Rubrik: Produkte/Hintergrund

Digitale Langzeitarchivierung im Gesundheitswesen

Kompetenznetzwerk "nestor" zeigt Probleme und Lösungsmöglichkeiten

(23.12.05) - In Deutschlands Krankenhäusern, Arztpraxen, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen werden jedes Jahr rund 5 Milliarden neue Dokumente erzeugt, deren langfristige Archivierung geschätzte 2,5 Milliarden Euro jährlich kostet. Gesetzliche Vorgaben regeln, wie lange die Dokumente verfügbar sein müssen. Digital erfasste Daten werden seit einigen Jahren mit elektronischen Signaturen versehen, um ihre Rechts- und Revisionssicherheit zu gewähren. Genau wie ihre Vorgänger in den Aktenschränken werden diese digitalen Unterlagen teilweise 30 Jahre und länger aufbewahrt und unterliegen dabei auch den gleichen Auflagen und Vorschriften.

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Prof. Dr. Paul Schmuecker, Informatiker an der Hochschule Mannheim im Fachbereich Medizini-sche Informatik, erläutert die Probleme, die bei der Langzeitarchivierung digitaler Daten im Gesundheitswesen entstehen, auf der Fachkonferenz zum Thema Rechtssicherheit elektronischer Archive, die am 13. Dezember 2005 in Berlin statt fand: "Wir erzeugen elektronische Signaturen mit Hilfe sogenannter kryptographischer Algorithmen, die ihre Sicherheitseignung relativ schnell verlieren können. Die Signaturen müssen immer wieder aufgefrischt werden, damit sie mit neueren Rechnern nicht manipuliert werden können. Signaturzertifikate müssen bei Zertifizierungsdienste-anbietern besorgt und gespeichert werden, weil die Zertifikate nur zeitlich begrenzt prüfbar sind. Gerade bezüglich der Signaturerneuerung und der Verifikationsdaten sind aber die verfügbaren Signaturstandards noch völlig unzureichend."

Im Rahmen des Forschungsprojekts "ArchiSig" (http://www.archisig.de), an dem Prof. Dr. Schmuecker für die Hochschule Mannheim als Projektpartner beteiligt ist, wurde eine wirtschaft-liche Lösung zur automatisierten Verwaltung der digitalen Signaturen entwickelt, mit der die rechtliche Anerkennung der Daten langfristig gesichert werden kann. Die Herausforderung besteht nach Einschätzung Schmückers vor allem im gewaltigen Volumen der digitalen Dokumente und in ihrer Heterogenität: "In den Krankenhäusern liegen inzwischen geschätzte 20 bis 40 Prozent der Patientendaten in digitaler Form vor und die Dateien decken praktisch das ganze Spektrum gebräuchlicher Formate ab. Unsere Lösungen müssen deshalb prinzipiell auf allen Oberflächen programmübergreifend einsetzbar sein."

Zu einer Fachkonferenz war die interessierte Öffentlichkeit ins Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Berlin eingeladen. Details zu Programm, Vorträge und Bilder stehen online unter http://www.informatik.hs-mannheim.de/FachkonferenzBMWA/. Schwerpunkte der Konferenz waren neben aktuellen Entwicklungen im computergestützten Dokumentenmanagement und rechtlichen Aspekten in der digitalen Archivierung auch die Ergebnisse aus dem Projekt "ArchiSig" sowie aus den Nachfolgeprojekten, in denen beispielsweise Pilotsysteme für die Anwendung der Archivlösungen realisiert wurden (z.B.Transidoc: "Rechtssichere Transformation signierter Dokumente", ArchiSafe Langzeitarchivierung).

Schmücker hebt insbesondere die wachsende Bedeutung von Standards für elektronische Signaturen im Gesundheitswesen hervor: "Die Signaturen wurden erst seit 2001 überhaupt gesetzlich reguliert. Wir müssen jetzt dringend die Defizite in der Standardisierung beseitigen." ArchiSig hat deshalb nationale und internationale Initiativen ins Leben gerufen, mit deren Hilfe diese Lücken geschlossen werden sollen. Mit einer nicht-kommerziellen Plattform für den interdiszipli-nären Austausch von Erfahrungen auf allen organisatorischen Ebenen und in allen Bereichen der langfristigen elektronischen Datenverarbeitung und -speicherung gibt das "nestor"-Kompetenz-netzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung (http://www.langzeitarchivierung.de).

Ärzten und Verwaltungsmitarbeitern aus dem Gesundheitswesen Gelegenheit, sich frühzeitig mit Anforderungen, Aufgabenstellungen und Lösungsmöglichkeiten bei der Langzeitarchivierung zu befassen. Das Projekt "nestor" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und hat die vorrangige Aufgabe, ein Problembewusstsein für Langzeitarchivierung zu schaffen und Informationen, Materialien, Verfahren guter Praxis und technologische sowie prozessuale Standards zu sammeln und zu dokumentieren. (nestor: ra)

 
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