Die DROWN-Angriff-Schwachstelle


DROWN oder warum Sie Ihre Serverkonfiguration ändern sollten
In den meisten Fällen entstehen Sicherheitslücken einfach dadurch, dass Serverkonfigurationen nicht aktualisiert werden

(11.04.16) - DROWN steht für "Decrypting RSA using Obsolete and Weakened Encryption" (Entschlüsseln von RSA durch obsolete und geschwächte Verschlüsselung). Kurz gesagt heißt das: TLS-Verbindungen zu einem Großteil der Websites, Mail-Server und VPNs sind offen für einen derartigen Angriff. SSLv2 wurde erstmals 1995 veröffentlicht und bereits kurz danach totgesagt. Man fand heraus, dass 33 Prozent aller HTTPs-Server und 22 Prozent der Server mit Zertifikaten, denen Browser vertrauen, für den Angriff anfällig sind. In einem separaten Experiment stellte sich heraus, dass auch das 1998 veröffentlichte OpenSSL anfällig sein könnte. Verwendet man eine nicht gepatchte Version von SSLv2 kann ein Angreifer einen TLS-Chiffretext innerhalb einer Minute auf einer einzigen CPU entschlüsseln. Das ist schnell genug für Man-in-the-Middle-Angriffe auf moderne Server. 26 Prozent aller HTTPs-Server sind für diesen Angriff anfällig. GMO GlobalSign erläutert, wie Unternehmen sich schützen können.

In den meisten Fällen entsteht diese Sicherheitslücke einfach dadurch, dass Serverkonfigurationen nicht aktualisiert werden. Einige seit Jahren nicht mehr aktualisierte, eingebettete Geräte sind ebenso anfällig. OpenSSL, ein kostenloses Apache-Toolkit für TLS- und SSL-Protokolle, bietet eine Option, SSLv2 Cypher Suites zu deaktivieren. Leider hat sich bei diesem jüngsten Angriff gezeigt, dass genau diese Option nicht zu funktionieren scheint. Glücklicherweise wurde sie dann im Januar 2016 gepatcht.

Da die meisten Nutzer nicht mehrere Zertifikate kaufen, verwendet ein Server den gleichen privaten RSA-Schlüssel für TLS- und SSLv2-Protokolle. So können sich alle SSLv2-Bugs auch leicht auf TLS auswirken. Der DROWN-Angriff nutzt dieses Verfahren, um die Verschlüsselung zu knacken.

Meldungen zu SSL- und TLS-Sicherheitslücken werden mittlerweile in so rascher Folge veröffentlicht, dass bei Website-Betreibern nicht selten ein gewisser Abstumpfungseffekt gegenüber Sicherheitsproblemen eingetreten ist. Es gab allein in den letzten fümf Jahren mindestens zehn weithin bekannte Sicherheitslücken und im vergangenen Jahr die Anzahl weiter gestiegen. Die neueste Schwachstelle: der DROWN-Angriff.

Die jüngsten SSL/TLS-Sicherheitslücken im Überblick und empfohlene Gegenmaßnahmen

September 2011 (BEAST) / Juni 2013 (CRIME):
TLS 1.0 und ältere Protokolle führen zu Sicherheitslücken auf Client-Seite. Ein Angreifer kann Daten nutzen, die durch Komprimierung durchsickert sind, um teilweise an Klartext zu gelangen.
Gegenmaßnahmen: Nur AES-GCM-Suiten verwenden, die ausschließlich in TLS 1.2 unterstützt werden. TLS/SPDY-Komprimierung deaktivieren.

August 2012 (BREACH): Lässt Klartextdaten durchsickern
Gegenmaßnahmen: http-Komprimierung deaktivieren

Februar 2013 (Lucky13) / April 2014 (Heardbleed): Alle TLS- und DTLS-Cypher Suites, die im CBC-Modus verschlüsseln, sind potenziell anfällig. OpenSSL-Bug, der ausgenutzt werden konnte, um die privaten SSL-Schlüssel abzugreifen und somit die Sicherheit von Benutzerdaten zu kompromittieren.
Gegenmaßnahmen: OpenSSL, NSS und zugehörige Verschlüsselungsbibliotheken; SSL-Zertifikaten widerrufen und neu ausstellen.

Oktober 2014 (POODLE): Angreifer können Server veranlassen, wieder auf SSLv3 zurückzugreifen.
Gegenmaßnahmen: SSLv3 deaktivieren oder TLS_Fallback_SCSV implementieren, wenn ältere Browser unterstützt werden müssen.

März 2015 (Bar Mitzvah-Angriff): Nutzt veraltete RC4-Verschlüsselung aus.
Gegenmaßnahmen: RC4 deaktivieren.

März 2015 (Freak): Clients können von starker RSA auf Export-RSA heruntergestuft werden, wenn sowohl Browser als auch Server anfällig sein.
Gegenmaßnahmen: Exportverschlüsselung in Serverkonfigurationen deaktivieren; OpenSSL patchen; Browser updaten.

Mai 2015 (Logjam): Server, die Duffie-Hellman-Schlüsselaustausch verwenden, sind anfällig, dass ihre Sitzungen auf extrem schwaches 512-Bit-Schlüsselmaterial heruntergestuft werden.
Gegenmaßnahmen: DHE-Export-Verschlüsselung deaktivieren; Browser updaten.

März 2016 (DROWN): Sites, die SSLv2 und Export-Cypher-Suites unterstützen;
Gegenmaßnahmen: SSLv2 deaktivieren und/oder OpenSSL updaten

Es ist nicht überraschend, dass Website-Administratoren zunehmend verzögert auf Sicherheitsrisiken reagieren. The Register berichtet, dass Website-Updates aufgrund von DROWN gegenüber früheren Vorfällen nur verlangsamt erfolgen. Nur 5 Prozent der Sites haben in der ersten Woche nach der Ankündigung Updates vorgenommen. Betreiber von Websites sollten gut dokumentierte Verfahren einsetzen, ihre Systeme patchen und wesentliche Sicherheitsupdates einspielen, um die Risiken zu senken.

Während das Unternehmen iSIGHT Partners den DROWN-Angriff als "mittlere Gefahr" und "moderate" Bedrohung einstuft, ist der kürzlich veröffentlichte Bericht doch ein weiterer in einer langen Reihe von SSL-Sicherheitslücken. DROWN kann sogar die Unternehmen betreffen, die SSLv2 aufgrund einer OpenSSL-Sicherheitslücke (CVE-2015-3197) nicht mehr nutzen. Unter Umständen reicht es also nicht aus lediglich SSLv2 zu deaktivieren. Server, die so konfiguriert sind, können beispielsweise über Clients hinters Licht geführt werden, die speziell SSLv2 aufgrund des OpenSSL-Bugs fordern.

Serverkonfigurationen zum Schutz gegen zukünftige Angriffe updaten

Kostenlose Tools helfen
Mozilla verfügt über einen SSL Configuration Generator, der SSL-Serverkonfigurationen für gängige Webserver generiert. Diese Konfigurationen unterstützen aktuelle, aber auch ältere Browser-Versionen, je nach Profil des Website-Besuchers. Dazu kommen Tipps zu Cypher Suites, HTTP Strict Transport Security (HSTS), OCSP Stapling, Session-Fortsetzung, HPKP Public Key Pinning und so weiter. Alles Dinge, die eine Website sicherer machen und gleichzeitig die Performance verbessern. Man kann eine Serverkonfiguration beispielsweise mit einem Test wie dem GlobalSign SSL Server-Test überprüfen, um Sicherheitslücken zu identifizieren.

Auf neuestes OpenSSL und neueste Verschlüsselung updaten
Zusätzlich sollte man sicherstellen nur die neueste OpenSSL-Version und die zugehörigen Verschlüsselungsbibliotheken zu verwenden. Das heißt auch mindestens ein Mal pro Woche die aktuellen Patches einzuspielen.

Systempasswörter und Schlüssel für SSL-Zertifikate updaten
Und schließlich sollte man auch die Systempasswörter regelmäßig ändern und die SSL-Zertifikate mit neuen Schlüsseln updaten. So halten sich die Auswirkungen auch bei zukünftigen Sicherheitslücken zumindest in Grenzen. (GMO GlobalSign: ra)

GMO GlobalSign: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


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