Zugangsdaten sind stets gefährdet

Schwachstelle Zugangsdaten: Best Practices für Identitäts- und Zugriffsmanagement

Identitäts- und Zugriffsmanagement gegen Passwortrisiken



Von Anurag Kahol, CTO, Bitglass

Wenn es um Passwörter geht, bieten Unternehmen durch ihre Online-Präsenz eine breite digitale Angriffsfläche, die Cyberangreifer auf verschiedene Arten durchbrechen können. Gelingt es ihnen, valide Zugangsdaten eines Accounts zu erbeuten, können sie die gekaperte Identität nutzen, um wertvolle Daten zu entwenden oder in Unternehmensumgebungen weiteren Schaden anrichten. In einer zunehmend von Remote Work geprägten Arbeitswelt erhält die Sicherheit sowie die Glaubwürdigkeit digitaler Identitäten neue Relevanz. Ähnlich wie physische Identifikationsformen müssen auch digitale zuverlässig vor Missbrauch, Diebstahl und Betrug geschützt werden. Der digitale Fingerabdruck und sämtliche Spuren, die Nutzer und Organisationen im Internet hinterlassen, ist jedoch höchst individuell und überaus vielfältig. Dies macht den Schutz von Identitäten sowie die Sicherung von digitalen Unternehmens-Assets durch unberechtigten Zugriff höchst komplex.

Für Unternehmen, die große Mengen an Kundendaten sammeln und speichern, sind Datensicherheit und Markenreputation eng miteinander verbunden. Ein vertrauensvoller Umgang ist ein wesentlicher Bestandteil von Geschäftsbeziehungen. Diese Eigenschaft wird auch im digitalen Kontext durch datenschutzrechtliche Regularien gestärkt. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) setzt Unternehmen einen engen Rahmen für den Umgang mit personenbezogenen Daten und schützt die Rechte von Privatpersonen mit Auskunfts- und Benachrichtigungspflichten für die verarbeitenden Unternehmen. Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht gegenüber Kundendaten oder der Verlust derselben sind für Unternehmen bußgeldbewehrt. Eine Erfahrung, die eine Hotelkette machen musste: Cyberkriminelle hatten die Accounts zweier Mitarbeiter gehackt und konnten so auf die Konten der Hotelgäste zugreifen. Da dieser Sicherheitsverstoß über Jahre unentdeckt blieb, beläuft sich die Zahl der geschädigten Verbraucher auf über 300 Millionen. Das britische Information Commissioner’s Office (ICO) verhängte dafür ursprünglich eine Strafe von über 110 Millionen Euro, welche auf Grund der umfassenden Kooperationsbereitschaft der Hotelkette und unter Berücksichtigung anderer Urteile auf 20 Millionen herabgesetzt wurde.

In der Tat ist ein bedeutender Anteil an Hacking-Vorfällen auf verlegte oder gestohlene Zugangsdaten zurückzuführen. Die Strategie, Passwörter in regelmäßigen Abständen zu ändern, zeigt leider meist nur eine begrenzte Wirkung, weil viele Nutzer dasselbe Passwort für mehrere Accounts verwenden. Die Wiederverwendung von Passwörtern ist zu einem häufigen Fehlverhalten geworden, da es sowohl schwierig als auch unbequem ist, sich zahlreiche, komplexe Passwörter zu merken. Allerdings erhöht dies das Schadensrisiko im Fall eines Hacks deutlich.

Identitäts- und Zugriffsmanagement gegen Passwortrisiken

Passwörter stellen stets ein Risiko dar, unabhängig von ihrer Größe, Komplexität oder Einzigartigkeit. Diesem Umstand müssen Unternehmen in ihren IT-Security-Strategien Rechnung tragen. Der Entwicklung, dass Mitarbeiter ihre privaten Passwort-Angewohnheiten auf ihr Arbeitsumfeld übertragen, können sie mit stärkeren Authentifizierungskontrollen entgegenwirken. Um Bedrohungen effizient zu entschärfen und die Datenschutzbestimmungen einzuhalten, muss der Anmeldeprozess durch Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM) sicherer gestaltet werden.

Dieses sollte folgende Elemente aufweisen:

• Aktivierung von Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und Single Sign-On (SSO): Diese Funktionen helfen, das Risiko einer Account-Kompromittierung zu reduzieren und ermöglichen gleichzeitig ein nahtloses Anmeldeerlebnis für Benutzer. MFA schafft eine zusätzliche Sicherheitsebene, zum Beispiel durch ein SMS-Token, das per Textnachricht gesendet wird, oder durch eine Drittanbieter-App wie Google Authenticator. Ohne eine zweite Form der Authentifizierung wird der Benutzer nicht verifiziert und erhält keinen Zugriff auf das Konto. Durch SSO können Benutzer auf eine Vielzahl von unabhängigen Cloud-Ressourcen zugreifen, indem sie sich bei einem einzigen Portal anmelden. Der Komfort, sich nur ein Passwort merken zu müssen, kann Nutzer damit auf sichere Weise geboten werden. In regelmäßigen Abständen sollte das Passwort gegen ein Neues ersetzt werden, gegebenenfalls durch automatische Aufforderung an die Nutzer.

• Kontextermittlung durch Netzwerkaktivitäten: Um festzustellen, ob ein Benutzer wirklich derjenige ist, der er vorgibt, online zu sein, ist es wichtig, dass Unternehmen die Netzwerkaktivitäten und das Verhalten ihrer Mitarbeiter kontinuierlich überwachen, um Anomalien zu erkennen. Wenn sich ein Mitarbeiter beispielsweise montags bis freitags um 9 Uhr von seiner Heim-IP-Adresse aus anmeldet, sich aber plötzlich am Samstagabend um 22 Uhr von einem anderen Standort aus einloggt, würde dieses Verhalten als verdächtig eingestuft werden. Durch eine kontextbasierte, abgestufte Authentifizierung können Unternehmen die Identität von Benutzern je nach Standort, Gerät und täglichen Aktivitäten bestätigen. Dadurch erhalten Unternehmen auch mehr Sicherheit für den Datenzugriff, egal wo er stattfindet.

• Bewusstsein schaffen: Trotz geeigneter technischer Lösungen ist eine Sicherheitsstrategie ohne Aufklärung und Sensibilisierung unvollständig. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern nahebringen, welchen Wert auch vermeintlich belanglose Zugangsdaten für Cyberkriminelle haben können, welche Angriffstaktiken sie nutzen und bei welchen Unregelmäßigkeiten Argwohn angebracht ist. Dies erleichtert es Mitarbeitern, ihre Zugangsdaten und digitalen Identitäten - und damit im weiteren Sinne auch die ihrer Kunden - schützen zu können.

Im Unternehmensumfeld können nachlässige Handlungsweisen im Umgang mit digitalen Zugangsdaten unter Umständen schwerwiegende Folgen haben. Mit diesen einfachen technischen Maßnahmen können Unternehmen die damit verbundenen Risiken reduzieren. Gleichzeitig können sie damit den Wunsch ihrer Mitarbeiter nach Praktikabilität respektieren: Sich stets Dutzende komplexer Passwörter zu merken, ist damit nicht erforderlich. Der Schutz sensibler Daten vor unberechtigtem Zugriff bleibt jedoch eine gemeinsame Aufgabe: Unternehmen wie auch ihre Belegschaft sollten über Bedrohungen digitaler Identitäten stets auf dem Laufenden bleiben und ihre Verhaltensweisen gemeinsam entsprechend weiterentwickeln. (Bitglass: ra)

eingetragen: 16.07.21
Newsletterlauf: 24.09.21

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Meldungen: Unternehmen

Schutz vor Phishing-Angriffen

Edge, Firefox, Chrome und vielleicht sogar der Internet Explorer - der Zugang zum Internet ist eine der größten Schwachstellen für Cyberattacken, denn Malware dringt in der Regel über den Browser oder die besuchte Website in Unternehmensnetzwerke ein. Um Unternehmen noch besser zu schützen, arbeiten der IT-Sicherheitsexperte Rohde & Schwarz Cybersecurity und Island, der Enterprise-Browser, künftig noch enger zusammen

CyberArk akquiriert Venafi für 1,5 Milliarden US-Dollar

CyberArk gab bekannt, dass es eine Vereinbarung zur Übernahme von Venafi, einem führenden Unternehmen für maschinelles Identitätsmanagement, für 1,5 Mrd. US-Dollar unterzeichnet hat. Diese Akquisition kombiniert Venafis Lösungen im Bereich des Maschinenidentitätsmanagements mit den Identity-Security-Lösungen von CyberArk, um eine einheitliche Plattform für End-to-End-Maschinenidentitätssicherheit zu schaffen.

Risiko, Readiness, Recovery, Rebuild-Funktionen

Commvault hat die Übernahme von Appranix, einem Unternehmen für Cloud-Cyberresilienz, bekannt gegeben. Mit dieser Akquisition unterstützt Commvault Unternehmen dabei, nach einem Ausfall oder Cyberangriff noch schneller wieder einsatzbereit zu sein.

Strategien zur Stärkung der globalen Cyber-Resilienz

In unserer heutigen Ära verlagert sich die Kriminalität zunehmend ins Digitale, wobei die Zahl der Cyberbedrohungen in den letzten Jahren dramatisch angestiegen ist. Zur Identifikation der Länder mit dem höchsten Niveau an Cyberkriminalität wurde nun von einem Forschungsteam der erste World Cybercrime Index entwickelt. An der Spitze dieses Index, der Länder mit dem höchsten Niveau an Cyberkriminalität identifiziert, stehen Länder wie Russland, die Ukraine, China, die USA und Nigeria.

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Fachartikel

Grundlagen

Big Data bringt neue Herausforderungen mit sich

Die Digitale Transformation zwingt Unternehmen sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Diese oft neue Aufgabe stellt viele IT-Teams hinsichtlich Datenverwaltung, -schutz und -verarbeitung vor große Herausforderungen. Die Nutzung eines Data Vaults mit automatisiertem Datenmanagement kann Unternehmen helfen, diese Herausforderungen auch mit kleinen IT-Teams zu bewältigen. Big Data war bisher eine Teildisziplin der IT, mit der sich tendenziell eher nur Großunternehmen beschäftigen mussten. Für kleinere Unternehmen war die Datenverwaltung trotz wachsender Datenmenge meist noch überschaubar. Doch die Digitale Transformation macht auch vor Unternehmen nicht halt, die das komplizierte Feld Big Data bisher anderen überlassen haben. IoT-Anwendungen lassen die Datenmengen schnell exponentiell anschwellen. Und während IT-Teams die Herausforderung der Speicherung großer Datenmengen meist noch irgendwie in den Griff bekommen, hakt es vielerorts, wenn es darum geht, aus all den Daten Wert zu schöpfen. Auch das Know-how für die Anforderungen neuer Gesetzgebung, wie der DSGVO, ist bei kleineren Unternehmen oft nicht auf dem neuesten Stand. Was viele IT-Teams zu Beginn ihrer Reise in die Welt von Big Data unterschätzen, ist zum einen die schiere Größe und zum anderen die Komplexität der Datensätze. Auch der benötigte Aufwand, um berechtigten Zugriff auf Daten sicherzustellen, wird oft unterschätzt.

Bösartige E-Mail- und Social-Engineering-Angriffe

Ineffiziente Reaktionen auf E-Mail-Angriffe sorgen bei Unternehmen jedes Jahr für Milliardenverluste. Für viele Unternehmen ist das Auffinden, Identifizieren und Entfernen von E-Mail-Bedrohungen ein langsamer, manueller und ressourcenaufwendiger Prozess. Infolgedessen haben Angriffe oft Zeit, sich im Unternehmen zu verbreiten und weitere Schäden zu verursachen. Laut Verizon dauert es bei den meisten Phishing-Kampagnen nur 16 Minuten, bis jemand auf einen bösartigen Link klickt. Bei einer manuellen Reaktion auf einen Vorfall benötigen Unternehmen jedoch circa dreieinhalb Stunden, bis sie reagieren. In vielen Fällen hat sich zu diesem Zeitpunkt der Angriff bereits weiter ausgebreitet, was zusätzliche Untersuchungen und Gegenmaßnahmen erfordert.

Zertifikat ist allerdings nicht gleich Zertifikat

Für Hunderte von Jahren war die Originalunterschrift so etwas wie der De-facto-Standard um unterschiedlichste Vertragsdokumente und Vereinbarungen aller Art rechtskräftig zu unterzeichnen. Vor inzwischen mehr als einem Jahrzehnt verlagerten sich immer mehr Geschäftstätigkeiten und mit ihnen die zugehörigen Prozesse ins Internet. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber mit dem Zeitalter der digitalen Transformation beginnen handgeschriebene Unterschriften auf papierbasierten Dokumenten zunehmend zu verschwinden und digitale Signaturen werden weltweit mehr und mehr akzeptiert.

Datensicherheit und -kontrolle mit CASBs

Egal ob Start-up oder Konzern: Collaboration Tools sind auch in deutschen Unternehmen überaus beliebt. Sie lassen sich besonders leicht in individuelle Workflows integrieren und sind auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Zu den weltweit meistgenutzten Collaboration Tools gehört derzeit Slack. Die Cloudanwendung stellt allerdings eine Herausforderung für die Datensicherheit dar, die nur mit speziellen Cloud Security-Lösungen zuverlässig bewältigt werden kann. In wenigen Jahren hat sich Slack von einer relativ unbekannten Cloud-Anwendung zu einer der beliebtesten Team Collaboration-Lösungen der Welt entwickelt. Ihr Siegeszug in den meisten Unternehmen beginnt häufig mit einem Dasein als Schatten-Anwendung, die zunächst nur von einzelnen unternehmensinternen Arbeitsgruppen genutzt wird. Von dort aus entwickelt sie sich in der Regel schnell zum beliebtesten Collaboration-Tool in der gesamten Organisation.

KI: Neue Spielregeln für IT-Sicherheit

Gerade in jüngster Zeit haben automatisierte Phishing-Angriffe relativ plötzlich stark zugenommen. Dank künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data sind die Inhalte deutlich überzeugender und die Angriffsmethodik überaus präzise. Mit traditionellen Phishing-Angriffen haben die Attacken nicht mehr viel gemein. Während IT-Verantwortliche KI einsetzen, um Sicherheit auf die nächste Stufe zu bringen, darf man sich getrost fragen, was passiert, wenn diese Technologie in die falschen Hände, die der Bad Guys, gerät? Die Weiterentwicklung des Internets und die Fortschritte beim Computing haben uns in die Lage versetzt auch für komplexe Probleme exakte Lösungen zu finden. Von der Astrophysik über biologische Systeme bis hin zu Automatisierung und Präzision. Allerdings sind alle diese Systeme inhärent anfällig für Cyber-Bedrohungen. Gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der Innovationen im kommen und gehen muss Cybersicherheit weiterhin im Vordergrund stehen. Insbesondere was die durch das Internet der Dinge (IoT) erzeugte Datenflut anbelangt. Beim Identifizieren von Malware hat man sich in hohem Maße darauf verlassen, bestimmte Dateisignaturen zu erkennen. Oder auf regelbasierte Systeme die Netzwerkanomalitäten aufdecken.

DDoS-Angriffe nehmen weiter Fahrt auf

DDoS-Attacken nehmen in Anzahl und Dauer deutlich zu, sie werden komplexer und raffinierter. Darauf machen die IT-Sicherheitsexperten der PSW Group unter Berufung auf den Lagebericht zur IT-Sicherheit 2018 des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aufmerksam. Demnach gehörten DDoS-Attacken 2017 und 2018 zu den häufigsten beobachteten Sicherheitsvorfällen. Im dritten Quartal 2018 hat sich das durchschnittliche DDoS-Angriffsvolumen im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt. Durchschnittlich 175 Angriffen pro Tag wurden zwischen Juli und September 2018 gestartet. Die Opfer waren vor allem Service-Provider in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz: 87 Prozent aller Provider wurden 2018 angegriffen. Und bereits für das 1. Quartal dieses Jahres registrierte Link11 schon 11.177 DDoS-Angriffe.

Fluch und Segen des Darkwebs

Strengere Gesetzesnormen für Betreiber von Internet-Plattformen, die Straftaten ermöglichen und zugangsbeschränkt sind - das forderte das BMI in einem in Q1 2019 eingebrachten Gesetzesantrag. Was zunächst durchweg positiv klingt, wird vor allem von Seiten der Bundesdatenschützer scharf kritisiert. Denn hinter dieser Forderung verbirgt sich mehr als nur das Verbot von Webseiten, die ein Tummelplatz für illegale Aktivitäten sind. Auch Darkweb-Plattformen, die lediglich unzugänglichen und anonymen Speicherplatz zur Verfügung stellen, unterlägen der Verordnung. Da diese nicht nur von kriminellen Akteuren genutzt werden, sehen Kritiker in dem Gesetzesentwurf einen starken Eingriff in die bürgerlichen Rechte. Aber welche Rolle spielt das Darkweb grundsätzlich? Und wie wird sich das "verborgene Netz" in Zukunft weiterentwickeln? Sivan Nir, Threat Analysis Team Leader bei Skybox Security, äußert sich zu den zwei Gesichtern des Darkwebs und seiner Zukunft.

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