- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Kommentare & Meinungen

Remote-Boot: So viel an Daten retten wie möglich


Was die bedrohliche Ransomware-Kampagne Petya lehrt
Nicht zahlen, sondern investieren – und trainieren

- Anzeigen -





Eine neue Variante der Ransomware Petya sorgt weltweit für Verunsicherung. Wie Betroffene richtig reagieren und wie sich Unternehmen auf Angriffe auf ihre Systeme vorbereiten können, erklärt Experte Ben Kröger, Leitung Professional Service, Axians IT Security, in einem Statement.

"Nicht zahlen!" Das forderte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eindringlich, als sich Mitte Mai der Verschlüsselungstrojaner WannaCry verbreitete und weltweit Lösegeld von Unternehmen und Organisationen erpresste. Nun also wieder die Warnung von der Behörde und vielen IT-Sicherheitsexperten, nicht das Geschäftsmodell der Cyberkriminellen zu bedienen: Die neue Ransomware-Kampagne Petya dreht ihre Runde, legt ganze Netzwerke von Unternehmen und Behörden lahm.

Die Infizierung erfolgt anscheinend über drei Wege: So dienten an E-Mails angehängte rft-Dokumente als Vektoren, die beim Anklicken schädliche Komponenten nachladen. Diese greifen dann den Client an. In Frage kommt auch eine Schwachstelle in der Buchungssoftware MeDoc. Wie WannaCry macht Petya sich außerdem den Schadcode "Eternal Blue" zunutze, um über eine Windows-Lücke einzudringen. Der Unterschied zwischen den beiden Trojanern: Petya verschlüsselt keine Dateien, sondern einige Sektoren auf der Festplatte und löst einen Neustart aus. Anstelle eines Systemstarts erscheint jedoch eine gefälschte Fehlermeldung mit Zahlungsaufforderung. Die Ransomware sucht Lücken in den Firewalls, verbreitet sich weiter und legt so das Netzwerk lahm.

Schon kurz nach der Attacke sperrte zum Beispiel ein deutscher E-Mail-Provider das betreffende Account, sodass Opfern die Möglichkeit verwehrt war, das Lösegeld zu bezahlen. Ob es geholfen hätte, auf die Forderungen der Cyberkriminellen einzugehen, ist fraglich. Einen Versuch wert ist hingegen ein Remote-Boot, um so viel an Daten zu retten wie möglich. Dafür müssen Unternehmen die goldene Regel der IT-Security befolgen: Backup, Backup, Backup.

Im Ernstfall muss der User und die IT-Abteilung in der Lage ihr, Daten aus dem Backup einzuspielen – und Systeme wieder herzustellen Zuvor muss die IT-Abteilung jedoch infizierte und nicht infizierte Geräte trennen. Alle sauberen Geräte gehören in ein neues Netz. Danach wird sukzessive gesäubert und der Restore-Prozess angestoßen. Fehler dürfen in dieser Situation nicht passieren – auch wenn die IT-Mitarbeiter unter Höchstlast sind, weil sie gleichzeitig den Nutzer-Support zu leisten haben. Deshalb gilt: Ein Backup ist nur so gut wie der Testlauf für den Restore.

Die notwendige Konsequenz: Ein IT-Team muss wie die Feuerwehr üben, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt. Um professionelle Angreifer abzuwehren oder die Attacke einzudämmen, brauchen die IT-Fachleute außerdem Werkzeuge an die Hand, die auf dem neuesten Stand sind. Für die Bekämpfung einer Verbreitung innerhalb des eigenen Netzwerks haben sich beispielsweise Intrusion-Prevention-Systeme (IPS) bewährt. Mit ihnen lassen sich nach einem Alarm der Datenstrom umleiten, Firewalls zwischen und in Netzwerken hochziehen, Sicherheitsrichtlinien zwischen den einzelnen Netzwerk-Segmenten etablieren und die Client-Server-Verbindung durchtrennen.

Neben regelmäßigen Sicherheitsupdates sind Lösungen wie IPS, Sandboxing und zuverlässige Backup- und Restore-Systeme zwingend notwendig. Wer nicht über sie verfügt, sollte investieren – und das nicht nur einmalig. Jeder Verantwortliche sollte sich bewusst machen: Sicherheit ist ein Prozess. Cyberkriminelle reagieren auf das Nutzerverhalten, und je größer eine Nutzergruppe wird, umso mehr macht sie sich als Ziel interessant. Deshalb werden neben Microsoft-Anwendern zunehmend auch Nutzer des Betriebssystems Android ins Visier von Cyberkriminellen geraten.

Lücken, Schwachstellen und Angriffe wird es immer wieder geben. Doch die gute Nachricht: Bisher folgte auf jede Bedrohung eine Abwehrreaktion der betreffenden Anbieter und Provider. Unternehmen und Behörden müssen zudem selbst bereit ihr, kontinuierlich in Schutzmaßnahmen zu investieren – sowohl in Technologie als auch in Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins ihrer Mitarbeiter. Diese Lehren müssen aus dem Fall Petya gezogen werden. Denn: If you think security is expensive, try no security!
(Axians IT Security: ra)

eingetragen: 10.07.17
Home & Newsletterlauf: 08.08.17


Axians IT Security: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • IT-Produkte ohne Backdoors

    Am 29.03.2019 das Bundesinnenministerium einen Referentenentwurf zum geplanten "IT-Sicherheitsgesetz 2.0" in die Ressortabstimmung eingebracht. Dazu äußert sich René Hofmann, zuständig für strategische Accounts bei Securepoint, norddeutscher Hersteller von IT-Sicherheitslösungen.

  • Höchst riskante Sicherheitslücke

    Spätestens mit der Einführung der DSGVO hat in Europa eine gewisse Sensibilisierung gegenüber Datenschutz und Sicherheitsrisiken eingesetzt - ob privat oder im beruflichen Umfeld. Dennoch zeigen europäische Arbeitnehmer weltweit die geringste Disziplin, wenn es um die Cybersicherheit in ihren Unternehmen geht: Studien zeigen, dass ein Großteil der Angestellten sich nicht regelmäßig über IT-Sicherheit Gedanken macht. Ein signifikanter Anteil ist sogar der Auffassung, dass die Prävention von Sicherheitsbedrohungen nicht in seinen Aufgabenbereich falle - obwohl man sich über die rechtlichen Folgen eines Datendiebstahls im Klaren ist. Bei einem Verstoß gegen die DSGVO müssen Unternehmen beispielsweise mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes weltweit rechnen.

  • Kompromisse in der IT-Sicherheit & im IT-Betrieb

    Eine neue Umfrage von Tanium zeigt: Weltweit halten sich CIOs und CISOs bei der Umsetzung relevanter Maßnahmen zurück, obwohl diese für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen und Cyber-Gefahren entscheidend wären. 90 Prozent der befragten CIOs and CISOs in Deutschland führten ein wichtiges Sicherheitsupdate oder einen Patch nicht durch, aus Sorge vor möglichen negativen Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb. Im weltweiten Durchschnitt - in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan - machten 81 Prozent diese Erfahrung.

  • Sicherheitsrisiko: "Genehmigte Schwachstellen"

    Im letzten Jahr standen bestimmte Staaten unter dem Verdacht, verantwortlich für Cyberangriffe im großen Stil sowie für die Eröffnung von "Cyberspionage-Schulen" zu sein. Darüber hinaus wurde ein Embargo gegen bestimmte Lieferanten angekündigt, denn es herrschte Besorgnis über mögliche Spionagetätigkeiten sowie ein neuer Verdacht hinsichtlich der Einführung von Backdoors in ausländischen Technologien. Insbesondere Huawei bekam die damit verbundenen Kosten zu spüren. Viele Diskussionen um Cybersicherheit stellen daher aktuell verstärkt den Begriff des digitalen Vertrauens in den Fokus.

  • Unternehmen dürfen nicht selbstgefällig werden

    Die Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper veröffentlichte ihre "GDPR Data Breach"-Studie, die Details zu den gemeldeten Datenverstößen in der EU seit Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 aufführt. Deutschland liegt bei etwa 12.600 Verstößen. Ross Brewer, Vice President & Managing Director EMEA, LogRhythm äußert sich folgendermaßen: "Dieser Bericht zeigt das Ausmaß der heutigen Bedrohungslandschaft auf. Tatsache ist, dass fast 60.000 Datenverstöße in acht Monaten extrem hoch klingen, das ist aber nicht unbedingt überraschend.