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Das Risiko gehackter Wahlen


Die kuriosesten Wahl-Hacks und die Bundestagswahl 2017
Bei der Bundestagswahl 2005 wurden zum ersten – und auch zum letzten Mal – in Deutschland Wahlcomputer eingesetzt



Seit es Wahlen gibt wird versucht, diese zu manipulieren. Wurde im alten Rom noch bestochen und gewaltsam eingeschüchtert, um Wahlen zu beeinflussen, eröffnet die Digitalisierung vollkommen neue Wege für Politikmanipulatoren – die sie auch eifrig nutzen, wie die Cyber-Angriffe vor den Präsidentschaftswahlen in den USA und Frankreich zeigen. Sind auch unsere Wahlen in Deutschland im September 2017 gefährdet?

Julian Totzek-Hallhuber, Solution Architect bei der Anwendungssicherheits-Spezialistin Veracode, zeigt im Folgenden einige kuriose Fälle von Politik-Hacking auf und geht näher auf die Gefahren für unsere anstehende Wahl ein:

Putins Cyberkrieger
FBI und CIA kommen zu dem Schluss, dass russische Hacker sich vor der US-Wahl mittels Phishing von Passwörtern Zugang zu Zehntausenden E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampf-Manager verschafften. Die Mails wurden anschließend auf WikiLeaks veröffentlicht. Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform, sagte, die Quelle der Dokumente sei keine staatliche Stelle. Für NSA-Direktor Mike Rogers ist die Situation dennoch klar: Russland steckt hinter der Online-Spionage, mit der Absicht die Wahl zu Gunsten Donald Trumps zu beeinflussen.

Angriffe auf das US-Wahlsystem sind nichts wirklich Neues
Im Juni 2016 haben Hacker persönliche Informationen von bis zu 200.000 Wählern in Illinois erbeutet. Die Cyber-Attacke auf eine Datenbank mit Informationen registrierter Wähler könne aus dem Ausland kommen, vermuteten damals die Verantwortlichen. Bereits 2006 konnten Mitarbeiter des Illinois Ballot Integrity Project (IBIP) in die Wählerdatenbank der Stadt Chicago eindringen, in der sich persönliche Daten von über 1,3 Millionen wahlberechtigten Bürgern befanden. Hacker hätten den Status von Wählern verändern können, die Zuordnung der Wähler zu bestimmten Wahlbezirken oder Wahllokalen ändern oder direkt die ganze Datenbank löschen können.

Macron-Leaks
Kurz vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt zwischen Emanuel Macron und Marine Le Pen wurden E-Mails und andere vertrauliche Daten des jetzigen Präsidenten veröffentlicht. Wer tatsächlich hinter dem Cyber-Angriff steckt, ist noch ungeklärt. Nicht wenige sehen die russische Hacker-Gruppe Pawn Storm alias Fancy Bear oder APT28 in der Verantwortung, eventuell sogar im Auftrag der russischen Regierung. Die ungefähr neun Gigabyte umfassenden Daten waren erst anderthalb Tage vor der Wahl auf der Textsharing-Plattform Pastebin.com veröffentlicht worden. Allerdings geschah der Hack laut Macrons Team schon einige Wochen vor der Wahl.

Wahl-Hacking in Lateinamerika
Über einen Zeitraum von acht Jahren manipulierte Andrés Sepúlveda Wahlen in mehreren Ländern Süd- und Mittelamerikas. Vom kleinen Hacker arbeitete sich der Kolumbianer in die Top-Riege der Cyber-Krieger hoch. Er und sein Expertenteam mischten sich in Präsidentenwahlen unter anderem in Panama, Kolumbien, Costa Rica und Venezuela ein. Seinen größten Auftrag hatte Sepúlveda 2012 in Mexiko. Für ein Honorar von 600.000 US-Dollar verhalf er Peña Nieto mit Fake News und Cyber-Spionage zum Gewinn der Präsidentschaftswahl. Aktuell verbüßt Sepúlveda eine zehnjährige Haftstrafe.

Sorge um die Bundestagswahl
Bei der Bundestagswahl 2005 wurden zum ersten – und auch zum letzten Mal – in Deutschland Wahlcomputer eingesetzt. Das Bundesverfassungsgericht erklärte ihren Einsatz 2009 für nicht verfassungskonform. Das war wohl auch besser so, demonstrierte der Chaos Computer Club doch 2007, wie leicht sich die Wahlmaschinen hacken lassen. Auch wenn der eigentliche Wahlvorgang in Deutschland ganz traditionell mit Stift und Papier stattfindet – die Infrastrukturen von Behörden und Parteien sind längst digital und damit auch ein Ziel für Hacker.

So rechnet der Bundeswahlleiter Dieter Sarreither folglich damit, dass auch die Bundestagswahl im Herbst 2017 nicht von Cyber-Attacken verschont bleiben wird. Sarreither ließ die Infrastruktur seines Rechenzentrums verdreifachen, außerdem soll im Ernstfall das Abwehrzentrum der Bundesregierung genutzt werden. Durch diese Maßnahmen sei die Wahl ausreichend abgesichert. Gegen Fake News will der Wahlleiter unter anderem einen eigenen Twitter-Kanal einsetzen, um Falschmeldungen sofort richtigstellen zu können.

Unsere Freiheit wird auch im Internet verteidigt
Die Integrität und Glaubwürdigkeit des politischen Prozesses ist für das Funktionieren einer Demokratie unerlässlich. Das wissen auch politische Akteure und Terroristen, die gezielt versuchen, diesen Prozess zu manipulieren und zu stören. Kriminelle Hacker-Gruppen sind ständig auf der Suche nach neuen Sicherheitslücken in den Systemen von Institutionen, Behörden und Parteien. Hier gilt es, den Angreifern aus dem Netz immer einen Schritt voraus zu sein und sensible Daten stets nach dem neuesten Stand der Technik zu schützen – denn es geht um nichts weniger als einen Grundsatz unserer Demokratie, die Freiheit der Wahl.

Über den Autor
Julian Totzek-Hallhuber ist Solution Architect beim Spezialisten für Anwendungssicherheit Veracode und bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung im IT-Sicherheitsumfeld mit. In seinen verschiedenen Funktionen war er für die Anwendungsentwicklung, für Penetrationstests sowie für die Sicherheit von Webanwendungen zuständig. Zudem ist er Autor zahlreicher Artikel, ist regelmäßig als Sprecher auf Messen anzutreffen und hat bei Projekten von www.webappsec.org (wie zum Beispiel WAFEC) mitgewirkt.
(Veracode: ra)

eingetragen: 07.07.17
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