- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Virenwarnung » Hintergrund

Unklar, wer hinter den Angriffen steckt


Unsichtbare Angriffe: Im Speicher versteckte Malware greift Unternehmen in 40 Ländern an
Finanz- und Telekommunikationsbranche sowie Regierungsorganisationen betroffen - Hauptverdächtige sind die Gruppen GCMAN und Carbanak

- Anzeigen -





Die Experten von Kaspersky Lab haben eine Reihe zielgerichteter und nahezu unsichtbarer Attacken entdeckt, die ausschließlich mittels legitimer Software durchgeführt wurden. Die Angreifer nutzen weitverbreitete Tools für Penetrationstests und Administratoren sowie das PowerShell-Framework zur Aufgabenautomatisierung unter Windows. Es werden keine Malware-Dateien auf der Festplatte hinterlassen, sondern lediglich kurzeitig im Speicher versteckt. Der Ansatz verhindert eine Entdeckung durch Whitelisting-Technologien und hinterlässt Forensikern kaum analysierbare Spuren oder Malware-Muster. Die Angreifer verbleiben nur im System, solange sie Informationen sammeln. Mit dem nächsten Systemneustart sind alle Spuren beseitigt. Die Angreifer sind noch aktiv.

Ende des Jahres 2016 informierten Banken aus der GUS-Region Kaspersky Lab, dass sie eine Penetrationstest-Software, die oft für schadhafte Zwecke eingesetzt wird, unerwartet im Speicher ihrer Server gefunden haben. Anschließend entdeckten die Experten von Kaspersky Lab, dass der Penetrationstest-Code mit einer Reihe legitimer PowerShell-Skripts und anderen Hilfsmitteln verknüpft wurde. Die kombinierten Tools wurden in schafhaften Code umgearbeitet, der sich im Speicher verstecken und so unbemerkt Passwörter von Systemadministratoren sammeln konnte. Die Angreifer erlangten so die Kontrolle über ein System. Ziel war wohl der Zugriff auf Finanzprozesse.

Seither hat Kaspersky Lab eine Vielzahl solcher Attacken entdeckt: mehr als 140 Unternehmensnetzwerke in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen wurden angegriffen, vornehmlich Banken, Telekommunikationsunternehmen und Regierungsorganisationen. Die meisten Opfer stammen aus den USA, Frankreich, Ecuador, Kenia, Großbritannien und Russland. Auch wurden wenige deutsche und österreichische Zielobjekte ausgemacht. Insgesamt wurden Angriffe in 40 Ländern registriert.

Bisher ist unklar, wer hinter den Angriffen steckt. Der Einsatz von Open Source Exploit Code, herkömmlichen Windows-Tools und unbekannten Domains macht es fast unmöglich, die verantwortlichen Hintermänner zu bestimmen – oder herauszufinden, ob es sich um eine einzige Gruppe handelt oder um mehrere, die dieselben Werkzeuge verwenden. Bekannte Gruppen, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, sind GCMAN und Carbanak.

Kaspersky Lab: Einsatz legitimer und Open-Source-basierter Werkzeuge macht Zuweisung annähernd unmöglich
Die Verwendung derartiger Tools macht zudem die Entdeckung von Angriffsdetails schwierig. Für gewöhnlich folgen Experten während einer Vorfallreaktion (Incident Response) Spuren und Mustern, die im Netzwerk vom Angreifer zurückbleiben. Datenspuren können bis zu einem Jahr nach dem Vorfall auf Festplatten verbleiben, hier allerdings sind sie mit dem nächsten Neustart des Computers aus dem Speicher verschwunden. In diesem Fall konnten die Experten jedoch rechtzeitig die Spuren sichern.

"Die Entschlossenheit der Angreifer, ihre Aktivitäten zu verstecken und so die Entdeckung und eine Incident Response extrem zu erschweren, zeigt den neuesten Trend antiforensischer Techniken und speicherbasierter Malware", so Sergey Golovanov, Principal Security Researcher bei Kaspersky Lab. "Speicherforensik wird deshalb für die Analyse von Malware und deren Funktionen besonders wichtig. Bei diesen Attacken nutzten die Angreifer jede denkbare antiforensische Technik und demonstrierten, dass keine Malware-Dateien für das erfolgreiche Herausfiltern von Daten aus einem Netzwerk benötigt werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Verwendung legitimer und Open-Source-basierter Werkzeuge eine Zuweisung der Attacke fast unmöglich macht."

Die Angreifer sind noch aktiv. Daher sollten IT-Sicherheitsverantwortliche darauf achten, dass ein derartiger Cyberangriff nur im RAM (Random Access Memory), Netzwerk und der Registry entdeckt werden kann. YARA-Regeln, die auf dem Scan schadhafter Dateien basieren, bieten hier keinen Schutz. Die Lösungen von Kaspersky Lab entdecken Angriffe mit den oben genannten Taktiken, Techniken und Verfahren. (Kaspersky Lab: ra)

eingetragen: 10.03.17
Home & Newsletterlauf: 15.03.17


Kaspersky Lab: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Hintergrund

  • Russischsprachiges Ransomware-Ökosystem

    75 Prozent der im vergangenen Jahr neu aufgetauchten Ransomware-Familien entstammt dem russischsprachigen Cyberuntergrund. So wurden mindestens 47 von insgesamt 62 neu entdeckten Krypto-Ransomware-Familien der Verschlüsselungsprogramme von russischsprachigen Cyberkriminellen entwickelt. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Kaspersky Lab über das russischsprachige Ransomware-Ökosystem hervor. Die Analyse zeigt zudem, dass sich vormals kleinere Gruppen mit eingeschränkten Fähigkeiten zu großen kriminellen Organisationen entwickelt haben, die über Ressourcen und Wissen verfügen, um private und geschäftliche Ziele auf der ganzen Welt anzugreifen.

  • RAMNIT 2.0: Gefährlicher denn je

    Das Internet vergisst nichts. Diese Erfahrung müssen leider auch Sicherheitsanbieter und Ermittlungsbehörden immer wieder machen. Zwar werden die Schlagzeilen von den neuesten Bedrohungen und Abwehrtechniken beherrscht, doch sollte man nicht den Fehler machen, "alte" Bedrohungen und Taktiken von Cyberkriminellen zu unterschätzen. Der totgeglaubte Bankentrojaner RAMNIT, der 2016 ein wahres Comeback gefeiert hat, ist ein perfektes Beispiel dafür. RAMNIT ist ein Banken-Trojaner, der seit 2010 sein Unwesen treibt und vertrauliche Informationen wie Kontodaten stiehlt. Europol wollte dem Treiben Einhalt gebieten und nahm im Februar 2015 einige Befehls- und Kontrollserver vom Netz, von denen aus der Trojaner auf den infizierten Rechnern der Anwender gesteuert wurde. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Behörden von 3,2 Millionen erfolgreichen Infektionen aus.

  • Unklar, wer hinter den Angriffen steckt

    Die Experten von Kaspersky Lab haben eine Reihe zielgerichteter und nahezu unsichtbarer Attacken entdeckt, die ausschließlich mittels legitimer Software durchgeführt wurden. Die Angreifer nutzen weitverbreitete Tools für Penetrationstests und Administratoren sowie das PowerShell-Framework zur Aufgabenautomatisierung unter Windows. Es werden keine Malware-Dateien auf der Festplatte hinterlassen, sondern lediglich kurzeitig im Speicher versteckt. Der Ansatz verhindert eine Entdeckung durch Whitelisting-Technologien und hinterlässt Forensikern kaum analysierbare Spuren oder Malware-Muster. Die Angreifer verbleiben nur im System, solange sie Informationen sammeln. Mit dem nächsten Systemneustart sind alle Spuren beseitigt. Die Angreifer sind noch aktiv.

  • Gefährlicher Code frei verfügbar

    Erneut wurde der Google Play Store zum Einfallstor für Cyberkriminelle: Nachdem der europäische Security-Software-Hersteller Eset bereits im Sommer 2016 mehrere gefälschte Pokémon-Apps entdeckt hat, enttarnte das Unternehmen jetzt zwei als Wetter-Apps getarnte Android-Trojaner. Die Trojaner verbreiteten ein Botnet, das nach einem Tipp von Eset ausgeschaltet werden konnte. Die beiden scheinbar harmlosen Wetter-Apps "Good Weather" und "World Weather" waren mehrere Tage lang im Google Play Store verfügbar, bevor sie von Eset entdeckt und vom Google Sicherheitsteam gelöscht wurden. Sie bildeten ein Botnet, das es auf die Anmeldeinformationen von Banken abgesehen hat. Außerdem konnte es Android-Smartphones ferngesteuert sperren und SMS-Nachrichten mitlesen.

  • Gut dokumentierte Infektionskette

    Forscher von Proofpoint haben eine neue Angriffsmethode entdeckt, die versucht, Google Chrome-Nutzer zum Herunterladen von Malware zu veranlassen. Erreicht werden soll dies durch selektive Injektionen in Websites, die das Auftreten von Problemen zusammen mit dem Angebot von gefälschten Lösungen vortäuschen. Benutzer in vielen verschiedenen Regionen sind betroffen. Die Infektionsmethode kombiniert kompromittierte Websites, Browser-Targeting und Social-Engineering, um Nutzer zu täuschen. Dieser neue Infektionsweg ist die letzte Entwicklung in der ElTest-Kette, einer gut dokumentierten Infektionskette, die kompromittierte Webseiten nutzt, um die betroffenen User auf EK-Landing-Seiten zu verweisen.