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Im Visier der Angreifer


SMB versus Großunternehmen? Ist das noch die Frage, wenn praktisch jedes Unternehmen potenziell Opfer einer Datenschutzverletzung werden kann?
Thesen, warum Mitarbeiter jedes Unternehmens im Fokus von Hackern sind, welche Fehler und Risiken es Cyberkriminellen einfacher machen und welche Regeln man beherzigen sollte

Von Fred Touchette, Security Analyst bei AppRiver, Spezialist für E-Mail- und Web-Sicherheit

(17.09.15) - Ist das noch die Frage, wenn praktisch jedes Unternehmen potenziell Opfer einer Datenschutzverletzung werden kann? Selbst großen Handelsketten mit bekanntermaßen hohem Sicherheitslevel wie Target oder Home Depot in den USA ist es so ergangen. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Konzerne typischerweise ein deutlich höheres Budget und mehr Ressourcen für IT-Sicherheit einsetzen können. Mittelständischen und kleinen Unternehmen fehlt es nicht selten an allem: an entsprechendem Personal in einer IT-Abteilung, an Budget oder auch am Spezial-Know-how um Technologien und IT-Sicherheitsmaßnahmen abzugleichen und umzusetzen.

Technologie hat Grenzen – Der Faktor Mensch
Zu einer vollständigen IT-Sicherheitsstrategie gehört es zwingend dazu, den Faktor Mensch einzuziehen. Geschulte Mitarbeiter, die entsprechend wachsam sind, werden automatisch zu einem Teil des IT-Sicherheitsteams. Sonst bleibt der Mensch selbst die größte Schwachstelle im System. Eine Schwachstelle, die keine noch so wirksame Strategie beheben kann.

Im Fokus der Hacker: (Ihre) Mitarbeiter

Fünf Thesen, warum das so ist
>>
Der großflächige Einsatz von IT-Sicherheitstechnologien wie Intrusion Detection, die Überwachung des Netzwerks und Firewalls haben es Angreifern erheblich schwerer gemacht auf den klassischen Wegen in ein Netzwerk einzudringen.
>> Mitarbeiter denken nicht die ganze Zeit und bei allem, was sie tun an IT-Sicherheit. Sie sind schließlich keine Experten auf dem Gebiet.
>> Aus dieser Perspektive betrachtet haben Mitarbeiter eine ganze Reihe schlechter Angewohnheiten: Sie öffnen verdächtige E-Mails, sie tauschen Meme und Karten auf elektronischen Wegen aus, sie verwenden unsichere Passwörter oder sie "vergessen" sich abzumelden.
>> Mitarbeiter (wie Menschen allgemein) möchten kooperieren und einem Anrufer beispielsweise weiterhelfen.
>> Social Engineering kostet selten mehr als einen Anruf.

7 typische Risiken und Fehler
>> Risiko E-Mail -
Scammer können sich darauf verlassen, dass Mitarbeiter auf überzeugende oder neugierig machende Anhänge klicken. Das passiert immer wieder, unabhängig davon wie verdächtig das Ganze auch aussehen mag.

>> Risiko Passwörter - Zur gängigen, schlechten Praxis in Sachen Passwörter gehört es, kurze oder/und leicht zu erratende Passwörter auszuwählen, Passwörter an wenig geeigneten Stellen zu notieren und aufzubewahren oder ein Mal gewählte Passwörter nicht häufig genug zu ändern, Nutzer verwenden identische Passwörter für unterschiedliche Konten, melden sich nicht ordnungsgemäß ab oder verzichten darauf ihren Rechner zu sperren, wenn sie den Arbeitsplatz verlassen.

>> Risiko Der Wunsch höflich zu sein – Höfliche und dienstleistungsorientierte Mitarbeiter, die dazu tendieren jeden Kundenwunsch zu erfüllen, sind in aller Regel auch eine leichte Beute, um vertrauliche Daten und Informationen abzuziehen.

>> Risiko Mobiles Arbeiten von unterwegs – Der allzeit bereite mobile Mitarbeiter vernachlässigt nicht selten, sein IT-Equipment ausreichend zu schützen und gestattet unter Umständen unbefugten Zugriff, beispielsweise auf vertrauliche Unternehmensdaten oder Informationen zur Identifikation.

>> Risiko Physische Sicherheit – Computer-Arbeitsplätze werden nicht gesperrt, Schreibtischschubladen bleiben unverschlossen oder ganze Büros und Gebäude sind nicht ausreichend gesichert.

>> Risiko Surfen im Web – Mit jeder Sekunde, die ein Mitarbeiter online verbringt, und mit jeder Website, die er besucht, steigt die Wahrscheinlichkeit für irgendeine Art von Datenschutzverletzung, Bedrohung oder Hackerangriff.

>> Risiko Ignoranz – Und gar nicht so selten werden Sicherheitsvorkehrungen und entsprechende Tools ignoriert, umgangen oder abgeschaltet. Aus den verschiedensten Gründen.

5 Anzeichen, dass es schon passiert ist...
>> Ungewöhnlich langsame Internetverbindungen
>> Unüblich langsam arbeitende Computer - nicht selten ein Anzeichen, dass sich eine Malware oder ein Virus auf dem entsprechenden Rechner eingenistet hat.
>> Gesperrte Konten deuten unter Umständen auf eine Brute-Force-Attacke hin oder ein Konto ist bereits gehackt, und der Angreifer hat das Passwort geändert.
>> Jede Art von Anomalien im lokalen Netzwerk – wenn keine Wartung durchgeführt oder Veränderungen angekündigt worden sind, können diese Anzeichen auf ein Hardware-Problem oder eine potenzielle Datenschutzverletzung hinweisen.
>> Pop-Ups oder Webseiten laden nicht – ein Zeichen für einen Virus oder eine Malware auf dem betreffenden Rechner.

7 Sicherheitstipps
Unglücklicherweise gibt es kein Wundermittel, das hundertprozentige Sicherheit vor einem Angriff garantiert. Es ist also sinnvoll verschiedene Methoden und Technologien miteinander zu kombinieren, um wenigstens einen möglichst hohen Sicherheitslevel zu erreichen.

>> Setzen Sie auf Schulungen und halten Sie Ihre Mitarbeiter dazu an, selbst wachsam zu sein. Formulieren Sie entsprechende Richtlinien wie mit Kundendaten und sensiblen Informationen umzugehen ist und wie man sie schützen kann.
>> Versuchen Sie das Netzwerk und die einzelnen Rechner so clean wie möglich zu halten. Ein Sicherheitsansatz mit unterschiedlichen Layern macht das leichter.
>> Setzen Sie in jedem Fall entsprechende Firewall-Lösungen ein.
>> Führen Sie regelmäßige Datensicherungen durch.
>> Erziehen Sie Ihre Mitarbeiter dazu sichere Passwörter zu verwenden, für jedes Konto ein anderes. Und stellen Sie sicher, dass diese Passwörter häufig gewechselt werden.
>> Mitarbeiter sollten grundsätzlich nur auf die Daten und Systeme zugreifen können, die sie für ihre Tätigkeit wirklich brauchen.
>> Und Mitarbeiter sollten nicht ohne Erlaubnis Software auf ihrem Computer installieren dürfen.
(AppRiver: ra)

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Meldungen: Tipps & Hinweise

  • PKI, nur ein Teil des Puzzles

    Wir haben uns in diesem Jahr bereits mit der Bedrohung durch sogenannte Thingbots beschäftigt - also Bot-Netzen, die aus Zombie-IoT-Geräten bestehen. In jüngster Zeit hatten wir dann Gelegenheit zu beobachten, dass und wie dieses Bedrohungsszenario inzwischen Realität geworden ist. Thingbots wurden bei raffinierten DDoS-Angriffen auf die Seite des Journalisten und IT-Sicherheitsbloggers Brian Krebs, KrebsOnSecurity, und beim DNS-Anbieter Dyn eingesetzt. Letzterer führte dazu, dass Nutzer auf einige der am häufigsten besuchten Websites nicht mehr zugreifen konnten.

  • Bankkunden in der E-Mail-Falle

    Immer öfter tappen Bankkunden in die E-Mail-Falle. In der Inbox finden sie eine Nachricht ihrer vermeintlichen Bank mit der Aufforderung, einen Umsatz zu prüfen, oder Kontodaten zu bestätigen. Dazu sollen sie auf einen Link klicken. Und genau dies sollte der Bankkunde niemals tun! Nicht aus Neugier, nicht weil er sich unter Druck gesetzt fühlt. Denn der Klick führt mit größter Sicherheit dazu, dass er sich Schadsoftware (z.B. Trojaner) auf den PC lädt, die seine geheimen Daten auslesen kann. Die Bank schickt ihren Kunden niemals E-Mails, um sich etwas bestätigen zu lassen und sie schickt dem Bankkunden schon gar keine weiterführenden Links.

  • Gute Verschlüsselung? Echter Zufall!

    Das Herzstück einer starken Verschlüsselung sind echte Zufallszahlen, die auf unberechenbaren physikalischen Phänomenen basieren, etwa dem Rauschen von Dioden. Denn nur diese Zufallszahlen (sog. Physical True RNG, PTRNG) unterliegen keinem Muster und eignen sich folglich im Weiteren dafür, Schlüssel zu erzeugen. Im Gegensatz zu Pseudo-Zufallszahlen: Diese entstehen mit Hilfe eines zugrunde liegenden Algorithmus. Das ist die Achillesferse: Gelingt es Hackern, diesen Algorithmus oder die hierin eingehenden Daten zu manipulieren, haben sie Zugriff auf die damit generierten Schlüssel. Aktuelles Beispiel ist das freie Kryptographiesystem GnuPG. Hier war über 18 Jahre ein RNG im Einsatz, der vorhersehbare Zufallszahlen generiert hat.

  • Netzwerk für DDoS-Attacke missbraucht

    Am Freitag dem 21. Oktober 2016, versuchten Nutzer vergeblich eine Reihe populärer Websites in den USA zu erreichen. Aber es ging (fast) nichts mehr bei Twitter, PayPal, CNN, Reddit, Netflix, Github, Iheart Radio, Pinterest, Spotify, Wired und Yelp. Die Ausfälle wurden durch eine massive Distributed Denialof Service-Attacke (DDoS) verursacht und richteten sich gegen die autoritativen Nameserver der betroffenen Domains. Zuständig für die Bereitstellung der Nameservices, war das Unternehmen Dyn, ein DNS Service Provider. Der Angriff startet etwa um 7:10 Uhr EDT und betraf zunächst nur die Ostküste der USA. Später breitete er sich wellenförmig über die USA, aber auch Europa aus. Die Angriffe dauerten bis in die Abendstunden an,und die betroffenen Seiten waren in weiten Teilen immer noch nicht wieder verfügbar.

  • Public Clouds bringt viele Risiken mit sich

    Jedes zweite mittelständische Unternehmen nutzt derzeit Anwendungen und Apps aus der Cloud, so eine Analyse von Techconsult. Bis Ende 2018 werden voraussichtlich 50 Prozent der genutzten Software-Lösungen aus der Cloud kommen. Eine Untersuchung von IDC zeigt, dass kleine und mittelständische Betriebe für weltweit bis zu 40 Prozent der Public Cloud-Ausgaben bis zum Jahr 2019 verantwortlich sein könnten. Bei der zunehmenden Integration von Cloud-Ressourcen und der steigenden Bedeutung von Daten als Produktionsfaktor wird es für Unternehmen immer wichtiger, ausfallsichere IT-Infrastrukturen zu betreiben.