf das gefälschte Fenster zu klicken, um die Malware herunterzuladen.

• Gefälschte Apps: Im Bereich der mobilen Ransomware zählen gefälschte Apps zu den häufigsten Infektionsvektoren. Apps sollten daher nur von vertrauenswürdigen Quellen bezogen werden.

2. Häufige und getestete Backups: Die Sicherung aller wichtigen Dateien und Systeme ist eine der stärksten Abwehrmaßnahmen gegen Ransomware. Backups sollten regelmäßig getestet werden, um sicherzustellen, dass die Daten vollständig und nicht beschädigt sind.

3. Strukturierte, regelmäßige Updates: Die meiste Software, die Unternehmen verwenden, aktualisiert der Softwarehersteller regelmäßig. Diese Updates können Patches beinhalten, um die Software vor bekannten Bedrohungen zu schützen. Jedes Unternehmen sollte einen Verantwortlichen benennen, der die Software aktualisiert.

4. Korrekte Verfolgung von Berechtigungen: Jeder Mitarbeiter, der Zugang zu Systemen erhält, schafft eine potenzielle Schwachstelle für Ransomware. Fehlende Aktualisierung von Passwörtern und unzulässige Nutzerberechtigungen können zu noch höheren Angriffswahrscheinlichkeiten führen.

5. Weitere Security-Technologien und -Services: Darüber hinaus können zusätzliche Security-as-a-Service-Dienste wie etwa Managed Detection and Response (MDR) Unternehmen durch externe Sicherheitsexperten dabei unterstützen, Bedrohungen zu jagen, zu erkennen und in Echtzeit auf Angriffe zu reagieren, um Ransomware-Angriffe und andere Advanced Threats zu stoppen, bevor sensible Unternehmensdaten gefährdet werden.

Prävention bleibt die beste Verteidigung. Mit einem mehrschichtigen Sicherheitsansatz aus Mitarbeiteraufklärung, kontinuierlichen Update- und Backup-Praktiken sowie Sicherheitstechnologien lässt sich das Risiko eines Ransomware-Angriffs deutlich verringern. (Digital Guardian: ra)

eingetragen: 06.07.20
Newsletterlauf: 06.10.20

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Meldungen: Tipps & Hinweise

Verschlüsselte Kommunikation wichtig

Trotz moderner Technologien fehlt es Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) oft an standardisierten Kommunikationslösungen für mobiles Arbeiten. Der Kommunikationsanbieter Materna Virtual Solution zeigt, warum eine einheitliche Lösung wichtig ist und was sie mitbringen muss.

Maßnahmen-Plan erstellen und Wirksamkeit testen

Wenn die IT-Infrastruktur eines Unternehmens nach einem Störungs- oder Katastrophenfall in wichtigen Teilen lahmgelegt ist, dann bedarf es schneller Rettung. "Disaster Recovery" als wichtiger Baustein der Unternehmensresilienz hilft dabei, wieder Zugriff zu erlangen bzw. die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Carmao zeigt auf, welche Maßnahmen notwendig sind, um zum Normalzustand zurückzukehren.

Durchschnittlich knapp eine halbe Million Euro Lösegeld

Vielleicht haben Sie kürzlich von einer der wenigen Ransomware-Attacken mit gutem Ausgang gehört? So bekommt die Universität Maastricht das Lösegeld zurück, das sie bei einem Ransomware-Angriff 2019 gezahlt hatte. Und weil das inzwischen beschlagnahmte Konto der Kriminellen mit Kryptowährung befüllt war, erhält die Universität nun auch Bitcoins – die mittlerweile ein Vielfaches von damals wert sind.

Backup ist nicht gleich Backup

Die Urlaubszeit ist die Zeit im Jahr, in der die meisten Laptops und Notebooks gestohlen, verloren und aus Versehen liegengelassen werden. Nicht alle davon tauchen wieder auf, so dass außer dem Verlust des Gerätes auch der Verlust von geschäftlich oder persönlich wichtigen Daten zu beklagen ist.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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