- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Fachbeiträge » Grundlagen

Die Strategie der Cyberkriminellen


Cyberkriminelle und ihre psychologischen Tricks
Die häufigsten Social Engineering-Angriffe

- Anzeigen -





Von Christoph M. Kumpa, Director DACH & EE bei Digital Guardian

Social Engineering gilt heute als eine der größten Sicherheitsbedrohungen für Unternehmen. Im Gegensatz zu traditionellen Hacking-Angriffen können Social Engineering-Angriffe auch nicht-technischer Natur sein und müssen nicht zwingend eine Kompromittierung oder das Ausnutzen von Software- oder System-Schwachstellen beinhalten. Im Erfolgsfall ermöglichen viele Social-Engineering-Angriffe einen legitimen, autorisierten Zugriff auf vertrauliche Informationen.

Die Social Engineering-Strategie von Cyberkriminellen fußt auf starker zwischenmenschlicher Interaktion und besteht meist darin, das Opfer dazu zu verleiten, Standard-Sicherheitspraktiken zu missachten. Und so hängt der Erfolg von Social-Engineering von der Fähigkeit des Angreifers ab, sein Opfer so weit zu manipulieren, dass es bestimmte Aktionen ausführt oder vertrauliche Informationen preisgibt. Da Social-Engineering-Angriffe immer zahlreicher und raffinierter werden, sollten Organisationen jeder Größe eine intensive Schulung ihrer Mitarbeiter als erste Verteidigungslinie für die Unternehmenssicherheit betrachten.

Trickbetrüger des digitalen Zeitalters
Social Engineering-Angreifer sind letztlich eine moderne Spielart der klassischen Trickbetrüger. Häufig verlassen sich diese Kriminellen auf die natürliche Hilfsbereitschaft von Menschen: Zum Beispiel rufen sie bei ihrem Opfer an und geben ein dringendes Problem vor, das einen sofortigen Netzwerkzugang erfordert.

Social Engineering-Angreifer nutzen gezielt bestimmte menschliche Schwächen wie Unsicherheit, Eitelkeit oder Gier aus und verwenden Informationen, die sie aus Lauschangriffen oder dem Ausspionieren sozialer Medien gewonnen haben. Dadurch versuchen sie, das Vertrauen autorisierter Benutzer zu gewinnen, damit ihre Opfer sensible Daten preisgeben, mit Malware infizierte E-Mail-Anhänge öffnen, oder sie deren Zugangsdaten für Computernetzwerke oder Datenspeicher stehlen können. Auch durch den Aufbau eines Schreckensszenarios wie einem angeblichen Sicherheitsvorfall können sie ihre Zielperson dazu bewegen, beispielsweise als Antiviren-Software getarnte Malware zu installieren und auszuführen.

Häufige Social Engineering-Methoden im Überblick
Technologielösungen wie E-Mail-Filter, Firewalls und Netzwerk- oder Daten-Überwachungs-Tools helfen zwar, Social Engineering-Attacken abzuschwächen, doch eine gut geschulte Belegschaft, die in der Lage ist, Social Engineering zu erkennen, ist letztlich die beste Verteidigung gegen diese Art Angriffe. Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter deshalb umfassend über die gängigen Arten von Social-Engineering aufklären.

Im Folgenden daher ein Überblick zu verschiedenen Angriffstechniken, deren Übergänge teilweise fließend sind und von Kriminellen auch in Kombination eingesetzt werden.

Pretexting: Geschicktes Vortäuschen falscher Tatsachen
Beim Pretexting schützt ein Angreifer geschickt falsche Tatsachen vor, um ein Opfer dazu zu bringen, ihm Zugang zu sensiblen Daten oder geschützten Systemen zu gewähren. Beispielsweise gibt ein Krimineller vor, Bankdaten zu benötigen, um die Identität des Empfängers zu bestätigen. Oder er tarnt sich als Mitarbeiter der IT-Abteilung, um sein Opfer dazu zu verleiten, Login-Daten preiszugeben oder einen Computerzugang zu gewähren.

Baiting: Der physische Köder
Angreifer führen Köderangriffe durch, indem sie ein mit Malware infiziertes Gerät wie ein USB-Flash-Laufwerk, an einem bestimmten Ort im Unternehmen zurücklassen, an dem es wahrscheinlich gefunden wird. Wenn ein Mitarbeiter den Datenträger mit seinem Computer verbindet, um beispielsweise zu sehen, was sich darauf befindet, wird der Rechner heimlich mit Malware infiziert. Einmal installiert, erlaubt die Malware dem Angreifer, in das System des Opfers einzudringen.

Tailgating: Den Angreifer im Rücken
Der Begriff Tailgating (Tailgate = Heckklappe) erinnert an Krimiszenen, bei denen der Protagonist bei der Autofahrt einen Verfolger im Rückspiegel entdeckt, der ihm quasi an der Heckklappe klebt. Tailgating ist eine weitere physische Social Engineering-Technik, um an wertvolle, vertrauliche Informationen zu gelangen: Ein Beispiel wäre ein Unbefugter, der autorisierten Personen an einen ansonsten gesicherten Ort folgt, indem er vorgibt, seine Zugangskarte vergessen zu haben. Auch kann der Angreifer sein Opfer darum bitten, ihm kurz dessen Telefon oder Laptop auszuleihen, um eine einfache Aufgabe zu erledigen, und stattdessen Malware auf dem Gerät installiert oder sensible Daten stiehlt.

Quid pro quo-Angriff: Das Locken mit einer Gegenleistung
Bei einem Quid pro quo (lat.: "dies für das") -Angriff locken Cyberkriminelle ihre Opfer mit einer Gegenleistung oder Entschädigung, um sensible Informationen zu ergaunern. Beispielsweise erzählen Angreifer am Telefon, eine offizielle Umfrage durchzuführen, und bieten für die Teilnahme Geschenke an. Hier gilt als Faustregel: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist gesundes Misstrauen geboten.

Phishing: Von gefälschten Geschäftsemails bis zum vermeintlichen Spendenaufruf
Bei einem Phishing-Angriff tarnen Cyberkriminelle sich als vertrauenswürde Quelle und nehmen eine betrügerische Kommunikation mit ihrem Opfer auf, um es dazu zu verleiten, Malware zu installieren oder persönliche, finanzielle oder geschäftliche Informationen herauszugeben. E-Mail ist der beliebteste Vektor für Phishing-Angriffe, aber Phishing kann auch Chat-Anwendungen, Social Media, Telefonanrufe (auch Vishing oder Voice Phishing genannt) oder gefälschte Websites verwenden. Einige besonders perfide Phishing-Angriffe täuschen gezielt wohltätige Zwecke vor dem Hintergrund aktueller Naturkatastrophen oder anderen tragischen Vorfällen vor. So nutzen sie den guten Willen ihrer Opfer aus, um durch einen Spendenaufruf an persönliche Daten oder Zahlungsinformationen gelangen.

Watering-Hole-Attacke
Bei einer Watering-Hole-Attacke (Auflauern am Wasserloch) wählt der Angreifer sorgfältig eine bestimmte Website aus, von der er weiß, dass seine Opfer diese häufig besuchen, und infiziert die Homepage mit Malware. Zielpersonen sind meist Mitarbeiter von großen Unternehmen oder Regierungsstellen. Ein Beispiel wäre die Webseite eines lokalen Restaurants, in denen Mitarbeiter ihre Pause verbringen, beispielweise regelmäßig das Tages- oder Wochenangebot abrufen oder den Lieferservice in Anspruch nehmen.

Spear-Phishing: Gezieltes Ausspähen und Angreifen eines Opfers
Spear-Phishing ist eine sehr gezielte Art von Phishing-Angriff, die sich auf eine bestimmte Person oder Organisation konzentriert. Spear Phishing-Angriffe verwenden persönliche Informationen, die spezifisch auf das Opfer zugeschnitten sind, um Vertrauen zu gewinnen und besonders legitim zu erscheinen. Oftmals werden diese Informationen aus den Social Media-Accounts der Opfer oder anderen Online-Aktivitäten entnommen. Durch die Personalisierung ihrer Phishing-Taktiken haben Spear-Phisher höhere Erfolgsquoten, wenn es darum geht, ihre Opfer dazu zu bringen, Zugang zu Systemen gewähren oder sensible Informationen wie Finanzdaten oder Geschäftsgeheimnisse preiszugeben.

Social Engineering ist eine anhaltende Bedrohung für viele Organisationen. Mitarbeiterschulungen sind deshalb die erste und wichtigste Maßnahme, um zu verhindern, dass Unternehmen Opfer von Angreifern werden, die immer ausgefeiltere Methoden einsetzen, um Zugang zu sensiblen Daten zu erhalten. Durch Sensibilisierung der Mitarbeiter in Kombination mit entsprechenden Security- und Datensicherheitstechnologien kann dieses Risiko erheblich minimiert werden.
(Digital Guardian: ra)

eingetragen: 05.04.19
Newsletterlauf: 06.05.19

Digital Guardian: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Grundlagen

  • Fachkräfte im Bereich Cybersicherheit

    Laut einer im Herbst letzten Jahres von der (ISC)² veröffentlichten Studie beläuft sich der Mangel an Fachkräften im Bereich Cybersicherheit derzeit auf nahezu 3 Millionen weltweit. Der Befund an sich ist nicht überraschend, allerdings klafft die Schere immer weiter auseinander. Unterbesetzte IT- und IT-Sicherheitsabteilungen auf der einen Seite, und eine sich in Art und Umfang rasant weiter entwickelnde Bedrohungslandschaft auf der anderen. Gut ausgebildete IT-Sicherheitsfach- und Führungskräfte sind Mangelware und selten lange auf Jobsuche. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist beträchtlich. Die Folgen bekommen Unternehmen täglich zu spüren.

  • Security-GAU: Advanced Persistent Threats

    Moderne Hackerangriffe werden immer komplexer und überfordern damit herkömmliche Lösungen für Endpoint- und Netzwerksicherheit. Zwar ist Ransomware die Wahl für Cyberkriminelle die schnellen Bitcoins hinterherjagen, Sicherheitsverantwortliche fürchten heute jedoch viel mehr Advanced Persistent Threats (APTs). Denn diese bleiben im schlimmsten Fall jahrelang unentdeckt und ermöglichen Cyberkriminellen über lange Zeit hinweg umfangreiche Datenmengen zu stehlen und geben ihnen dauerhaft Zugriff auf sensible Dateien wie Produktionspläne, Entwicklungsberichte, Kommunikationsdaten oder Sitzungsprotokolle. Eine ständige Analyse des Datenverkehrs im Netzwerk kann jedoch auch solche Angriffe aufdecken.

  • Mit UEBA die Sicherheit der IT erhöhen

    Das Verhältnis von erfolgreichen und nicht erfolgreichen Cyberangriffen auf Unternehmen schätzen Experten auf 80 zu 20 ein. Und nein, die Zahlen sind keinesfalls verdreht: Experten gehen tatsächlich davon aus, dass viermal so viele Angriffe erfolgreich sind, wie abgewehrt werden. Zwar werden erfolgreiche Cyberbangriffe auf Organisationen jeder Art in den Schlagzeilen tagtäglich publik und man sollte meinen, diese seien die Ausnahme. Tatsächlich stellen diese Angriffe jedoch nur die sichtbare Spitze des Eisbergs dar. Dies gibt zu denken, geben Unternehmen doch jährlich Milliarden für den Schutz ihrer IT aus, deren Abwehrstrategien auf Prävention und reaktionäres Management von Bedrohung basieren. Und es muss die Frage gestellt werden, ob diese eingesetzten Sicherheitsprodukte denn überhaupt noch geeignet sind, vor heutigen Cyberattacken schützen zu können. Denn eines ist sicher: die derzeitigen Cyberbedrohungen entwickeln sich ständig weiter - und die IT-Security muss mit ihnen Schritt halten. Doch wie kann die IT-Security ihren Rückstand aufholen?

  • Die Strategie der Cyberkriminellen

    Social Engineering gilt heute als eine der größten Sicherheitsbedrohungen für Unternehmen. Im Gegensatz zu traditionellen Hacking-Angriffen können Social Engineering-Angriffe auch nicht-technischer Natur sein und müssen nicht zwingend eine Kompromittierung oder das Ausnutzen von Software- oder System-Schwachstellen beinhalten. Im Erfolgsfall ermöglichen viele Social-Engineering-Angriffe einen legitimen, autorisierten Zugriff auf vertrauliche Informationen. Die Social Engineering-Strategie von Cyberkriminellen fußt auf starker zwischenmenschlicher Interaktion und besteht meist darin, das Opfer dazu zu verleiten, Standard-Sicherheitspraktiken zu missachten. Und so hängt der Erfolg von Social-Engineering von der Fähigkeit des Angreifers ab, sein Opfer so weit zu manipulieren, dass es bestimmte Aktionen ausführt oder vertrauliche Informationen preisgibt. Da Social-Engineering-Angriffe immer zahlreicher und raffinierter werden, sollten Organisationen jeder Größe eine intensive Schulung ihrer Mitarbeiter als erste Verteidigungslinie für die Unternehmenssicherheit betrachten.

  • IAM eine der grundlegenden Sicherheitsmaßnahme

    Wenn man die Analogie zum Fußball bemühen will, dann hat der Erfolg einer IT-Sicherheitsabteilung maßgeblich mit einer guten Verteidigung zu tun. Es kommt darauf an, dass die Abwehr geschlossen steht und der Gegner am besten gar nicht erst zum Schuss oder auch nur in eine dafür geeignete Position gelangt. Die beste Voraussetzung für einen Sieg. Ein Bild, dass sich durchaus auf den Datenschutz und das Zusammenwirken unterschiedlicher Sicherheitsebenen übertragen lässt. Im Idealfall hält ein mehrschichtiger Sicherheitsansatz Cyberkriminelle davon ab "ein Tor zu machen" - sprich in ein Netzwerk vorzudringen, an Unternehmensdaten zu gelangen, diese zu entwenden und zu missbrauchen.