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Cybersicherheit: Was kommt nach "WannaCry"?


Eset Security Specialist Thomas Uhlemann erklärt, was die globale Ransomware-Attacke für die IT-Sicherheit bedeutet und wie sich Nutzer auf künftige Angriffe vorbereiten können
Ransomware ist leicht zu beschaffen – in Untergrundforen werden Softwarebaukästen inklusive Softwarepflege verkauft

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Die Ransomware-Attacke, genannt "WannaCry", die wie eine Flutwelle über Computer in Büros, Krankenhäusern und Schulen hinwegfegte, hat viele Nutzer ratlos und besorgt zurückgelassen. Was bedeutet der Angriff für unsere Cybersicherheit? Eset Security Specialist Thomas Uhlemann beantwortet die brennendsten Fragen. Von dem Angriff waren unter anderem Krankenhäuser in Großbritannien und auch die Deutsche Bahn betroffen. Könnten auch andere wichtige Infrastrukturen wie zum Beispiel Atomkraftwerke zu einem Angriffsziel werden?

Im aktuellen Fall können wir davon ausgehen, dass die Angreifer kein spezielles Ziel im Auge hatten, sondern eher nach dem "Gießkannenprinzip" agieren. Dafür spricht, dass sowohl Unternehmensnetzwerke als auch private Nutzer von der Erpressersoftware betroffen sind. Atomkraftwerke und viele andere Netzwerke der sogenannten "Kritischen Infrastruktur" (KRITIS) verfügen jedoch nicht nur über spezielle Schutzmaßnahmen, die Netzwerkwürmer und Ransomware bestmöglich eindämmen oder gar ganz verhindern, sie sind in der Regel auch mit den neuesten Betriebssystemupdates versorgt.

Wie ist es generell um die Cybersicherheit in Deutschland bestellt? Wo müssen Unternehmen, wo muss die Regierung nachbessern?

Laut unserer Statistiken sind die tatsächlichen Zahlen von WannaCry im Gesamtverhältnis zu den restlichen versuchten Malwareattacken mit unter 0,1 Prozent in Deutschland niedrig. Das spricht für eine an sich gute Ausgangslage hierzulande. Da es nicht die erste Ransomware-Attacke ist, sind Unternehmen inzwischen recht gut vorbereitet, auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz gibt. Auch Heimanwender benutzen zunehmend neue Betriebssysteme und erhalten dafür automatische Updates. Dazu kommt, dass viele um die Notwendigkeit einer guten Virenschutzlösung wissen und diese recht erfolgreich zusätzlichen Schutz bietet.

Unternehmen sind jetzt in der Pflicht, ihre Sicherheitsrichtlinien und -konzepte konsequenter zu überprüfen, anzupassen und durchzusetzen. Die Regierung muss die Budgets für Computer Emergency Response Teams (CERTs) im Bund und den Ländern, sowie den entsprechenden Abteilungen der Kriminalämter erhöhen, damit diese angemessen mit Ressourcen, Know-how und Personal ausgestattet werden können. Nur dann gelingt es auch, an die Hintermänner solcher Angriffe zu kommen und diese dingfest zu machen.

Bisher haben die Angreifer etwa 70.000 Euro erbeutet. Das erscheint in Anbetracht des Ausmaßes des Angriffs sehr wenig zu sein. Woran liegt das?

Das große Ausmaß bei gleichzeitig geringem "Einkommen" spricht dafür, dass es sich bei "WannaCry" nicht um eine zielgerichtete, hoch-professionalisierte Attacke handelt. Wir denken eher, dass die Veröffentlichung der "Vault7"-Daten von Wikileaks dazu geführt hat, dass die dort dokumentierten Schwachstellen ausgenutzt werden konnten. Dazu bedarf es keiner ausgeklügelten Kenntnisse, es reicht Basiswissen.

Glücklicherweise sind viele Nutzer und Administratoren zunehmend sensibilisiert und wissen, dass man von einer Lösegeldzahlung weitestgehend Abstand nehmen sollte. Das Prinzip der Bezahlung per Bitcoin stellt unter Umständen für die Opfer eine zusätzliche Hürde dar, da diese Bezahlmethode für den Normalnutzer nicht gängig ist und in Unternehmen Bezahlvorgänge und (Bitcoin-) Kontoeröffnungen nicht "einfach so nebenbei" geschehen können.

Warum erlebt Ransomware aktuell so einen Boom und was wird der nächste Trend bei Malware?

Ransomware ist leicht zu beschaffen – in Untergrundforen werden Softwarebaukästen inklusive Softwarepflege verkauft. Außerdem gehen global betrachtet viele Anwender noch zu sorglos mit dem Thema "IT-Sicherheit" um und informieren sich kaum oder an falscher Stelle. Wenn Opfer das Lösegeld zahlen, ist das Geld weg. Eine Garantie, dass Angreifer die Daten wieder entschlüsseln, gibt es nicht. Nichts desto trotz sind noch zu viele Opfer zur Zahlung bereit, weswegen der zu erwartende Geldrückfluss für die Kriminellen immer noch recht lukrativ scheint. Deshalb ist Ransomware immer noch ein lukratives "Geschäft".

Allerdings nimmt die Zahl der Windows-Rechner immer weiter ab, vor allem im Vergleich mit mobilen Systemen. Wir werden also verstärkt Erpressungen auf, mit und durch Android-Geräte sehen. Es sei denn, es gelingt uns, die wichtigsten Punkte an die Administratoren und Anwender vermitteln:

• >> Automatisch oder zeitnah Updates des Betriebssystems und der Anwendersoftware einspielen

• >> Sicherungskopien (Backups) der wichtigen Daten machen – mehrmals pro Woche oder automatisch

•>> Schutzsoftware verwenden und aktualisieren lassen

• >> Zugriffsrechte auf Dateien und Freigaben überprüfen
(Eset: ra)

eingetragen: 17.06.17
Home & Newsletterlauf: 30.06.17


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Meldungen: Hintergrund

  • Heartbleed lebt & wird von Kriminellen ausgenutzt

    Heartbleed ist ein schwerwiegender Bug in OpenSSL, der bereits im Jahr 2014 entdeckt wurde und es Unbefugten und Kriminellen erlaubt, scheinbar sichere und verschlüsselte TLS-Verbindungen auszuspionieren und private Daten von Clients und Servern zu lesen. Der Global Threat Index für August 2018 von Check Point zeigt, dass der Fehler noch vier Jahre nach seiner Entdeckung zu einer der Schwachstellen zählt, die am häufigsten ausgenutzt werden. Kevin Bocek, VP Security Strategy and Threat Intelligence bei Venafi, erklärt dazu: "Heartbleed lebt und wird von Kriminellen ausgenutzt. Check Point erkennt, dass die zweithäufigste ausgenutzte Schwachstelle im August 2018 Heartbleed war (CVE-2014-0160; CVE-2014-0346). Dies ist ein Weckruf, dass der oft scheiternde Korrekturschritt, die Ersetzung aller Maschinenidentitäten wie TLS-Schlüssel und Zertifikate, noch ausgeführt werden muss."

  • Stehlen von Konto- und Kreditkartendaten

    Bei "Panda Banker" handelt es sich um einen Bankentrojaner, der sich den Source Code des bekannten Zeus-Trojaners zunutze macht. Der tauchte erstmals bereits 2016 auf, ist aber nach wie vor aktiv. Gerade in jüngster Zeit wurden zahllose Updates veröffentlicht. Panda Banker injiziert auf der Webseite des Opfers bösartigen Skript-Code und nutzt dabei "Man-in-the Browser"-Techniken. Der "Man-in-the-Browser"-Angriff ist eine Sonderform der "Man-in-the Middle"-Attacke". Bei einem MiTB-Angriff infiziert ein Trojaner den Browser des Nutzers.

  • Kamera des Smartphones kann übernommen werden

    Smartphone-Nutzer des Android-Betriebssystem sollten die Tage vorsichtig sein: Eine neue Malware für mobile Telefone ist im Umlauf und liest die Nachrichten und Kontakte der betroffenen Nutzer aus. Die Schadsoftware "Android.Trojan-Spy.Buhsam.A" für Android-Smartphones kann die Whatsapp-Historie der Nutzer ausspionieren, Kontakte auslesen und die Kamera des Smartphones übernehmen. Erstmals entdeckt wurde die Malware von dem Sicherheitsforscher Lukas Stefanko. G Data Analysten haben die Schadsoftware genauer analysiert. G Data Mobile Internet Security erkennt die Bedrohung unter dem Namen Android.Trojan-Spy.Buhsam.A. Nach Ansicht der G Data-Sicherheitsforscher ist die Malware derzeit entweder noch in der Entwicklungsphase oder schlecht programmiert. Denn nachdem die entsprechenden Dienste gestartet werden, erhalten Nutzer eine Benachrichtigung mit dem Inhalt "Service Started". Kriminelle versuchen normalerweise, so versteckt wie möglich zu agieren, um Ihre Spuren zu verwischen. Immer wieder gelangt noch in Entwicklung befindliche Malware versehentlich in den Umlauf, etwa weil die Autoren auf Seiten wie Virustotal überprüfen, ob ihre Schadsoftware von Virenscannern erkannt wird. Trotzdem hat die Malware einige besondere Funktionen.

  • Hide and Seek Botnet hat viele Geräten infiziert

    Hide and Seek, ein neues IoT-Botnet, das Anfang Januar vom Bitdefender Honeypot-System entdeckt wurde, hat schnell Bekanntheit erlangt. Innerhalb weniger Tage hat es über 90.000 Geräte in einem großen Botnet gesammelt. Während die erste Variante Brute-Force-Angriffe über den Telnet-Dienst durchführte, um sich in Geräte zu booten, wurden später durch weitere Updates neue Command Injection Exploits in der Webschnittstelle eines Geräts ausgelöst, die die Möglichkeiten des Botnets auf IPTV-Kameras erweiterten. Nun wurden neue Tricks bei Hide and Seek entdeckt: Indem die Android-Debug-Bridge-(ADB)-over-Wi-Fi-Schnittstelle in Android-Geräten genutzt wird, die Entwickler normalerweise zur Fehlerbehebung verwenden, erhält das Botnet neue Zugriffsmöglichkeiten. Obwohl diese Funktion eigentlich standardmäßig deaktiviert ist, werden einige Android-Geräte mit aktiviertem Gerät ausgeliefert. So werden Benutzer praktisch über die ADB-Schnittstelle, die über den TCP-Port 5555 zugänglich ist, einer Remote-Verbindung ausgesetzt. Jede Remote-Verbindung zum Gerät wird nicht authentifiziert und ermöglicht den Shell-Zugriff, so dass Angreifer praktisch jede Aufgabe im Administratormodus ausführen können.

  • UEFI-Rootkits extrem gefährliche Werkzeuge

    Eset-Forscher haben einen Cyberangriff entdeckt, bei dem erstmals ein sogenanntes UEFI-Rootkit erfolgreich eingesetzt wurde. Die von Eset Lojax getaufte Malware nutzt eine Schwachstelle in der UEFI des Mainboards aus und nistete sich in dessen Speicher ein. Dies ist extrem gefährlich, denn Lojax übernimmt von dort die Kontrolle des gesamten Rechners und kann nicht ohne weiteres gelöscht werden. Klassische Gegenmittel wie Virenprogramme oder gar der Festplattentausch sind wirkungslos. Als Drahtzieher der Kampagne wird die Sednit-Gruppe (auch APT28 oder FancyBear genannt) vermutet, die durch ihre Angriffe auf hochrangige Regierungsziele auf sich aufmerksam gemacht hat. Eset besitzt eine Schutzfunktion in ihren Antivirenlösungen vor dieser neuartigen Malware-Form.