Nutzerdaten lassen sich sehr gut monetarisieren

Dreifach erhöhtes Risiko: Nutzer von gehackten Onlinediensten in Gefahr

Wer kompromittierte Online-Dienste nutzt, wird mit dreifacher Wahrscheinlichkeit Opfer eines Cyber-Angriffs - Eltern haben zusätzlich ein stark erhöhtes Risiko



Cyberangriffe auf Unternehmen machen regelmäßig Schlagzeilen – eine Untersuchung von F-Secure zeigt auf, wie stark auch private Internet-Nutzer und Eltern von Attacken aus dem Netz betroffen sind. Von je zehn Befragten sind in den vorhergehenden zwölf Monaten rund drei Personen Opfer eines Cyberverbrechens geworden – etwa Malware-Infektionen, unbefugter Zugriff auf E-Mail- oder Social-Media-Konten oder Kreditkartenbetrug. Im Rahmen der Untersuchung "The Walking Breached" von F-Secure wurden weltweit in zwölf Ländern je 400 Personen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Internet befragt, neben Deutschland zum Beispiel auch in Frankreich, Italien, Großbritannien, Finnland und den USA.

Wer von Datenlecks betroffene Onlinedienste nutzt, ist demnach rund dreimal häufiger Opfer von Cyberverbrechen. Damit wird konkret belegt: Unter Datenlecks leidet eben nicht nur das Unternehmen, in dessen Systeme eingebrochen wurde, sondern auch der Nutzer, dessen Daten entwendet und oftmals auf dem Schwarzmarkt an Cyberkriminelle verkauft werden. Diese Personen, deren Nutzerkonten nach einem "Data Breach" für Cyberkriminelle zugänglich sind, werden unter Experten und in der F-Secure-Untersuchung als "Walking Breached" bezeichnet. 60 Prozent der Angehörigen dieser Gruppe sind demnach weltweit von Cyberverbrechen betroffen gewesen, im Vergleich zu nur 22 Prozent aus der Gruppe derer, deren Daten nicht über Datenlecks von Online-Diensten "geleaked" wurden. Unter Eltern mit Kindern im Haushalt sind sogar sieben von zehn Personen von Cyber-Verbrechen betroffen.

"Wir sollten nicht mehr nur davon reden, dass Unternehmen Opfer von Cyberattacken werden. Unsere Untersuchung hebt hervor: Diese Angriffe schädigen einen großen Teil der Kunden der Unternehmen und betreffen Eltern besonders häufig", sagt Laura Kankaala, Sicherheitsexpertin bei F-Secure. "Der Diebstahl der persönlichen Daten der Kunden mündet häufig in Identitätsdiebstahl, Betrug oder andere Cyberattacken. Solche Angriffe wirken sich nicht nur abstrakt auf irgendwelche Unternehmensbilanzen aus, sondern sie fügen Millionen von Internet-Nutzern ganz konkret Schaden zu", so Kankaala.

Die Untersuchung belegt, dass etwa die Hälfte der Opfer solcher Cyberverbrechen unter Stress und Sorgen leidet. Dazu kommt Zeitverlust beim Wiederherstellen der Konten. Der finanzielle Schaden ist für die "Walking Breached" höher als für die, deren Daten unkompromittiert blieben.

Rund um die Verwertung von "gestohlenen" Nutzerdaten ist inzwischen ein ganzer Geschäftszweig entstanden: E-Mail-Adressen und Passwörter werden häufig gekauft und weiterverkauft, bevor Cyberverbrecher dann ihr Kapital daraus schlagen.* Immer öfter verschlüsseln die Angreifer bei Ransomware-Attacken nicht nur die Systeme gehackter Unternehmen und nutzen dies zur direkten Erpressung von Lösegeldern; zusätzlich wollen sie auch die erbeuteten Nutzerdaten "monetarisieren". In einem besonders schweren Fall drohte der Erpresser einer psychiatrischen Klinik, die Therapieaufzeichnungen und Krankenakten der Patienten zu veröffentlichen, wenn kein Lösegeld gezahlt werde.

Kankaala betont, dass sich noch viel zu wenige Internet-Nutzer rechtzeitig klarmachen, wie wertvoll ihre gespeicherten Informationen für böswillige Angreifer wirklich sind: "Oft erkennen wir den Wert verlorener Daten erst, wenn sie weg sind. Es geht nicht einfach nur um einen ‚Social-Media-Account‘ oder ein paar E-Mails. Wir speichern im Internet Stücke unserer Vergangenheit und unserer Identität: wertvolle Bilder, die wir an keinem anderen Ort gesichert haben, oder ein wichtiges Gespräch mit lieben Menschen, das bei einem Breach womöglich unwiederbringlich verlorengeht." Das wollen Cyber-Verbrecher immer wieder ausnutzen. (F-Secure: ra)

eingetragen: 02.03.21
Newsletterlauf: 17.05.21

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Meldungen: Unternehmen

Gesucht: Innovative Security-Start-ups

CyberArk gibt die Gründung von CyberArk Ventures bekannt. Der globale Investitionsfonds in Höhe von 30 Millionen US-Dollar wird Unternehmen unterstützen, die komplexe Sicherheitsherausforderungen mit innovativen Technologien bewältigen. Beteiligt in CyberArk Ventures sind auch die vier Venture-Capital-Investoren Venrock, YL Ventures, Team8 Capital und Merlin Ventures.

Überwachungs- und Reaktionsfunktionen für Cybersicherheitsvorfälle

C2A Security und die Stefanini Group haben eine Zusammenarbeit angekündigt, um der Automobilindustrie eine robuste Cybersicherheitslösung anbieten zu können. Die Zusammenarbeit bietet Erstausrüstern und ihren Lieferanten sowohl Stefaninis fortschrittliche Security Operations Center (SOC)-Services als auch die Cybersicherheitslösung für den gesamten Fahrzeuglebenszyklus von C2A Security. So soll die Lücke zwischen Produktsicherheit und Sicherheitsüberwachung geschlossen werden.

ReliaQuest übernimmt Digital Shadows

ReliaQuest, US-Anbieterin im Bereich Security Operations und Cybersicherheit, gab die Vereinbarung zur Übernahme von Threat Intelligence-Expertin Digital Shadows für 160 Millionen US-Dollar bekannt. Die umfassende Expertise von ReliaQuest rund um Detection and Response für Cloud-, Netzwerk- und Endpunktumgebungen trifft damit auf das Know-how von Digital Shadows im Bereich Cyber Threat Intelligence (CTI) und Digital Risk Protection (DRP).

BSI und Samsung intensivieren Partnerschaft

Beim Thema sichere mobile Kommunikation (SMK) von Ministerien und Bundesbehörden arbeiten das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) und Samsung zukünftig Hand in Hand: Ein von Samsung entwickeltes Java Card Applet soll – in Kombination mit dem auf dem Galaxy Smartphone verbauten embedded Secure Element (eSE) – die bisher verwendete MicroSD-Karte ersetzen, die gegenwärtig für die Datenverschlüsselung und sichere Datenübertragung genutzt wurde.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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