- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Fachbeiträge » Grundlagen

Datenschutz und Cyberattacken


Cybercrime im 21. Jahrhundert: Reine Verteidigung hinkt hinterher
Absolute Sicherheit wird es nie geben. Dafür aber Angreifer, die entweder selbst die erforderlichen Ressourcen für einen Zero-Day-Exploit haben oder sie sich beschaffen können


- Anzeigen -





Von Andy Green, Varonis

Auch wenn es selten vorkommt, es kommt vor: Themen wie Datenschutz und Cyberattacken haben es nicht nur in die Schlagzeilen der Tageszeitungen und abendlichen Nachrichtensendungen geschafft. Mittlerweile beschäftigen sich sogar Talkshow-Gäste mit genau diesen Themen. John Carlin ist Assistant Attorney General for National Security, und hat in der seit 1991 über den Äther gehenden Bloomberg-Talkshow Charlie Rose über Cyberspionage, die Verbreitung von Attacken, Insiderbedrohungen und Prävention gesprochen. Selbst für diejenigen unter den Zuschauern, die nicht gerade in der IT- und Informationssicherheit beschäftigt sind, dürften seine Aussagen auch außerhalb der USA einige Aha-Erlebnisse ausgelöst haben.

Carlin erläuterte glaubwürdig, wie sich intelligente Systeme weiterentwickelt haben, um Angriffe und ihre Ursprünge zurückzuverfolgen. Man kann sich das bildlich auf einem überdimensionalen Bildschirm vorstellen, der laufende Attacken und Bedrohungen in Echtzeit samt ihrer Herkunft aus Übersee darstellt. Wie die Angriffswellen sich beispielsweise zunächst gegen eine bestimmte Stadt richten und sich von dort aus weiter fortpflanzen. Carlin sagte außerdem, dass die US-Geheimdienste mit einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Russland für den DNC-Hack und Nordkorea für den Angriff auf Sony verantwortlich waren. Eine verhältnismäßig neue Strategie ist es, diese Erkenntnisse, wenn sie als gesichert gelten, öffentlich zu machen und die Verantwortlichen zu benennen.

Das Wesen der Cyber-Wirtschaft
Das ist laut Carlin durchaus als Botschaft an die Welt gemeint á la: "Sie gehen vielleicht davon aus, dass alle diese Attacken anonym sind. Nein, das sind sie nicht." Und ein Staat hat Möglichkeiten zu reagieren. Entweder mit Strafverfolgung oder mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen bestimmte Staaten und Regierungen, die zweifelsfrei als Urheber von Angriffen identifiziert wurden. Cyberspionage hat also ihren Preis. Unter Umständen ist es selbst für Unternehmen keine schlechte Strategie die Öffentlichkeit zu suchen oder entsprechende Informationen zumindest bei staatlichen Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden zur Kenntnis zu bringen. Auch wenn es sich nicht um den Angriff eines Staates oder einer Regierung handelt. Selbst wenn Strafverfolgung und Beweisführung eher mühsam sein sollten und vielleicht erfolglos bleiben, Öffentlichkeit herzustellen sendet eine wirksame Botschaft.

Das passt zu Carlins Credo, Hacking müsse so teuer wie möglich werden. Möchtegern-Hacker und "Script Kiddies" verursachen in den USA noch immer mehr als 80 Prozent aller Datenschutzvorfälle. Überraschend auch der enorme Umfang in dem Wissenskapital durch Cyberspionage und digitale Wirtschaftskriminalität in den USA abhanden kommt. In Deutschland sieht das nicht weniger erschreckend aus, wie unter anderem eine Studie von KPMG 2014 ergeben hat.

Carlin beschreibt beispielsweise einen Vorfall, bei dem ein Angreifer in staatlichem Auftrag die Preisstruktur eines amerikanischen Solartechnologie-Unternehmens ausspionieren konnte. Die Folge: Die betreffenden Firmen boten ihre eigenen Produkte im lokalen Markt zu Dumping-Preisen an. Noch während das Unternehmen sich an die zuständige Strafverfolgungsbehörde wandte, wurden dann noch die Dokumente mit der kompletten Prozessstrategie gehackt. Kein unwesentlicher Vorteil für die gegnerische Partei.

Insider und Zugriffsberechtigungen
Für die meisten Unternehmen ist es jedoch ungleich wahrscheinlicher, dass sich ein Insider mit unlauteren Absichten in den Besitz von Wissenskapital oder vertraulichen Informationen bringt, als in die Fänge eines staatlichen Hackers zu geraten. Schenkt man Carlin Glauben sind Insiderbedrohungen ein äußerst diffiziles Problem und zwar für jeden.

Sein Rat: "Sich ausgerechnet gegen diejenigen zu verteidigen, denen man eigentlich vertrauen sollte, ist eine der schwierigsten Herausforderungen überhaupt. Gleichzeitig sind Insiderbedrohungen etwas mit dem sich Privatwirtschaft und Industrie ernsthaft auseinandersetzen sollten. Das bedeutet im Umkehrschluss, Firmen müssen in der Lage sein, alle potenziellen Veränderungen im Nutzerverhalten zu überwachen, die gegebenenfalls auf einen Insider verweisen. Gleichzeitig sollten Unternehmen ihre Systeme so aufsetzen, dass eine einzige Person niemals auf sämtliche Ressourcen zugreifen kann ..."

Will man sich gegen Insiderbedrohungen schützen, hilft es das Benutzerverhalten kontinuierlich zu beobachten und im Hinblick auf Abweichungen und Anomalien zu überwachen. Wenn es darum geht, dass entweder ein Staat oder eine kriminelle Gruppierung in ein mit dem Internet verbundenes Netzwerk gelangen wollen, wird ihnen das in aller Regel gelingen. Daran lässt Carlin keinen Zweifel. Hier hinken die Verteidigungsmechanismen den Möglichkeiten der Angreifer hinterher. Langfristig betrachtet ist Carlin durchaus optimistisch, was allerdings die nähere Zukunft anbelangt, sollte man es Hackern so schwer wie möglich zu machen an sensible Informationen und Daten zu gelangen. Daten und Informationen, die sich zu Geld machen lassen. Eine dieser Strategien ist es, Datenschutzvorfälle in einem sehr frühen Stadium aufzudecken und den Umfang der Daten zu minimieren auf die ein Hacker potenziell zugreifen kann. Forensische Methoden sollten dazu beitragen, die Schuldigen schnell zu identifizieren und dingfest zu machen.

Varonis CEO, Yaki Faitelson, sagte: "Absolute Sicherheit wird es nie geben. Dafür aber Angreifer, die entweder selbst die erforderlichen Ressourcen für einen Zero-Day-Exploit haben oder sie sich beschaffen können. Und damit stehen ausreichend Mittel und Wege zur Verfügung um ins Innere eines Netzwerks zu gelangen. US Assistant Attorney General Carlin räumt gründlich auf mit der Idee einer unüberwindbaren Verteidigungslinie an der Netzwerkgrenze (die dann ohnehin kurz davor wäre, die betreffenden Systeme von der Internetverbindung abzuschneiden).

Für die weitaus meisten Firmen stellt sich eher die Frage, was man tun kann, um es Hackern so schwer wie möglich zu machen. Am besten so schwer, das der Zeitaufwand zu hoch wird. Die Erfahrung lehrt, dass es hilfreich ist, das Nutzerverhalten insbesondere die Zugriffsaktivitäten nahezu in Echtzeit zu überwachen. In vielen Fällen reicht das schon aus, um eine Attacke zu stoppen, bevor es den Angreifern gelingt Daten abzuziehen. Mit anderen Worten: Die Hacker haben es vielleicht bis ins Netzwerk geschafft, aber es gibt Methoden damit sie nicht wieder herauskommen (und die betreffenden Daten auch nicht).
(Varonis: ra)

eingetragen: 09.12.16
Home & Newsletterlauf: 23.12.16


Varonis: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Grundlagen

  • Sieben Punkte zur IoT-Security

    Das Internet der Dinge steckt immer noch in den Kinderschuhen, aber hat sich bereits einen Ruf als ausgewachsenes Sicherheitsrisiko gemacht. Ob Router, Drucker, Smart-TV, Spielzeug oder Waschmaschinen - vernetzte Geräte werden für Cyberkriminelle zum Werkzeug für illegales Krypto-Mining, DDoS-Angriffe bis hin zur Lösegelderpressung durch angedrohte Datenlöschung, wie im Fall des Spielzeugherstellers Spiral Toys. Dessen Datenleck machte 2017 Schlagzeilen, bei dem mehr als 800.000 Nutzer betroffen waren. Die IoT-Malware-Landschaft entwickelt sich stetig weiter, während die Sicherheitsvorkehrungen meist noch rudimentär sind. Das Anfang des Jahres entdeckte Botnet "Hide and Seek" bettet, im Gegensatz zur berüchtigten DDoS-Mirai-Malware, eine Vielzahl von Befehlen wie Datenexfiltration, Code-Ausführung und Interferenz mit dem Betrieb des Geräts ein. Die Sicherheitsrisiken im IoT-Bereich sind Großteils auf das rasante Tempo zurückzuführen, mit dem IoT-Devices weltweit implementiert werden - 20 Milliarden installierte Geräte sind nach Schätzungen von Gartner bis Ende 2020 zu erwarten. Im hart umkämpften Technologiesektor hat der Eifer, als erster mit erschwinglichen IoT-Geräten auf den Markt zu kommen, dazu geführt, dass viele Hersteller selbst einige der grundlegendsten Sicherheitsprinzipien zugunsten schneller Entwicklungszyklen außer Acht gelassen haben.

  • Implementierung einer Public Key Infrastructure

    Die digitale Transformation hat inzwischen eine Vielzahl von Branchen erreicht. Nicht zuletzt angetrieben durch die rasante Weiterentwicklung des Internet of Things (IoT) und die darin liegenden unternehmerischen Möglichkeiten. Wie etwa den, sich Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Richtig aufgesetzt haben IoT-Projekte das Potenzial, betriebliche Abläufe zu rationalisieren, neue Umsatzquellen zu erschließen und Dienstleistungen besser auf die Bedürfnisse der Kunden zuzuschneiden. So erheben und sammeln IoT-Geräte Unmengen von Daten, die Firmen analysieren und für sich nutzbar machen können. Dazu muss allerdings eines gewährleistet sein: Sowohl die Geräte als auch die Daten müssen vertrauenswürdig sein. Sonst hätte es wenig Sinn, sie aufwendig zu analysieren und zueinander in Beziehung zu setzen. Will man die ambitionierten Ziele der digitalen Transformation erreichen, braucht es zwingend eine Vertrauensbasis für IoT-Anwendungen. Eine Technologie, die sich in dieser Hinsicht bereits bewährt hat, wird hier zu einem der zentralen Bausteine: eine auf Best Practices basierende Public Key Infrastructure (PKI).

  • KI: Kein Ersatz für IT-Sicherheitsteams

    Ob Spear-Phishing, Ransomware oder Zero-Day-Exploits, Netzwerke sind ständig in Gefahr gehackt zu werden. Die wachsende Bedrohung geht einher mit immer komplexeren IT-Landschaften, mehr Daten und weniger IT-Personal. Um ihre Netzwerke unter diesen schwierigen Umständen effektiver zu schützen, setzen viele Unternehmen inzwischen auf Technologien wie KI-basierte Verhaltensüberwachung. Sie nutzt die Möglichkeiten von Datenanalyse und maschinellem Lernen um einen der größten Risikofaktoren im Netzwerk zu minimieren: den Benutzer. Nutzer sind die Einfallstore, die sensible Unternehmensdaten gefährden, sei es ein kompromittiertes Nutzerkonto im Netzwerk, ein Insider-Angriff oder unbedachtes Verhalten eines Mitarbeiters.

  • Cyber-Erpressung auf Bestellung

    CryptoLocker, GoldenEye, Locky, WannaCry - Ransomware hat mit der Geiselnahme von Dateien durch Verschlüsselung in den letzten Jahren eine beachtliche und unrühmliche Karriere hingelegt. Und da sich Kriminelle auch bei Digitalisierungstrends wie as-a-Service-Angeboten nicht lumpen lassen, hat die Untergrundökonomie mit Ransomware-as-a-Service (RaaS) rasch ein lukratives Geschäftsmodell für sich entdeckt, das in kürzester Zeit enormes Wachstum erlebt hat. Das Prinzip ist denkbar einfach - wie in der legalen Wirtschaft sind die Dienstleistungen ganz auf die Bedürfnisse einer möglichst breiten Kundschaft zugeschnitten: Auf Ransomware-as-a-Service-Plattformen können nun auch technisch wenig versierte Kriminelle ins Cyber-Erpressergeschäft einsteigen und sich von Schadware-Entwicklern die entsprechende Service-Leistung gegen Abgabe einer festen Gebühr oder einer Provision basierend auf den Lösegeldeinnahmen besorgen.

  • Investitionen in IT-Sicherheit legitimieren

    Wenn man so oft direkt mit unterschiedlichen Unternehmen und Menschen zu tun hat wie der Vertrieb, erkennt man schnell bestimmte Reaktionsschemata. Ebenso wie zuverlässig wiederkehrende Schwierigkeiten beim Implementieren von IT-Sicherheitsmaßnahmen. Den größten Teil unserer Zeit verbringen wir damit zu erläutern warum Cybersicherheit derart wichtig ist und wie ein Unternehmen von bestimmten Maßnahmen am besten profitiert. Trotzdem erhält man regelmäßig dieselben Antworten: "Ich verstehe absolut wovon Sie sprechen, und ich gebe Ihnen sogar Recht. Nur, wie soll ich die zusätzlichen Ausgaben gegenüber der Geschäftsleitung rechtfertigen?" Es gibt allerdings einige grundlegende Argumente die Kunden helfen, Sicherheitsansätze und Lösungen gegenüber der Geschäftsführung oder anderen Zeichnungsbefugten plausibel zu machen.