- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Markt » Kommentare & Meinungen

Kritische Infrastrukturen (KRITIS)" infiziert


Die Lehren aus den Ransomware-Angriffen: kurzen Prozess machen
Der Einsatz passender Sicherheitslösungen – die Europäische Datenschutz-Grundverordnung, die im Mai 2018 endgültig in Kraft tritt, spricht von "angemessenem Schutz" – sowie regelmäßige Backups sollten ohnehin selbstverständlich sein


- Anzeigen -





Eine Einschätzung von Dominik Lehr, Gründer und Vorstand der Befine Solutions AG

Laut Europol muss sich Europa auf eine starke Zunahme von Cyber-Angriffen vorbereiten. Wie aus dem vor wenigen Tagen vorgelegten Jahresbericht hervorgeht, habe die Bedrohung des organisierten Verbrechens über das Internet in den vergangenen zwölf Monaten ein "bisher beispielloses Ausmaß" angenommen, vor allem Erpressungs-Software hätte alle anderen Bedrohungen in den Schatten gestellt. Bisheriger "Höhepunkt" war die "WannaCry"-Attacke im Mai, bei der mehr als 300.000 Rechner in rund 150 Ländern infiziert worden waren.

Getroffen hatte es Unternehmen in der Logistik, der Telekommunikation und dem Gesundheitswesen: In Großbritannien kam es beispielsweise zu erheblichen Störungen in der medizinischen Versorgung, während hierzulande Anzeigetafeln und Fahrkartenautomaten auf Bahnhöfen ausfielen.

Drastischer hätte uns die Verwundbarkeit der digitalen Infrastruktur wohl kaum vor Augen geführt werden können: Es ist auffällig, dass sehr oft Systeme in so genannten "kritischen Infrastrukturen (KRITIS)" infiziert wurden. Doch gerade hier tun sich die Betroffenen schwer, die immer wieder erhobenen Forderungen nach dem sofortigen Aktualisieren von Software umzusetzen. Vielmehr ist ein Perspektivenwechsel nötig – weg von der IT hin zu den in vielen Unternehmen und Behörden vorherrschenden Kommunikationsprozessen.

Kurze Zeit nach "WannaCry" hatte "Petya" Unternehmen und Behörden weltweit lahm gelegt: Betroffen waren Banken, Energieversorger, Flughäfen, Eisenbahngesellschaften, Reedereien, Lebensmittelkonzerne, Medienunternehmen sowie das Atomkraftwerk Tschernobyl. Es handelte sich dabei um eine Version der bereits seit vergangenem Jahr bekannten Erpressungs-Software, die sich offenbar zumindest zum Teil über dieselbe Sicherheitslücke in älterer Windows-Software verbreitete, die auch "WannaCry" genutzt hatte. Vor wenigen Wochen wurde dann der Landtag von Sachsen-Anhalt Opfer einer Erpressungs-Software, es mussten IT- und Kommunikationssysteme heruntergefahren und notwendige Dokumente den Abgeordneten in Papierform zur Verfügung gestellt werden.

Folgerungen und Forderungen werden in derartigen Fällen sehr schnell laut. Dazu zählt auch der Aufruf, umgehend Software und Programme zu aktualisieren. In der Tat gilt das Patchen von Sicherheitslücken allgemein als erste und probate Schutzmaßnahme. Der Einsatz passender Sicherheitslösungen – die Europäische Datenschutz-Grundverordnung, die im Mai 2018 endgültig in Kraft tritt, spricht von "angemessenem Schutz" – sowie regelmäßige Backups sollten ohnehin selbstverständlich sein.

Warnsignale ernst nehmen
Aber noch immer sind viele Betriebssysteme oder Software-Programme bei Unternehmen und Behörden im Einsatz, obwohl sie bereits seit einiger Zeit von Herstellern nicht mehr unterstützt und daher nicht mehr mit Updates versehen werden. Der Patch zum "Stopfen" der WannaCry-Lücke war sogar knapp zwei Monate verfügbar – in der Praxis benötigen Unternehmen teilweise aber sogar über 100 Tage, bis sie eine Gegenmedizin verabreichen. Was auf den ersten Blick fahrlässig wirken mag, hat in vielen Fällen handfeste Gründe. Anders ausgedrückt: Es ist nicht immer so einfach, wie es aussieht.

Es gibt viele Bereiche und Branchen, in denen Rechner nicht "mal eben schnell" heruntergefahren werden können – darunter eben auch Unternehmen und Behörden, wie sie in diesen Fällen betroffen waren. Anwender, egal ob am Arbeitsplatz oder am heimischen Rechner, kennen das Problem ebenfalls: Updates kosten Arbeitszeit und manchmal auch Nerven, besonders wenn es nach dem Einspielen der Patches zu Problemen kommt. Was dazu geführt hat, dass IT-Verantwortliche dem Testen von Patches vor dem Einspielen große Bedeutung zumessen.
Prozesse überdenken
Daher ist es nötig, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen – weg von der IT hin zu den in vielen Unternehmen und Behörden vorherrschenden Prozessen und Gepflogenheiten in Sachen Kommunikation. Sie sind offenbar ein Teil des Problems und machen bestimmte Bereiche so angreifbar.

In Sachsen-Anhalt beispielsweise hatte ein Landtagsmitarbeiter die Schad-Software aktiviert, als er den Anhang einer E-Mail öffnete; er hatte geglaubt, dass er sich die E-Mail selbst weitergeleitet habe – als Absender soll sein eigener Name angegeben gewesen sein. Der Gesundheitssektor wiederum, der wegen verschiedener Ransomware-Vorfälle schon mehrfach die Schlagzeilen bestimmte, hat beispielsweise Eigenheiten wie "Makros" in Office-Programmen, die in Krankenhäusern in der Regel aktiviert sind.

Und nun die gute Nachricht: Es ist nur eine kleine Stelle, an der die Prozesse in vielen Unternehmen und Behörden anders gehandhabt werden müssten, um Einfallstore zu schließen und das Schutzniveau zu erhöhen – damit eingehende E-Mails eben keinen Teufelskreis auslösen.

Einfallstore schließen
Es genügt eine einfache und schnell umzusetzende Maßnahme: die Umstellung der internen Workflows und der Einsatz entsprechender Lösungen, die dafür sorgen, dass vorab definierte Dateitypen erst gar nicht per E-Mail angenommen werden können. Wenn sie stattdessen beim Empfänger-Unternehmen über dessen eigene Web-Anwendung abrufbar sind, haben Robots aufgrund vorhandener Authentifizierungsmaßnahmen keine Chance, Schadcode zu verbreiten. Verschiedene Sicherheitsstufen machen so den Angreifern – die möglichst anonym möglichst viele Rechner angreifen möchten – das Leben schwerer.

PS: Auch wir raten generell davon ab, Lösegeld zu zahlen. Denn zum einen ist ohnehin fraglich, ob die Betroffenen nach Zahlung des Lösegelds auch wirklich wieder an ihre gesamten Datensätze herankommen. Zum anderen bestätigt das Cyber-Kriminelle nur darin, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert, und sie erhalten zusätzliche finanzielle Unterstützung. Vielmehr sollten Betroffene die Polizei einschalten.

Über Dominik Lehr
Dominik Lehr ist Gründer und Geschäftsführer der Befine Solutions AG mit Sitz in Freiburg im Breisgau, die Kommunikationslösungen für Unternehmen entwickelt und vertreibt.
(Befine Solutions: ra)

eingetragen: 01.10.17
Home & Newsletterlauf: 13.10.17


befine Solutions: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Kommentare und Meinungen

  • Bitcoin-Hype: Immer neue "Goldgräber"

    Immer mehr Akteure wollen am Bitcoin-Hype mitverdienen - und ahnungslose Webseitenbesucher sind in diesem Fall die Leidtragenden: Seit September 2017 beobachten wir, dass bei dem Besuch vieler Webseiten die Prozessorlast des eigenen Rechners aus zunächst unerfindlichen Gründen auf 100 Prozent hochschnellt. Der Grund dafür ist, dass beim Besuch der Webseite eine in JavaScript geschriebene Anwendung des Anbieters Coinhive heruntergeladen und gestartet wird, die dann im Hintergrund läuft und die Kryptowährung Monero (XMR) schürft. Unter Schürfen einer Kryptowährung versteht man dabei das rechenintensive Lösen mathematischer Aufgaben mit dem Ziel, neu herausgegebene Einheiten einer Kryptowährung zu erhalten.

  • Beute für Schadprogramme

    Aktuell verbreiten sich immer mehr Berichte über Sicherheitsschwachstellen im Zusammenhang mit CPUs, die Passwörter, Krypto- Schlüssel und andere eigentlich geschützte Daten zu leichter Beute für Schadprogramme und Hacker machen. Bryce Boland, Chief Technology Officer Asia Pacific von FireEye, der das Thema auch bei CNN International diskutierte, kommentiert das Problem aktuell wie folgt: "Schwachstellen wie diese sind extrem problematisch, denn sie betreffen so viele Technologien, auf die wir uns verlassen. Eine Lösung für dieses Problem zu finden wird zeit- und kostenaufwendig sein. Die Kosten entstehen durch die Sicherheitsrisiken, aufwendige Nachbesserung und sogar verminderte Rechenleistung.

  • Standardisierte Security-Services

    Die aktuelle OWASP-Top 10-Liste, die vor kurzem veröffentlicht wurde, klärt über Konsequenzen der wichtigsten Sicherheitslücken bei Web-Anwendungen auf. Sicherheitslücken sind meist sehr komplex und nicht leicht aufzuspüren, da sie sich im Code verstecken. Menschliche Expertise gepaart mit einer guten Sicherheitslösung ist daher in vielen Fällen die kosteneffizienteste Lösung.

  • Erpressungstrojaner gehören zum Alltag

    Laut einer Fidelis-Umfrage sind Unternehmen 2017 rund 100 Hackerangriffen ausgesetzt gewesen, ein Drittel davon war erfolgreich. Zu diesen erfolgreichen Angriffen zählten insbesondere diejenigen mit den beiden Trojanern WannaCry und Petya im Mai und Juni dieses Jahres. Was die betroffenen Firmen angeht sind keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Konzerne, mittelständische und kleine Firmen sind gleichermaßen betroffen. Laut der Prognosen wird die Zahl der weltweiten Attacken weiter steigen und damit u.a. auch der Bedarf an Cybersicherheitsexperten."

  • Identifizierung von Phishing-E-Mails

    55 Millionen Bundesbürger kaufen im Internet ein. Damit ist Online-Shopping in Deutschland beliebter als das Einkaufen im Laden. Das hat eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.152 Internetnutzern ab 14 Jahren ergeben. Insgesamt haben 96 Prozent aller Internetnutzer ab 14 Jahren in den vergangenen 12 Monaten online eingekauft. Jeder Dritte (33 Prozent) von ihnen bevorzugt den Einkauf per Mausklick. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede in den Altersgruppen. So sagen heute schon 35 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und 37 Prozent der 30- bis 49-Jährigen, die beides schon einmal ausprobiert haben, dass sie lieber online einkaufen.