- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Hintergrund

So (un)sicher wird 2020 für industrielle Netzwerke


Das "I" in CISO wird in großen Industrieunternehmen verschwinden
Da IT und OT immer mehr als Einheit betrachtet werden, müssen Unternehmen sie entsprechend gemeinsam steuern sowie umfassend und übergreifend sichern



Von Dave Weinstein, Mit-Gründer und Chief Security Officer von Claroty

Die Bedrohungslage für OT-Systeme, kritische Infrastrukturen und industrielle Steuerungsanlagen wird sich auch 2020 im Vergleich zu 2019 kontinuierlich weiterentwickeln. Da diese Systeme dem öffentlichen Internet immer stärker ausgesetzt sind, wird es für Hacker immer einfacher, sie anzugreifen. Dies gilt nicht nur für staatlich unterstützte bzw. beauftragte Angreifer, sondern auch für Cyberkriminelle, die in erster Linie finanziell motiviert handeln.

Es ist zu befürchten, dass gerade staatlich gesteuerte Angreifer ihre Ziele genauer auswählen und ihre Spuren besser verwischen werden. Die Fälle, von denen in den Medien berichtet wird, dürften nur die Spitze des Eisberges darstellen. Aufgrund der kleinen Stichprobe (2019 gab es lediglich 12 hochkarätige Angriffe weltweit) ist es unmöglich, ein genaues Bild über die tatsächliche Bedrohungslage zu erhalten.

Hinzu kommt, dass die Überwachung der Systeme den privaten Betreibern obliegt und diesen steht es oftmals nicht frei, darüber zu berichten, was sie in ihren Netzwerken beobachten. Da nun immer mehr Betreiber anfangen, grundlegende Überwachungslösungen für OT-Netzwerke einzuführen, werden wir mehr bösartige Aktivitäten sehen. Die größten Bedrohungen dürften derzeit bereits unentdeckt in Unternehmensnetzwerken und kritischen Infrastrukturen "schlummern". Und ein Angreifer, insbesondere wenn es sich dabei um einen Staat handelt, wird seine feindlichen Aktivitäten in fremden Netzwerken nur dann offenbaren, wenn es aus geopolitischer Sicht strategisch sinnvoll ist.

Abschied vom CISO
Das "I" in CISO wird in großen Industrieunternehmen verschwinden. Da IT und OT immer mehr als Einheit betrachtet werden, müssen Unternehmen sie entsprechend gemeinsam steuern sowie umfassend und übergreifend sichern. Entsprechend wird (abgesehen vom Finanz- und reinen Dienstleistungssektor) die Idee eines CISOs der Vergangenheit angehören. Der (aktuelle) CISO übernimmt auch die Verantwortung für OT und damit wird die Rolle mehr beinhalten als "nur" die Sicherung von Informationen zu verantworten. Er wird zukünftig die komplette Sicherheitsverantwortung innehaben – inklusive der OT, denn ganz egal wo Technologie im Spiel ist, muss sie gesichert werden.

Stromversorgung unter Beschuss
Bereits im letzten Jahr haben wir prognostiziert, dass es weltweit zu keiner einzigen Stunde Ausfallzeit der Stromversorgung infolge von Cyberangriffen kommen wird. Nach heutigem Stand des Wissens trifft dies zu, und wir gehen davon aus, dass dies auch im Jahr 2020 der Fall sein wird. Zwar ist der Energiesektor aufgrund seiner grundsätzlichen Anfälligkeit und exponierten Situation einem enormen Risiko ausgesetzt und wird sicherlich auch 2020 Ziel zahlreicher Attacken sein, aber dennoch werden sich die Betreiber schadlos halten können. So wie beispielsweise ein Versorgungsunternehmen in Salt Lake City, das Anfang des Jahres einen Cyberangriff erleiden musste (der erste "offizielle" Angriff auf ein Versorgungsunternehmen), jedoch gelang es dem Betreiber auch hier, die Energieversorgung sicherzustellen.

Ransomware bleibt Thema
Es ist sicherlich keine gewagte Prognose, dass wir eine Zunahme der Übertragung von Ransomware aus dem IT-Netzwerk in die OT-Umgebung sehen werden. Sicherheitsverantwortliche von Produktionsbetrieben sollten sich hierüber ernste Gedanken machen. Wenn IT- und OT-Netzwerke unsegmentiert sind, dann könnte ein Angriff auf die IT leicht auch auf die OT-Umgebung übergreifen (Spillover-Effekt). Dabei sind in aller Regel die Auswirkungen für die OT wesentlich schwerwiegender als für die IT: Es ist wesentlich aufwändiger, eine Produktionslinie wiederherzustellen als die IT-Systeme etwa durch Backups wieder in Gang zu bekommen. Für betroffene Unternehmen stellt sich dann die Frage, wie viel Ausfallzeit sie bereit sind hinzunehmen, um die Zahlung eines Lösegelds zu vermeiden.

5G bringt neben Chancen auch Sicherheitsrisiken
Durch den Ausbau der 5G-Infrastruktur werden mehr Assets verbunden, was zu einer größeren Angriffsfläche führt. Immer mehr Städte und Gebäude werden kontinuierlich "smarter". Die 5G-Konnektivität wird Legacy-Systeme in Städten offenlegen, die damit neuen Bedrohungen ausgesetzt werden, und immer mehr vernetzte Gebäude und Fabriken sind an die selbe Infrastruktur angebunden. 5G wird damit das Feld der OT-Sicherheit in gleichem Maße vergrößern wie die IT/OT-Konvergenz, die Produktionsstätten und Fabriken großen Bedrohungen aussetzt.

Die Cloud stärkt die Sicherheit
Mit der zunehmenden Akzeptanz und Nutzung der Cloud werden auch die Möglichkeiten zunehmen, Kunden-OT-Daten zu bündeln und neu auftretende Bedrohungen schneller zu erkennen und zu adressieren – ohne dabei auf manuelle (und zeitintensive) Sicherheits-Updates angewiesen zu sein. (Claroty: ra)

eingetragen: 19.12.19
Newsletterlauf: 27.02.20

Claroty: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Zunahme von Angriffen mit JavaScript-Skimmern

    Im Jahr 2020 könnten es - laut Vorhersagen von Kaspersky - finanziell motivierte Cyberkriminelle vermehrt auf Apps zur Geldanlage, Systeme zur Verarbeitung von Finanzdaten online und aufstrebende Krypto-Währungen abgesehen haben. Zudem werden sich voraussichtlich der Handel mit Zugängen zur Infrastruktur von Banken und die Entwicklung neuer Varianten mobiler Malware basierend auf Sourcecode-Leaks etablieren. Neben den Bedrohungen im Finanzbereich hat Kaspersky im Rahmen ihres "Security Bulletins 2019/2020" auch mögliche Gefahren für andere Branchen prognostiziert.

  • Prognosen zur Anwendungssicherheit für 2020

    Veracode veröffentlichte vor kurzem die zehnte Ausgabe ihres jährlich erscheinenden "State of the Software Security" (SoSS)-Reports. In diesem beschreibt die Anwendungssicherheitsspezialistin, wie sich die Sicherheit von Software und Applikationen im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat und stellt eine Bilanz zum aktuellen Ist-Stand auf. Doch welche Trends zeichnen sich für die kommenden Jahre ab und auf welche Weise sollten Unternehmen auf die Veränderungen reagieren? Codes, auf denen Software und Applikationen aufbauen, werden stetig umgeschrieben oder erweitert, da Unternehmen ihre Angebote an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen müssen. Jede neue Veränderung bedeutet aber auch, dass die Applikationen dadurch angreifbar werden. Somit steigt das Risiko, dass sich Fehler und Bugs einschleichen und damit die Sicherheit der jeweiligen Anwendung - oder sogar des Unternehmens - gefährden.

  • So (un)sicher wird 2020 für industrielle Netzwerke

    Die Bedrohungslage für OT-Systeme, kritische Infrastrukturen und industrielle Steuerungsanlagen wird sich auch 2020 im Vergleich zu 2019 kontinuierlich weiterentwickeln. Da diese Systeme dem öffentlichen Internet immer stärker ausgesetzt sind, wird es für Hacker immer einfacher, sie anzugreifen. Dies gilt nicht nur für staatlich unterstützte bzw. beauftragte Angreifer, sondern auch für Cyberkriminelle, die in erster Linie finanziell motiviert handeln. Es ist zu befürchten, dass gerade staatlich gesteuerte Angreifer ihre Ziele genauer auswählen und ihre Spuren besser verwischen werden. Die Fälle, von denen in den Medien berichtet wird, dürften nur die Spitze des Eisberges darstellen. Aufgrund der kleinen Stichprobe (2019 gab es lediglich 12 hochkarätige Angriffe weltweit) ist es unmöglich, ein genaues Bild über die tatsächliche Bedrohungslage zu erhalten.

  • Cyberangriff auf wichtige Pfeiler der Gesellschaft

    Am Ende jedes Jahres setzen wir bei Forescout uns zusammen und erörtern, welche Trends sich unserer Meinung nach in den nächsten zwölf Monaten beschleunigen und welche neu entstehen werden. Als wir dieses Jahr mehr als 50 Prognosen auf letztendlich sechs eingrenzten, fiel uns einmal mehr auf, wie schnell sich der Cybersicherheitssektor doch verändert. Die Bedrohungen und Angreifer werden immer raffinierter und richten weiter verheerende Schäden in Unternehmen aller Größen und Branchen an, und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie strategischer denn je vorgehen müssen, wenn sie ihren Sicherheitsstatus verbessern wollen. Es bedeutet auch, dass sie sich mit vielversprechenden neuen Technologien auseinandersetzen müssen - einige davon erwähnen wir im Folgenden -, noch bevor diese sich allgemein etabliert haben. Dies umfasst sowohl die Einführung neuer Technologien als auch den Schutz neuer Geräte. Und schließlich bedeutet es, einige der Auswirkungen zu bedenken, die ein Cyberangriff auf wichtige Pfeiler unserer Gesellschaft haben könnte.

  • Cyberbedrohungen und Trends für 2020

    Von Passwort-Katastrophen bis hin zum verstärkten Krypto-Mining von Monero: Welche Cyberbedrohungen werden im Jahr 2020 auf uns zukommen? Instabilität der Darknet-Märkte: Die englischsprachigen Darknet-Märkte haben ein schwieriges Jahr hinter sich mit zahlreichen Takedowns, Exit-Scams, Verhaftungen, ungewöhnlichen Aktivitäten, bei denen Märkte an- und ausgeschaltet wurden, sowie anhaltenden DDOS-Angriffen. Diese Instabilität hat den Ruf der Darknet-Märkte geschädigt, und das wird 2020 beträchtliche Paranoia bei Cyberkriminellen auslösen, die sich wahrscheinlich nur langsam beruhigen wird. Diese Unvorhersehbarkeiten haben vielleicht keine nennenswerten sichtbaren Auswirkungen auf Endbenutzer und Unternehmen, können jedoch dazu führen, dass Märkte anderswo entstehen und die Lieferketten von Cyberkriminellen insbesondere im englischsprachigen Raum sehr durcheinanderbringen.