Erste Hilfe bei Hackerangriff: Was Betroffene tun können

Waren Cyberkriminelle trotz aller Vorsicht und Präventionsmaßnahme doch erfolgreich und haben sich ihren Weg in das Firmennetzwerk gebahnt, ist rasches Handeln erforderlich

Die Folgen von Attacken können für Unternehmen schwerwiegend sein



Hackerangriffe auf Firmennetzwerke verlaufen häufig still und leise. Bis die ausgenutzte Schwachstelle oder der Schaden erkannt werden, können mehrere Tage bis hin zu einigen Monaten vergehen, warnen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group.

"Die Folgen solcher Attacken für Unternehmen können hingegen schwerwiegend sein und reichen vom Datenverlust über Datenmissbrauch bis zu zerstörten Geschäftsbeziehungen und Imageschaden. Schlimmstenfalls droht der finanzielle Ruin. Die Etablierung einer IT-Sicherheitsstruktur zur Prävention mit hohen Standards im Bereich der Internet Security ist deshalb dringend anzuraten. Denn ein gut eingerichtetes System kann als Frühwarnsystem agieren, untypische Aktionen erkennen und gegebenenfalls auch blockieren und eingrenzen", betont Geschäftsführerin Patrycja Schrenk.

Waren Cyberkriminelle trotz aller Vorsicht und Präventionsmaßnahme doch erfolgreich und haben sich ihren Weg in das Firmennetzwerk gebahnt, ist rasches Handeln erforderlich. Die IT-Sicherheitsexpertin hat erste Schritte zusammengestellt, wie nach einem erfolgten Hackerangriff vorzugehen ist:

1. Geräte physisch trennen oder abschalten

Besteht der Verdacht, dass das Firmennetzwerk kompromittiert wurde, Vorgänge und Aktionen untypisch im System ausgeführt werden oder es konkrete Hinweise auf einen erfolgten Angriff gibt, sollten sofort alle Geräte, Computer und Server ausgeschaltet und die physische Verbindung zum Firmennetzwerk, Internetanbindung und WLAN-Anbindungen getrennt werden. "Diese Maßnahme soll Angreifende aussperren und den weiteren Zugang zum Unternehmen verwehren", erklärt Schrenk. Falls die Unternehmensinfrastruktur in einem Rechenzentrum liegt oder Cloud-Dienste genutzt werden, sollte umgehend der Anbieter kontaktiert werden.

2. Passwörter ändern

In der Regel weiß zuerst niemand genau, wie Hacker in das Firmennetzwerk vorgedrungen sind. Deshalb ist nach der Abschaltung der Geräte beziehungsweise Trennung der einzelnen Verbindungen die Änderung aller genutzten Passwörter und Zugangsdaten zu den wichtigsten Diensten erforderlich. Dazu zählen System-Logins, Mitarbeiterzugänge und die dazugehörigen E-Mail-Adressen, E-Banking und Logins zu wichtigen Zahlungsanbietern, Plattformen und Partnernetzwerke sowie Social Media Accounts.

3. Analyse des Hackerangriffs und Ermittlung des Schadens

Der Zugang zum Firmennetzwerk ist blockiert und die Passwörter geändert. Theoretisch kann nun kein weiterer Schaden durch Angreifende erfolgen. "Jetzt geht es umgehend an die Schadensermittlung. Bei der Überprüfung des Firmennetzwerks werden Accounts, Zugänge und das System unter verschiedenen Aspekten analysiert. Dazu gehört etwa, wie Angreifende in das System eindringen konnten, ob Daten verändert oder gelöscht, heruntergeladen oder öffentlich zugänglich gemacht wurden, welche Accounts und Zugänge genutzt und ob E-Mails verschickt wurden. Zudem müssen jetzt auch Überlegungen getroffen werden, wie die Schwachstelle geschlossen werden kann", so Patrycja Schrenk.

4. Anzeige bei der Polizei erstatten

5. Eigene Pflichten im Bereich Datenschutz erfüllen

Im nächsten Schritt müssen der oder die Datenschutzbeauftragte im Unternehmen, die Verantwortlichen oder Auftragsverarbeiter im Sinne der DSGVO einbezogen und die Situation aus Datenschutzsicht bewertet werden. "Zunächst muss auf unzureichende technische und organisatorischen Maßnahmen nach Artikel 32 DSGVO geprüft werden. Falls menschliches Versagen Ursache war, beispielsweise durch Öffnen eines E-Mail Anhangs mit Malware, sollten Virenschutz und Firewall geprüft und verbessert werden sowie zeitnah eine Schulung der Mitarbeitenden erfolgen. Sofern bei dem Hackerangriff personenbezogenen Daten kompromittiert, gelöscht oder verändert wurden, muss nach Artikel 33 DSGVO binnen 72 Stunden nach Bekanntwerden der Datenschutzverletzung der Vorfall bei der zuständigen Aufsichtsbehörde für Datenschutz gemeldet werden. Zudem besteht laut Artikel 34 DSGVO eine Benachrichtigungspflicht gegenüber betroffenen Dritten, beispielsweise Kunden, Geschäftspartner und Dienstleistungsanbieter", informiert Schrenk.

6. Kommunikation intern und extern

Die richtige, weitere Kommunikation ist entscheidend: Zunächst werden Mitarbeitende über den Vorfall unterrichtet, anschließend betroffene Kunden und Partner informiert. Danach können, auch abhängig von der Unternehmensgröße, die Medien über den Angriff informiert werden.

7. Weitere Maßnahmen

Es ist an der Zeit, zu überlegen, welche weiterführenden Daten mit dem Angriff zusammenhängen oder betroffen sein könnten. Entsprechend ergeben sich weitere Maßnahmen, beispielsweise die Kontrolle aller genutzten Zahlungsanbieter einschließlich Sperrung kompromittierter Kreditkarten. "Sofern Daten im Internet veröffentlicht wurden, sollte der jeweilige Anbieter oder Hosting-Provider benachrichtigt und unter Bezug auf Artikel 17 der DSGVO um Löschung ersucht werden. Auch Betreiber von Suchmaschinen können aufgefordert werden, verletzende oder ehrenrührige Treffer auszublenden", gibt Patrycja Schrenk einen Tipp.

8. Wiederherstellung der Daten der unterschiedlichen Systeme und der IT-Struktur

Nachdem die Situation intern analysiert sowie protokolliert und auch die Polizei ihre Arbeit vor Ort abgeschlossen hat, geht es an die Wiederherstellung der Daten, des Systems und der IT-Infrastruktur. Experten und spezialisierte Anbieter können helfen, die Infrastruktur zu reparieren und falls möglich wiederherzustellen. (PSW Group: ra)

eingetragen: 25.10.22
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Meldungen: Tipps & Hinweise

Bots beeinflussen die Markenwahrnehmung

Einzelhandelswebsites oder Ticketshops werden von zwei Arten von Usern besucht: von menschlichen Käufern oder von Robotern (Bots). Letztere können gut oder böse sein. Es gibt Suchmaschinen-Bots, die helfen, Inhalte im Internet zu indizieren. Aber es gibt auch solche, die andere Absichten verfolgen, wie Credential Stuffing, DDoS, Scraping und Anwendungsangriffe. Schneller als jeder Mensch können Bots Online-Regale leeren und Veranstaltungen als ausverkauft erscheinen lassen.

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NIS-Richtlinie: Was auf die Mitgliedstaaten zukommt

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Entscheidung: zahlen oder nicht zahlen?

Ransomware-Attacken haben sich in den letzten Jahren deutlich ausgebreitet und sind ein erfolgreiches Geschäftsmodell für Cyberkriminelle. Der rasante Anstieg ist in Teilen auch auf den Ukraine-Konflikt zurückzuführen. Gelingt ein Ransomware-Angriff, sind häufig komplette IT-Infrastrukturen beeinträchtigt, und Unternehmen drohen nicht nur wirtschaftliche Einbußen, sondern auch erhebliche Image-Schäden.

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Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

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Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

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Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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