Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Auf dem Silbertablett serviert: Fehlkonfigurationen laden Cyber-Kriminelle ein

Um ihre Arbeit gut zu machen, müssen Sicherheitsteams Risiken einschätzen und Konfigurationsfehler schnell beheben, ohne den laufenden Betrieb der IT-Systeme zu unterbrechen



Von Bogdan Botezatu, Leiter der Bedrohungsanalyse bei Bitdefender

Fehlkonfigurationen öffnen Cyberkriminellen Tür und Tor zum Netzwerk. Eine Risikoanalyse aller Endpunkte kann dabei helfen, den Blick auf diese Schwachstellen zu schärfen. Mit diesen Informationen gerüstet, kann sich die IT-Sicherheit daran machen, die Risiken zu beseitigen.

Die Bedrohungslage ist ernst und Organisationen sehen sich mehr Angriffen von Cyber-Kriminellen gegenüber. Diese werden auch immer gefährlicher und ausgeklügelter, weil die Angreifer ständig neue Angriffsvektoren oder fortschrittlichere Technologien wie Maschinelles Lernen nutzen. Gleichzeitig vergrößert sich die Angriffsfläche durch Cloud-Computing und im Home Office verteilte Arbeitskräfte ständig und ist schwerer zu überblicken. Kein Wunder, dass die IT-Sicherheitsabteilungen vieler Organisationen nach mehr Personal sowie besseren Abwehr-Tools rufen – und nach mehr Budget. Doch jenseits immer höherer und sicherer Abwehrmauern könnten Organisationen mit sehr einfachen Maßnahmen für mehr Sicherheit sorgen: Indem sie einfache Fehlkonfigurationen im eigenen Netzwerk beseitigen.

Große Sicherheitsvorfälle beherrschen die Schlagzeilen, wie jüngst der SolarWinds-Hack, und man sollte meinen, dass Cyber-Kriminelle Tag und Nacht an solchen großen Angriffen arbeiten. Tatsächlich sind solche komplexen Angriffe für die meisten Gruppen zu schwierig umzusetzen. Und die Täter sehen auch keinen Grund dafür, die hohen Herausforderungen anzugehen, wenn es auch unkompliziert geht. Die meisten Unternehmen kommen ihnen dabei einen Schritt entgegen – denn simple Fehlkonfigurationen von IT-Administratoren sind fast überall zu finden. Ein Ziel ohne großen Aufwand zu kompromittieren, ist für viele Cyber-Kriminelle deswegen eine einfache Beute.

Zugang auf dem Silbertablett

Angriffe, die fehlerhafte Einstellungen ausnutzen, gelten als die "niedrig hängenden Früchte" der Cyber-Kriminalität, da Unternehmen es einfach oft versäumen, systematische Prozesse und Richtlinien anzuwenden, um Schwachstellen richtig zu schließen. Untersuchungen von ESG zeigen, dass Fehlkonfigurationen von Endgeräten für satte 27 Prozent der Einstiegspunkte verantwortlich sind. Böswillige Akteure profitieren von ungesicherter Hardware, Mitarbeitern mit überflüssigem Zugriff auf kritische Unternehmensressourcen, ungepatchten Schwachstellen und zahlreichen anderen unnötigen Lücken. Und die Wahrscheinlichkeit von Fehlkonfigurationen steigt darüber hinaus kontinuierlich, da Unternehmen ihre Workloads in die Cloud verlagern. Gleichzeitig sinkt die Sichtbarkeit möglicher Bedrohungen, was das Problem natürlich weiter verschärft.

Die häufigsten Fehlkonfigurationen

Um ihre Arbeit gut zu machen, müssen Sicherheitsteams Risiken einschätzen und Konfigurationsfehler schnell beheben, ohne den laufenden Betrieb der IT-Systeme zu unterbrechen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. IT-Administratoren sind überlastet, verfügen über zu wenig Ressourcen und die Teams sind in der Regel unterbesetzt, so dass sie betriebssystembezogene Anwendungen und Komponenten häufig falsch konfigurieren. Oft treten solche Fehler beispielsweise bei Microsoft Office, SharePoint, ACTIVE_X und Windows Remote Management (WinRM) auf. Die COVID-19-Pandemie hat Schwachstellen im Remote-Zugriff und Fehlkonfigurationen als bevorzugte Angriffsvektoren in den Vordergrund der Cyber-Sicherheit gerückt. Es überrascht nicht, dass Fehler im Zusammenhang mit WinRM nun an erster Stelle der falschen Einstellungen von Microsoft-Software stehen. WinRM ermöglicht es einem Benutzer, mit einem entfernten System zu interagieren, eine ausführbare Datei auszuführen (zum Beispiel Malware zu installieren), die Registrierung zu ändern oder Dienste zu modifizieren, was diesen Bereich sehr besorgniserregend macht und zu einem schwerwiegenden Cyber-Vorfall führen kann.

Falsch konfigurierte Konten öffnen Tür und Tor

Daten von Bitdefender zeigen darüber hinaus, dass Fehlkonfigurationen in Bezug auf Konten, Passwortspeicherung und Passwortverwaltung auf dem Endpunkt mit einem Anteil von 12,5 Prozent am häufigsten vorkommen. Ein falsch voreingestelltes Nutzerkonto öffnet die Tür für Account-Takeover, Spear-Phishing/BEC-Kompromittierung, Lateral Movement, Malware-Infektion und Datenlecks. Die meisten Ransomware-Vorfälle entstehen aufgrund einer falsch konfigurierten Komponente, einer ungepatchten Schwachstelle oder eines erfolgreichen Social-Engineering-Angriffs. Ransomware-Attacken gehen heute auch oft mit der Drohung einher, die erbeuteten Daten offenzulegen. Damit riskieren Unternehmen also auch eine Datenschutzverletzungen und eventuell sogar Strafen von staatlicher Seite. Alles das nur aufgrund einer einzigen Fehlkonfiguration oder eines Versehens.

Eine Risikoanalyse schärft den Blick

Fortschrittliche Plattformen für Endpoint Security bieten neben der Überwachung von Endpunkten bereits fortschrittliche Netzwerkanalysen, Funktionen für Cloud-Sicherheit und die Bewertung des Risikofaktors "Mensch". Nur sehr wenige Plattformen gehen noch eine Schritt weiter und liefern eine integrierte Risikoanalyse der Endpunktkonfiguration, um dann sicherzustellen , dass die Einstellungen korrekt und aktuell sind. Hier klafft bei den meisten Plattformen eine große Lücke.

Fazit: Keine einfache Beute sein

Moderne, leistungsstarke Plattform für Endpoint-Security bieten neben den gängigen Funktionen auch die Möglichkeit fortschrittlicher Risikoanalysen der Endpunkte. Diese Analysen helfen Organisationen dabei, Fehlkonfigurationen aufzudecken und abzusichern, bevor Cyber-Kriminelle sie ausnutzen. Die Angreifer sind dadurch gezwungen, mehr Zeit zu investieren – und wenden sich wohl eher anderen Zielen zu, die leichtere Beute sind. Anstatt mehr Budget und Personal einzusetzen, können viele Organisation mit einfachen Mitteln das Niveau ihrer IT-Sicherheit erhöhen, indem Sie ihre Hausaufgaben machen und für die richtigen Einstellung sorgen. Tools zur Risikoanalyse der Endpunkte helfen IT-Sicherheitsteams dabei, diese Schwachstellen sichtbar zu machen. (Bitdefender: ra)

eingetragen: 02.03.21
Newsletterlauf: 20.05.21

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Meldungen: Unternehmen

Gesucht: Innovative Security-Start-ups

CyberArk gibt die Gründung von CyberArk Ventures bekannt. Der globale Investitionsfonds in Höhe von 30 Millionen US-Dollar wird Unternehmen unterstützen, die komplexe Sicherheitsherausforderungen mit innovativen Technologien bewältigen. Beteiligt in CyberArk Ventures sind auch die vier Venture-Capital-Investoren Venrock, YL Ventures, Team8 Capital und Merlin Ventures.

Überwachungs- und Reaktionsfunktionen für Cybersicherheitsvorfälle

C2A Security und die Stefanini Group haben eine Zusammenarbeit angekündigt, um der Automobilindustrie eine robuste Cybersicherheitslösung anbieten zu können. Die Zusammenarbeit bietet Erstausrüstern und ihren Lieferanten sowohl Stefaninis fortschrittliche Security Operations Center (SOC)-Services als auch die Cybersicherheitslösung für den gesamten Fahrzeuglebenszyklus von C2A Security. So soll die Lücke zwischen Produktsicherheit und Sicherheitsüberwachung geschlossen werden.

ReliaQuest übernimmt Digital Shadows

ReliaQuest, US-Anbieterin im Bereich Security Operations und Cybersicherheit, gab die Vereinbarung zur Übernahme von Threat Intelligence-Expertin Digital Shadows für 160 Millionen US-Dollar bekannt. Die umfassende Expertise von ReliaQuest rund um Detection and Response für Cloud-, Netzwerk- und Endpunktumgebungen trifft damit auf das Know-how von Digital Shadows im Bereich Cyber Threat Intelligence (CTI) und Digital Risk Protection (DRP).

BSI und Samsung intensivieren Partnerschaft

Beim Thema sichere mobile Kommunikation (SMK) von Ministerien und Bundesbehörden arbeiten das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) und Samsung zukünftig Hand in Hand: Ein von Samsung entwickeltes Java Card Applet soll – in Kombination mit dem auf dem Galaxy Smartphone verbauten embedded Secure Element (eSE) – die bisher verwendete MicroSD-Karte ersetzen, die gegenwärtig für die Datenverschlüsselung und sichere Datenübertragung genutzt wurde.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

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Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

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Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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