Rubrik: Virenwarnung/Statistiken

Cyber-Kriminelle rüsten auf: Immer mehr konvergente Attacken

MessageLabs veröffentlicht Intelligence Report für das zweite Quartal 2006

(12.07.06) - MessageLabs gibt die Ergebnisse ihres Intelligence Report für Juni und das zweite Quartal 2006 bekannt: Spam-Mails holen seit dem letzten Monat wieder auf (Anstieg um 6,9 Prozentpunkte auf derzeit 64,8 Prozent aller E-Mails); Viren und Phishing-Attacken kehren traditionellen Verbreitungsmethoden immer deutlicher den Rücken und wenden sich gezielteren Ansätzen zu. Darüber hinaus zeichnet sich ein Trend hin zu mehr Konvergenz ab: So verschmelzen derzeit nicht nur E-Mail, Instant Messaging und Internet als Verbreitungskanäle für Malware. Auch bisher zumeist getrennte Techniken mit unterschiedlichem Ziel (Angriff, Datenspionage etc.) wie Spyware, Spam, Viren oder Phishing gehen zunehmend ineinander über. So suchen Cyber-Kriminelle nach immer effizienteren Wegen, ihre Ziele zu erreichen.

Anzeige

"In Kombination mit immer ausgeklügelteren Techniken stellt die zunehmende Konvergenz von über E-Mail, Web und IM verbreiteten Gefahren eine interessante neue Entwicklung dar. In der Vergangenheit transportierten Mails die schädlichen Inhalte noch unmittelbar als Anhang. Mittlerweile enthalten jedoch immer mehr Nachrichten gefährliche Links zu Websites, die für einen automatischen Download von Schad- oder Spionageprogrammen sorgen. So entpuppt sich eine völlig harmlos erscheinende E-Mail im Nu als handfeste Internet-Attacke“, erläutert Mark Sunner als Chief Technology Officer (CTO) von MessageLabs die aktuelle Situation und ergänzt: "Genau wie wir früher die Urheber von Spam und Viren als zwei getrennte Akteure betrachtet haben, die ihre Kräfte dann in kürzester Zeit gebündelt haben, ergänzt nun Spyware diese Gefahrenkombination. Beispielsweise sehen wir immer deutliche Anzeichen, dass Spammer vermehrt auf Spionage-programme zurückgreifen, um ihre Kampagnen effektiver zu gestalten. Das stellt Unternehmen vor die zunehmend komplexe Herausforderung, ihre Geschäftsdaten und ihr geistiges Eigentum zu schützen, ohne damit die Vorteile einer modernen Mitarbeiterkommunikation aufs Spiel zu setzen."

Spam: Im Juni stieg der Anteil von Spam am gesamten E-Mail-Traffic gegenüber dem Vormonat um 6,9 Prozentpunkte auf 64,8 Prozent. Eine von 1,54 Mails war betroffen. Für das zweite Quartal betrug die Spam-Rate insgesamt 60,4 Prozent - ein Wert, der in etwa auf dem Niveau des ersten Quartals, aber mit 7,8 Prozentpunkten deutlich unter dem Vergleichszeitraum 2005 liegt. Allerdings wurde im Juni nun wieder ein deutlicher Anstieg verzeichnet.

Die Erhebungen und Analysen von MessageLabs belegen, dass Urheber von Spam-Mails sich verstärkt neuen Medien zuwenden: Der Rückgriff auf Mobile Text Messaging (SMS/MMS), Web-basierende IM-Anwendungen, Weblogs und offene Internet-Communities wie MySpace.Com dient insbesondere dazu, auf E-Mail-Nachrichten ausgerichtete Anti-Spam-Filter zu umgehen und die Empfänger selektiv je nach Alter, Wohnort oder anderen persönlichen Eigenschaften zu adressieren. Diese Entwicklung ist für viele IT-Verantwortliche ein Anlass zur Sorge. Immerhin geht es darum, die unternehmensweite Internetnutzung besser abzusichern und zu kontrollieren, ohne jedoch mit allzu strengen Sicherheitsrichtlinien die Kommunikationsmöglichkeiten von Mitarbeitern einzuschränken.

Viren: Gegenüber dem Vormonat Mai sank die weltweite Viren-Quote um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent. Eine von 101 an gültige Empfänger adressierten E-Mails, die aus unseriösen Quellen neuer oder bis dato unbekannter Art stammten, war verseucht. In den Monaten April bis Juni 2006 betrug die Viren-Quote 1,5 Prozent oder 1 zu 68 - ein Rückgang von 0,7 Prozentpunkten gegenüber dem ersten Quartal 2006 und ein Minus von 1,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vergleichszeit-raum des Vorjahres. Trotz dieses Abwärtstrends sieht MessageLabs keinen Grund zur Entwarnung. Denn die Analysen ergaben eine Versechsfachung der zwar weiterhin seltenen, aber hochgradig gezielten Trojaner-Attacken, die speziell auf unternehmenskritische Daten ausgerichtet sind. Waren vor einem Jahr noch ein oder zwei solcher Angriffe pro Woche zu konstatieren, so ist es nun ungefähr einer am Tag.

Phishing: Im Juni 2006 sank der Anteil der Phishing-Angriffe gegenüber dem Vormonat um 0,12 Prozentpunkte auf 0,19 Prozent. Das heißt, eine von 531 E-Mails enthielt einen Phishing-Versuch. Für das zweite Quartal betrug der entsprechende Anteil 0,26 Prozent oder 1 zu 377,4 - ein leichtes Minus gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres (mit einer Phishing-Quote von 0,28 Prozent und einer aus 356 E-Mails). Unabhängig von dieser rückläufigen Tendenz erweisen sich die entdeckten Phishing-Attacken jedoch als zunehmend fokussiert: Immer mehr Cyber-Kriminelle verlagern ihr Augenmerk von der Virenprogrammierung offenbar auf die Spionage von Passwörtern. Ein Beleg für diese These ist der im Quartalsvergleich um 6,5 Prozent gestiegene Anteil von Phishing-Attacken an allen per E-Mail verbreiteten Gefahren. Im zweiten Quartal entfielen 18,6 der als schädlich einzustufenden Mails auf Phishing-Angriffe. Darüber hinaus zeigen die Analysen, dass herkömmliche "Schrotflinten“-Techniken, bei denen eine breite Streuung erzielt wird, weiterhin an Bedeutung verlieren: Mails werden zusehends subtiler und gezielter versendet.

Regionale Trends:

·         Am stärksten zurückgegangen ist die Viren-Belastung im Juni 2006 in Deutschland, obwohl das Land wegen der Fußball-Weltmeisterschaft im Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit stand.

·         In Folge des Ausbruchs von Nyxem D im Februar bleibt Indien das Land der Erde, das am meisten unter Viren-Angriffen zu leiden hat. Der Subkontinent führt dieses Ranking nun bereits im vierten Monat hintereinander an.

·         Israel bleibt das weltweit beliebteste Spamming-Ziel. Im Juni entfielen dort 75,9 Prozent des E-Mail-Verkehrs auf solche unerwünschten Nachrichten - eine Zunahme um 11,9 Prozent gegenüber Mai.

·         Den stärksten Anstieg im Berichtsmonat hatte Irland zu verzeichnen, wo die Spam-Quote um 14,1 Prozent auf 59,4 Prozent stieg.

·         Den signifikantesten Rückgang erlebte Spanien, wo im Juni "nur“ noch 24,8 Prozent aller E-Mails auf Spam entfielen.

Branchentrends:

·         Zum zweiten Mal in Folge führen Chemie- und Pharma-Unternehmen das Ranking der Branchen an, die am stärksten unter Spam-E-Mails zu leiden haben. Deren Anteil legte in dieser Industrie noch einmal um 11,1 Prozent zu.

·         Nahezu alle Branchen hatten im Juni steigende oder weitgehend unveränderte Spam-Quoten zu verzeichnen. Einzige Ausnahme war der öffentliche Sektor mit einem Rückgang um 0,3 Prozent.

·         Anbieter unternehmensbezogener Dienstleistungen hatten im Berichtsmonat die höchste Viren-Belastung aller Branchen und einen Anstieg des gefährlichen E-Mail-Verkehrs um 7,8 Prozent zu verzeichnen. Mit einem Minus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Mai erlebte derweil der Bildungssektor den deutlichsten Rückgang virenverseuchter Mails.

(MessageLabs: ma)

 

 

 

 

Diesen Beitrag per E-Mail versenden Diesen Beitrag ausdrucken